Bundesforste: Wald-Bilanz im Zeichen des Käfers

Borkenkäfer, lokale Windwürfe und Spätfrost prägten das Waldjahr 2016 - Schadholz bleibt auf hohem Niveau – Erneut 11 Mio. in Waldpflege investiert

Wien/Purkersdorf (OTS) - Mit Ende des Jahres ziehen die Bundesforste eine erste Bilanz über das Waldjahr 2016. „Von großen Schadereignissen blieben unsere Wälder heuer verschont“, fasst Rudolf Freidhager, Vorstand der Österreichischen Bundesforste (ÖBf), zusammen, fügt jedoch hinzu: „Verstärktes Borkenkäferaufkommen, lokale Windwürfe und starker Spätfrost machten dem Wald heuer allerdings zu schaffen.“ Dies wirkte sich auch auf das Schadholz aus. „Wir rechnen mit einer Schadholzmenge von rund 800.000 Erntefestmeter (Efm)“, so der Vorstand, „damit ist mehr als die Hälfte der jährlichen Erntemenge von 1,5 Mio. Erntefestmeter Schadholz.“ Verglichen zum Vorjahr ist der Schadholzanteil damit zwar von 66 % auf rund 55 % zurückgegangen, liegt jedoch noch immer deutlich über dem jahresüblichen Schnitt von rund 30 %. Hauptursachen waren lokale Windwürfe und Österreichs häufigster Waldschädling, der Borkenkäfer. „Wir investieren weiter in den Wald“, so Freidhager als Antwort auf diese Herausforderungen. „Allein heuer betragen die Investitionen in Waldpflege rund 11 Millionen Euro“, unterstreicht der Vorstand. Der größte Teil entfiel dabei auf Aufforstungen und Borkenkäferbekämpfung. „Allein 2016 wurden rund zweieinhalb Millionen Jungbäume ausgepflanzt“, betont Rudolf Freidhager.

Schadholz rückläufig, Borkenkäfer verdoppelt

Während das Schadholzaufkommen im Vergleich zum Vorjahr insgesamt rückläufig ist, hat sich der Anteil an so genanntem „Käferholz“ auf rund 400.000 Efm verdoppelt. Rund die Hälfte der gesamten Schadholzmenge von etwa 800.000 Efm geht auf das Konto des Borkenkäfers. „Zum überwiegenden Teil sind dies noch Nachwirkungen des schweren Eisanhangs und Schneebruchs im Winter 2014“, erklärt der Vorstand. Ein außergewöhnlicher Eisregen hatte damals die Wälder insbesondere des Waldviertels mit einer Eisschicht, sog. Eisanhang, überzogen, unter dessen Last zahllose Bäume abbrachen oder zusammenstürzten. Ein weiterer Teil des Schadholzes ist auf lokale Windwürfe im laufenden Jahr – vor allem in Salzburg und Tirol – zurückzuführen. Im April dieses Jahres brachte ein Spätfrost mit anhaltend tiefen Temperaturen bereits frisch ausgetriebene Buchenblätter zum Erfrieren. So waren in den nördlichen und südlichen Kalkalpen großflächig braun gewordene Buchen zu beobachten. Die Bäume haben einige Wochen später jedoch neu ausgetrieben, es muss nur mit kleinen Zuwachsverlusten gerechnet werden. Von bleibenden Schäden ist nicht auszugehen.

Gute Wachstumsbedingungen für Jungkulturen

Im Vergleich zum langjährigen Mittel war es heuer wärmer und im größten Teil Österreichs auch feuchter. „Es herrschten gute Wachstumsbedingungen für den Wald“, stellt Freidhager fest, „ausschlaggebend dafür war ausreichend Feuchtigkeit im Frühjahr, wo die meisten Jungpflanzen ausgebracht wurden. Infolge sind die Jungkulturen heuer sehr gut angewachsen. Aufgrund der feuchten Witterung konnten wir bereits im Frühjahr unsere Aufforstungen zur Gänze abschließen“, blickt der Vorstand zufrieden zurück. Gepflanzt wurden rund zweieinhalb Millionen Jungbäume, davon neben standorttypischen Fichten verstärkt Lärchen, aber auch andere alpine Arten wie Zirben, Tannen oder Bergahorn, um die Vielfalt im Wald zu fördern. Ein Drittel der gepflanzten Bäume waren Lärchen, die aufgrund ihrer tiefreichenden Wurzeln als sturmresistenter gelten als die flachwurzelnde Fichte. Der größte Teil der Jungpflanzen entfiel mit rund je 700.000 Bäumen auf die Bundesländer Oberösterreich und Salzburg, die von den Wetterkapriolen der letzten Jahre besonders betroffen waren. Rund 460.000 Jungpflanzen wurden in der Steiermark ausgebracht, etwa 400.000 in Niederösterreich, knapp 260.000 allein in Tirol.

11 Millionen Euro in Wald investiert

„Der Klimawandel bleibt für die Forstwirtschaft die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts“, betont der Vorstand und verweist auch auf dessen finanzielle Auswirkungen. „Durch häufiger auftretende Wetterkapriolen und Schadereignisse müssen wir verstärkt in Waldpflege investieren. Mit rund 11 Mio. Euro liegen die Investitionen in den Wald auch heuer wieder auf hohem Niveau, davon geht mit knapp 3 Mio. Euro der Großteil in die Aufforstung, weitere 4 Mio. Euro in Borkenkäferbekämpfung und Pflege von Jungwald“, schlüsselt Freidhager auf und ergänzt: „Aufgrund des feuchten Wetters waren die Aufwendungen für die Pflege der Jungkulturen heuer etwas höher als im Vorjahr. Ein sorgfältiges Monitoring und regelmäßige Borkenkäferkontrollen werden in Anbetracht der Wetterkapriolen auch weiterhin eine wichtige Aufgabe bleiben.“

Schäden durch Wildverbiss

Zu Buche schlagen auch die Maßnahmen zum Schutz vor Wildverbiss mit über einer halben Million Euro vor allem dort, wo die Wildstände zu hoch sind und ein waldverträgliches Maß übersteigen. Jungpflanzen von Tannen und Lärchen etwa gelten als „Leckerbissen“ am Speiseplan der Wildtiere, die sich durch steigenden Nutzungsdruck immer öfter in schwer zugängliche Waldgebiete zurückziehen. Insbesondere die Tanne leidet unter Wildverbiss. „Wir haben bereits damit begonnen, örtliche Maßnahmen zu setzen. So werden Schadensgebiete verstärkt in Eigenbewirtschaftung übernommen“, erläutert der Vorstand. „Zukünftig wollen wir bei den Aufforstungen die Kraft der Natur noch stärker nutzen. Werden die Jungpflanzen von den Wildtieren nicht zu sehr in Mitleidenschaft gezogen und muss von Menschenhand weniger nachgeholfen werden, kann sich der Wald sehr gut aus eigener Kraft erneuern“, erklärt Rudolf Freidhager. „Auf diese Art und Weise können nicht nur die natürlichen Waldtypen vom Auwald bis zum Lärchen-Zirben-Mischwald in ihrer Vielfalt gefördert, sondern auch Kosten für Aufforstungen um ein Vielfaches eingespart werden. Diese Umstellung ist allerdings – wie so vieles in der Forstwirtschaft – ein längerfristiger Prozess“, beschreibt Rudolf Freidhager zukünftige Herausforderungen.

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