Halbherziges Winterpaket der EU-Kommission verkennt große Chance erneuerbarer Energien in Europa

GLOBAL 2000 fordert deutliche Nachbesserungen und Vorrang für die Einspeisung erneuerbarer Energien und mehr Energieeffizienz

Wien (OTS) - Heute wurde das sogenannte „Winterpaket“ der EU-Kommission vorgestellt. Das Paket ist eines der großen Vorhaben innerhalb der EU und soll mit der Überarbeitung von zahlreichen Richtlinien die Erreichung der Klima- und Energieziele bis 2030 unterstützen. Es wird in den kommenden Monaten noch mit den Mitgliedsstaaten und dem EU-Parlament verhandelt werden. Für GLOBAL 2000 greift das Paket aber viel zu kurz: „Das Winterpaket der EU-Kommission ist halbherzig und verkennt die gewaltige Chance, die ein rascher Umbau unseres Energiesystems auf erneuerbare Energien darstellt. Für die Erreichung der Klimaziele von Paris braucht es eine deutliche Nachschärfung sowohl bei den Zielen für die Reduktion an Treibhausgasen, den Ausbau erneuerbarer Energien, die Steigerung der Energieeffizienz und ein Umsetzungspaket, das diesen Namen auch verdient“, so Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von GLOBAL 2000.

Mehr wäre notwending – und auch möglich!

So sieht die Umweltorganisation GLOBAL 2000 es zwar als positiv an, dass die EU-Kommission vorschlägt, das Ziel einer Steigerung der Energieeffizienz von 27 Prozent auf 30 Prozent anzuheben, aber viel mehr wäre möglich und auch notwendig. Studien zeigen, dass eine Effizienzsteigerung um 50 Prozent bis 2030 erreicht werden kann und der Anteil erneuerbarer Energien bis dahin auf einen Anteil von mindestens 45 Prozent ausgeweitet werden könnte, weiters ist eine Treibhausgasreduktion um 60 Prozent gegenüber 1990 bis 2030 machbar. Bis dato ist aber lediglich vorgesehen, den Anteil erneuerbarer Energie auf 27 Prozent zu erhöhen und die Treibhausgasemissionen um mindestens 40 Prozent zu reduzieren.

Grobe Mängel bei der Unterstützung erneuerbarer Energien

Besonders bei der Unterstützung erneuerbarer Energie ortet GLOBAL 2000 grobe Mängel des Winterpakets. So soll der Vorrang erneuerbarer Energien bei der Netzeinspeisung gegenüber fossiler Energie und Atomenergie fallen. Das würde bedeuten, dass beispielsweise an einem sonnigen, windigen Sonntag im August mit großem Angebot an erneuerbarer Energie und geringer Stromnachfrage, Solar- und Windkraftwerke vom Netz genommen werden können, während Atom- und Kohlekraftwerke weiter betrieben werden. Für GLOBAL 2000 ein völlig inakzeptabler Vorschlag: „Wenn das Winterpaket den Vorrang erneuerbarer Energie bei der Netzeinspeisung aushebeln will, ist das ein Kniefall vor der Kohle- und Atomkraftlobby der nicht zu akzeptieren ist. Die österreichische Bundesregierung und der zuständige Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner müssen sich für einen klaren Vorrang erneuerbarer Energie einsetzen und dieses durchsichtige Manöver durchkreuzen. Nur so kann die Energiewende von unten durch die BürgerInnen auch in jenen Ländern vorankommen, die immer noch auf umweltschädliche Atom- und Kohlekraftwerke setzen wollen“, so Johannes Wahlmüller weiter.

Keine Hürden für EnergiebürgerInnen!

Dabei erkennt die EU-Kommission die positive Rolle von Bürgerenergie im Winterpaket zurecht an. Es fehlt dann aber an der konkreten Unterstützung bei der Umsetzung von Bürgerenergieanlagen. Das Potenzial ist jedenfalls enorm. Erst im September hat GLOBAL 2000 mit anderen Umweltorganisationen eine Studie präsentiert, die zeigt, dass bis 2050 innerhalb der EU 45 Prozent des Strombedarfs durch dezentrale Erzeugungsanlagen in Bürgerhand gedeckt werden könnten. In Österreich könnten sieben von neun BürgerInnen zu „EnergiebürgerInnen“ werden und rund 37 TWh an Elektrizität produzieren. Das entspricht weit mehr als der Hälfte des derzeitigen Inlandsstromverbrauchs von 61 TWh. Gekoppelt mit dezentralen Speichersystemen können EU-BürgerInnen dann auch mithelfen, Schwankungen im Energienetz auszugleichen. „Es ist gut, dass die EU-Kommission die Chancen von Bürgerenergie anerkennt. Aber es braucht jetzt Unterstützung bei der Umsetzung und keine neuen Hürden, die diese Entwicklung dann wieder untergraben. Das Versprechen von Jean Claude Juncker, die EU weltweit zur Nummer 1 bei erneuerbarer Energie zu machen, kann mit diesem Paket nicht eingelöst werden. In den Verhandlungen mit den Mitgliedsstaaten und dem EU-Parlament müssen noch deutliche Nachbesserungen erreicht werden, damit die EU nicht den Anschluss an weltweite Entwicklungen verliert“, so Johannes Wahlmüller abschließend.

Rückfragen & Kontakt:

Johannes Wahlmüller, GLOBAL 2000 Klima- und Energiesprecher, +43 699 14 2000 41, johannes.wahlmueller@global2000.at

Michael Lachsteiner, GLOBAL 2000 Pressesprecher, michael.lachsteiner@global2000, +43 699 14 2000 20

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | GLL0002