WKÖ zu EU-„Winterpaket“: Brüssel macht Ernst mit Energieunion

Mehr Elan für Ökoenergie in grenzüberschreitenden Energiemärkten - österreichisches Ökostromgesetz darf Modernisierung nicht verpassen

Wien (OTS) - Die Europäische Kommission hat ein Paket von Vorschlägen präsentiert, das den Weg in ein nachhaltiges europäisches Energiesystem unterstützen soll. Wichtigste Eckpunkte: Nationale Energiemärkte sind von gestern, grenzüberschreitende Märkte das Ziel. Ökoenergie soll nicht durch Förderungen dem Qualitäts- und Preiswettbewerb entzogen werden. „Vorschläge, das alte Fördersystem in Österreich noch einmal auszubauen und die Reform aufzuschieben, sind daher nicht der Weisheit letzter Schluss“, sagt Stephan Schwarzer, Leiter der WKÖ-Abteilung für Umwelt- und Energiepolitik.

Österreich ist erfolgreich unterwegs: Seit dem ersten Ökostromgesetz 2002 hat sich der Anteil der erneuerbaren Energien von 22% auf 33% stark erhöht. In absoluten Zahlen: Im Jahr 2015 haben die erneuerbaren Energien rund 400 PJ zur heimischen Primärenergieerzeugung beigetragen. Grünstrom repräsentiert mehr als drei Viertel (77,9%) der heimischen Stromproduktion.

Das System ist wirksam, aber kostet seinen Preis. Das Unterstützungsvolumen hat sich in den letzten Jahren etwa um 250% erhöht. „Ziel ist nun, mehr Erfolg bei geringeren Kosten, also mehr Value for Money, anzustreben“, gibt Schwarzer die Richtung vor. Prämienmodelle und Ausschreibungen sind dafür eine Option, die die Beihilfenleitlinien der Europäischen Kommission bereits vorgeben.

Rohstoffbasierte Ökoenergie zur Lückenschließung einsetzen

Ohne Markt- oder Regelungsdruck werden Ökoenergien ihre spezifischen Vorteile nicht zum Vorteil des Gesamtsystems und der Stromverbraucher ausspielen können. „Rohstoffbasierte Ökoenergie soll dann produziert werden, wenn Bedarf besteht, also zur Lückenschließung oder als Ersatz für hochpreisige Importe, nicht aber wenn die Gülle anfällt“, fordert Schwarzer. Speicherung ist ein Schlüsselwort für ein zukunftsfittes Stromsystem. Dieses Thema darf nicht länger vernachlässigt werden.

Für ein neues Ökostromgesetz gilt es viele Fragen zu klären, unter anderem: In welchem Ausmaß wird Strom andere Energieträger ersetzen? Wird der deutsch-österreichische Strommarkt in nationale Teilmärkte zerlegt oder werden Energiemärkte der Logik des Binnenmarkts entsprechend integriert? Kann ein Ausschreibungsmodell in einem kleinräumigen Markt wie Österreich wirklich greifen, bedarf es nicht auch hier des Marktzusammenschlusses?

Neben der längst fälligen Verminderung der Ausgleichs- und Regelkosten soll die Abschaffung der verunglückten, aber kostspieligen Stromzertifikate Betrieben und Haushalten Belastungen ersparen. „Derzeit müssen Zertifikate gekauft werden, egal woher der Strom wirklich stammt - ein Ökoschmäh der Sonderklasse. Denn so kann sich auch Atom- und Kohlestrom mit Ökozertifikaten schmücken“, kritisiert der Experte. Wenn Verbrauchern Ökostrom mehr wert ist, dann sind sie bereit, höhere Preise zu tragen. So mindert sich dann der Zuschussbedarf von selbst. Dem steht aber derzeit die Verschleierung der wahren Herkunft der Stromlieferung durch irreführende Zertifikate entgegen, die nichts mit Ursprungszeugnissen zu tun haben. (PWK929/PM)

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