AK-Kalliauer zu Pierer und Kapsch: „Hören Sie auf mit der Miesmacherei des Standortes und der Beschäftigten!“

Linz (OTS) - Die Industriellen Stefan Pierer und Georg Kapsch lieferten wieder wahre Tiraden gegen den Staat, die Sozialpartnerschaft und vor allem gegen die Arbeitnehmer/-innen. „Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen“, erinnert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer den KTM-Chef Pierer an die Rettungsaktion seines eigenen Unternehmens durch den Staat: „Wer für seine Firma Landeshaftungen und für seine Entwicklungstätigkeiten öffentliche Unterstützung in Anspruch nimmt, dessen Angriffe auf den Staat sind peinlich und wirklich entbehrlich!“

„Die international überdurchschnittlich guten Leistungen von Österreichs Volkswirtschaft mieszumachen, ist ein Generalangriff auf alle Arbeitnehmer/-innen und auf die vielen Betriebe, die miteinander sehr gut arbeiten. Ein Beitrag dazu ist das funktionierende Zusammenspiel von Gesetz, Kollektivverträgen und Betriebsvereinbarungen, ein österreichischer Bonus, um den uns sehr viele Staaten beneiden. Er bewahrt die Betriebe und die Beschäftigten vor einem bodenlosen Wettbewerb nach unten“, sagt AK-Präsident Kalliauer. Eine Aufweichung von arbeitsrechtlichen Schutzstandards kommt für die Arbeiterkammer nicht in Frage. Enormen Verbesserungsbedarf gibt es aber bei den Löhnen, bei den Arbeitsbedingungen und vor allem bei den Steuertricks der Konzerne.

Österreichs Arbeitnehmer/-innen sind überdurchschnittlich flexibel

Permanent beklagen Unternehmervertreter/-innen die angeblich „untragbare Arbeitszeitregulierung“. Die Realität sieht für die österreichischen Arbeitnehmer/-innen ganz anders aus – flexibles Arbeiten ist für sie „tägliches Brot“:
• bei deutlich mehr als der Hälfte ist die Arbeitszeitdauer pro Tag nicht gleich,
• fast ein Drittel der Beschäftigten hat jede Woche andere Arbeitszeiten,
• jede/r Zweite hat keinen fixen Arbeitsbeginn und/oder kein fixes Arbeitsende.

Damit weist Österreich bei der Flexibilität überdurchschnittlich hohe Werte auf. Besorgniserregend kommt dazu, dass zwei von drei Arbeitnehmern/-innen fast immer oder sehr oft unter Termindruck arbeiten müssen. (Quelle: Europaweite Erhebung über die Arbeitsbedingungen - 6th Working Conditions Survey von Eurofound)

Lohnnebenkosten im EU-Schnitt

„Österreich liegt bei den Lohnnebenkosten etwa im EU-Schnitt,“ reagiert AK-Präsident Kalliauer auf Pierers Schelte. „Die in den Löhnen enthaltenen Sozialversicherungsbeiträge sind ein wichtiger Beitrag für die Finanzierung von Pensionen und anderen Versicherungsleistungen unseres hervorragenden Sozialsystems.“ Übrigens beträgt das mittlere Bruttoeinkommen in Österreich nicht (wie Pierer behauptet) 3.000 Euro, sondern liegt fast ein Drittel darunter – laut Sozialversicherungsdaten bei rund 2.100 Euro.

Der wahre Schaden für den Standort ist die Steuervermeidung

Durch die internationale Steuervermeidung und -hinterziehung entgehen Österreich und anderen Staaten wichtige Finanzierungsmittel. „Das ist der wahre Schaden für Österreich“, so Kalliauer, „für dessen Behebung sich der Finanzminister mehr einsetzen sollte.“

Mit der Wirtschaftskraft, dem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, rangiert Österreich seit Jahren unter den besten zehn Industriestaaten. Auch die außenwirtschaftliche Performance ist sehr dynamisch: in den letzten zwei Jahrzehnten sind die Exporte real um rund 150 Prozent gestiegen.

Aufholbedarf hat Österreich aber bei seiner binnenwirtschaftlichen Entwicklung: Denn die massiven Zuwächse im Export lassen zwar die Profite der Exportindustrie florieren, nicht aber die Löhne der Arbeitnehmer/-innen und auch nicht die Investitionen der Unternehmen. Der private Konsum der Menschen ist gerade einmal um ein Drittel höher als vor zwanzig Jahren, und die Investitionen haben sich noch schwächer entwickelt.

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