„Die Grenzen der Wohlstandsgesellschaft“: Auftakt der Zukunftsgespräche an der FH Campus Wien

Wien (OTS) - Ethisch-moralisch betrachtet hätten wir die Pflicht, zukünftigen Generationen eine lebenswerte Umwelt zu hinterlassen, sagt Monika Betzler. Und das heißt vor allem, das menschliche Tun in die richtige Richtung zu lenken, behauptet Gernot Wagner. Die Münchner Philosophin und der Harvard-Ökonom waren am 24. November zu Gast bei den ersten „Zukunftsgesprächen“ der FH Campus Wien und diskutierten mit ExpertInnen der FH über Möglichkeiten und Ansätze, den Klimawandel zu stoppen.

Der Menschheit stehen ökologisch, ökonomisch und sozial große Veränderungen bevor. Wachstum und Wohlstand wirken sich zunehmend negativ auf unsere Ressourcen, auf das Klima, auf Natur und Menschen aus. Wir stehen vor der Aufgabe, all unser Wissen und unsere Fähigkeiten dahingehend einzusetzen, diese negativen Auswirkungen zu stoppen.

Ausreichend viel hinterlassen

Auch wenn wir sie nicht kennen und keine Beziehungen zu ihnen haben – die zukünftigen Generationen haben ein Anrecht auf einen lebenswerten Planeten. „Wir müssen zukünftigen Generationen allerdings nur so viel bereitstellen, dass sie ein hinreichend gutes und damit menschenwürdiges Leben führen können. Zu diesem Zweck müssen wir Mindeststandards definieren“, sagt Monika Betzler. Zu mehr seien wir nicht verpflichtet, so die Professorin für Praktische Philosophie und Ethik an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität, aber das sei gar nicht so wenig.

Was philosophisch betrachtet so einfach klingen mag, ist tatsächlich viel schwerer zu lösen. Die Philosophie sage, welche Pflichten die Menschen hätten. Die empirischen Wissenschaften definierten die Mittel, die zur Umsetzung erforderlich seien, so Betzler. Entsprechende Ansätze wurden – moderiert von Ö1-Wissenschaftsjournalist Franz Zeller – im Rahmen der ersten „Zukunftsgespräche“ am 24. November an der FH Campus Wien diskutiert.

Kohlendioxid besteuern

Die Grundlagen des Klimawandels sind lange bekannt. „Aber es geht nicht nur um das, was wir wissen, sondern um das, was wir nicht wissen. Es ist diese Ungewissheit, die den Klimawandel so gefährlich macht“, sagt Gernot Wagner. Für den Klimaökonom aus Harvard und Co-Autor von „Klimaschock“ sind es vor allem die Ungewissheiten, warum wir schnell handeln müssen. „Den Klimawandel zu stoppen, ist kaum mehr möglich.“ Die Kohlendioxid-Emissionen müssten rasch auf Null reduziert werden, damit wir zumindest eine Chance hätten, das Schlimmste noch zu vermeiden. Was es braucht, seien vor allem politische Impulse, die Wirtschaftskräfte umzulenken, und einen ausreichend hohen Kohlendioxid-Preis. „Der grünwählende, vegetarische Radfahrer alleine – und ja, ich selbst bin das alles – wird die Welt nicht retten“, so der Ökonom.

Richtig entscheiden

„Eigentlich wissen wir als Gesellschaft, was zu tun wäre, tun es aber nicht, weil es uns schwer fällt, unser Verhalten zu ändern“, bringt Günter Horniak es auf den Punkt. Als eine von vielen Möglichkeiten plädierte er in der Diskussion für Nudging, also das „Anstupsen“ in die „richtige“ Richtung, dass es Menschen erleichtert, gute Entscheidungen zu treffen ohne auf Wahlfreiheit verzichten zu müssen. Der Studiengangsleiter Public Management glaubt nicht, dass Unternehmen und Konzerne die Welt vor dem Klimawandel und dessen Auswirkungen schützen werden, sondern dass es dazu globale, politische Anstöße und Entscheidungen im Sinne des „Gemeinwohls“ geben müsse.

Lebensmittel verpacken

„Um die Welt zu retten, ist mehr Verpackung nötig“, sagt Manfred Tacker. Das klingt paradox, ist es aber nicht: „Lebensmittel verursachen 30 % des weltweiten Kohlendioxid-Ausstoßes, Lebensmittelverpackungen 1 %. Wenn man berücksichtigt, dass in Schwellenländern 40 % der Lebensmittel verderben, weil sie nicht verpackt sind, und in Österreich 30 % der Lebensmittel weggeworfen werden, dann kann man sich ausrechnen, dass es eine schlechte Strategie wäre, auf Verpackungen zu verzichten, um das Kohlendioxid zu reduzieren“, so der Verpackungstechnologe, für den Unternehmen durchaus eine Rolle spielen, wenn es darum geht, den Klimawandel zu stoppen.

Robust bauen

„Anders als in den vergangenen 40 oder 50 Jahren denken wir heute beim Bauen Nachhaltigkeit mit“, sagt Markus Vill. Für den Forschungskoordinator im Department Bauen und Gestalten geht es darum, robust und nachhaltig zu bauen und Werte für die nachfolgenden Generationen zu schaffen, beispielsweise indem man den Zementanteil in Beton reduziert und durch Zusatzmittel ersetzt. Zement verursacht bei der Herstellung enorm hohe Kohlendioxid-Emissionen. Die Rolle der Unternehmen im Kampf gegen den Klimawandel sieht Vill vor allem auf der menschlichen Ebene: Die Unternehmen, das seien Menschen und es gehe um deren Bewusstseinsbildung.

Sinnhaftes tun

Von einem verändertem Bewusstsein spricht Brigitta Zierer, wenn es um die soziale Verantwortung junger Menschen geht. Sie werde aber heute anders wahrgenommen: „Die sogenannte ‚Generation What‘ will sich weniger großen Organisation anschließen, sie will selbst und unmittelbar etwas tun“, so die Sozialwissenschafterin. Das Soziale müsse im Zusammenhang mit ökologischer, ökonomischer und technologischer Nachhaltigkeit ständig mit bedacht werden. Junge Menschen müssten ermutigt werden, sich global zu orientieren, um Systeme und deren Wirkungen besser verstehen zu lernen.

Künstlerisch entgrenzt

Die Zukunftsgespräche der FH Campus Wien werden künstlerisch von Karin Mairitsch begleitet. Anlässlich des ersten Zukunftsgesprächs am 24. November 2016 fand die Eröffnung der Ausstellung statt. Unter dem Titel „Entgrenzt“ werden 70 Werke der Künstlerin gezeigt, die inhaltlich die ersten drei Themenschwerpunkte der Zukunftsgespräche der FH Campus Wien aufgreifen:

> magisch. Unbehagen im Wohlstand > handzahm. Smart Objects > vergessen. Enteignung der Vergangenheit Gegenwart Zukunft

http://www.ots.at/redirect/campuswien

Fotos der Veranstaltung (©FHCampus Wien):
https://flic.kr/s/aHskPyGHCS

Zukunftsgespräche an der FH Campus Wien

Die Mission der FH Campus Wien ist es, Zukunft mit Bildung zu gestalten. Die Veranstaltungsreihe „Zukunftsgespräche“ der FH Campus Wien greift diesen Anspruch unmittelbar auf. Namhafte Gäste aus dem In- und Ausland diskutieren mit den ExpertInnen der FH über die aktuellen Herausforderungen der Menschheit und die Grenzen, an die man bei deren Lösung bisweilen stößt. Die Zukunftsgespräche suchen nach Ansätzen für die Zukunft und bieten Raum für öffentlichen Diskurs. Thema der Auftaktveranstaltung am 24. November 2016 waren „Die Grenzen der Wohlstandsgesellschaft“.

Die Zukunftsgespräche finden alljährlich im Frühjahr und im Herbst statt. Die nächste Veranstaltung ist im Mai 2017 geplant und wird sich den Grenzen der Lebensqualität widmen.

FH Campus Wien

Mit rund 5.800 Studierenden ist die FH Campus Wien die größte Fachhochschule Österreichs. In den Departments Applied Life Sciences, Bauen und Gestalten, Gesundheitswissenschaften, Pflegewissenschaft, Public Sector, Soziales und Technik steht ein Angebot von 59 Bachelor- und Masterstudiengängen sowie Masterlehrgängen in berufsbegleitender und Vollzeit-Form zur Auswahl:
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