33. Deutscher Logistik-Kongress

"Wind of Change" in Logistik und Supply Chain Management / Wertschöpfung in dynamischen Netzwerken verändert den Wettbewerb

Berlin (ots) - Bildmaterial wird über obs versandt und ist abrufbar unter http://www.presseportal.de/pm/43329/3460317

  • Wirtschaftsbereich Logistik diskutiert neue Geschäftsmodelle
  • Betriebliche Realität wandelt sich mit Data-Mining, Real Time Transparency, Collaboration und Connectivity
  • Trends und Strategien: Erste Studienergebnisse vorgestellt

Unter dem Motto "Den Wandel gestalten" hat am heutigen Mittwoch der 33. Deutsche Logistik-Kongress der Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V. in Berlin begonnen. Drei Tage lang werden sich die rund 3000 Teilnehmer aus Industrie, Handel, Logistikdienstleistung und Wissenschaft über aktuelle Fragestellungen und grundsätzliche Themen von Supply Chain Management und Logistik austauschen. Erwartet werden Gäste aus rund 40 Ländern weltweit.

Digitale Transformation

In seiner Eröffnungsrede ging der Vorstandsvorsitzende der BVL Prof. Raimund Klinkner insbesondere auf den Prozess, auf Chancen und Risiken der derzeitigen digitalen Transformation ein. "Fest steht:
Die Organisation von Wertschöpfung in dynamischen Netzwerken verändert den Wettbewerb grundlegend. Der Faktor Zeit wird minimal; wir agieren und reagieren in Echtzeit. Smart Factories richten ihre Produktion kurzfristig auf Wünsche einzelner Kunden aus. Smart Companies organisieren Lieferketten parallel und gleichen ihr Angebot dynamisch mit sich entwickelnden Trends in sozialen Medien ab", entwickelte Klinkner das Szenario und fuhr fort: "Digitalen Zugang zu Kunden hat nur, wer die Spielregeln des digitalen Marktes versteht."

Trends und Strategien in Logistik und Supply Chain Management

Die aktuelle BVL-Studie "Trends und Strategien in Logistik und Supply Chain Management", deren Ergebnisse beim Kongress präsentiert werden, bestätigt:

- Kostendruck, Individualisierung und Komplexität sind weiterhin Top-Trends, aber der Top-Trend Digitalisierung bietet die Chance, diese zu beherrschen.

- Digitale Transformation wird vom "Ende der Wertschöpfungskette" getrieben, von den Endkunden und den Endprodukteherstellern.

- Rund drei Viertel der Unternehmen schätzen Chancen, die sich für ihr Unternehmen durch eine digitale Transformation ergeben, als hoch bis sehr hoch ein, aber mehr als die Hälfte wartet ab, bis erprobte Lösungen vorliegen.

Für die Studie unter Leitung von Prof. Wolfgang Kersten (TU Hamburg) und Prof. Mischa Seiter (IPRI, Stuttgart) wurden in einer Online-Befragung rund 450 Teilnehmer befragt, die Forscher führten mehr als 30 individuelle Interviews und sechs Fachgruppendiskussionen durch. Weitere Erkenntnisse gewannen sie durch eine Big-Data-Analyse von 7.800 Fachartikeln aus wichtigen wissenschaftlichen Journals.

Umsatz und Arbeitsplätze

Der Kongress findet bei allgemein guter Stimmung statt. Das Konjunkturklima in der deutschen Logistikwirtschaft hat sich nach dem etwas schwächeren Sommer wieder verbessert, auch wenn Industrie und Handel die aktuelle Lage etwas schlechter einschätzen, als ihre Kollegen aus der Logistik-Dienstleistung. Diese berichten eine höhere Kapazitätsauslastung und eine verbesserte Geschäfts- und Auftragslage. Die BVL erwartet für das laufende Jahr ein Leistungsvolumen des Wirtschaftsbereichs Logistik in Deutschland in Höhe von etwa 258 Milliarden Euro, was einem Zuwachs von rund 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Um den Logistikkostenmix und den Jahresumsatz im Wirtschaftsbereich Logistik präzise vermessen zu können, wurde für die Neuausgabe der »Top 100 der Logistik« 2016/2017 ein verbessertes Verfahren gewählt:
Die Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services SCS hat über zehn Jahre Daten und Auswertungen zu Branchenumsätzen, Logistikkostensätzen und Logistikstandorten gesammelt und eine Hochrechnung entwickelt, die erstmals die Kostenfaktoren "Gütertransport", "Lagerhaltung und Umschlag", "Administrative Kosten" und "Kosten für die Beständehaltung" für die deutsche Logistikwirtschaft ableitbar macht. Seit der Überarbeitung der Berufe-Klassifikation durch die Bundesagentur für Arbeit sind zudem neue Auswertungen zur Logistikbeschäftigung entwickelt worden.

Auf Grundlage dieser neuen Daten erfolgte eine Neubemessung der Größe der Logistikwirtschaft mit rund 253 Milliarden Euro für 2015. Damit liegt der Gesamtumsatz der Logistik in Deutschland rund 4 Prozent höher als bisher angenommen. Die Größe des Logistikmarktes wurde in der Vergangenheit mit der alten Methodik also leicht unterschätzt. Rund 2,95 Millionen Menschen sind aktuell in logistischen Berufen in der Industrie, im Handel und bei den Logistikdienstleistern beschäftigt. Für 2017 prognostiziert die BVL auf der Grundlage der Zahlen der Logistikweisen unter Leitung von Prof. Christian Kille ein weiteres 1,9-prozentiges Wachstum auf einen Umsatz in Höhe von etwa 263 Mrd. Euro. Die Zahl der Beschäftigten dürfte sich stetig auf die Drei-Millionen-Marke zubewegen. "Ursachen für die eher verhaltene Einschätzung sind verschiedenste globale Krisenherde und politische Entscheidungen in der EU, in Osteuropa, im Nahen und Fernen Osten und den USA", so Prof. Raimund Klinkner.

Programmschwerpunkte des Kongresses

Argumente und Meinungen

In diesem Jahr sprechen im Plenum (in der Reihenfolge ihrer Vorträge): Michael Ziesemer (Präsident des ZVEI und Vizepräsident des BDI), Oliver Zipse (Vorstandsmitglied der BMW AG), Joachim Drees (Vorstands-vorsitzender von MAN), Hans Christian Schmidt (Minister für Transport und Bau des Königreichs Dänemark), S. E. Kamal bin Ahmed Mohammed (Minister für Verkehr und Telekommunikation des Königreichs Bahrain), Stephan Brobst (CTO, Teradata), Roy Perticucci (Vice President Europe, Amazon), EU-Kommissar Günther H. Oettinger, Karl-Theodor zu Guttenberg (Spitzberg Partners), Janina Kugel (Vorstandsmitglied der Siemens AG), Dr. Sigrid Evelyn Nikutta (Vorstandsvorsitzende der Berliner Verkehrsbetriebe) und Prof. Dr. Clemens Fuest (Präsident des Ifo-Instituts. Gast bei der Gala am Abend des ersten Kongresstages ist S.K.H. Prinz Joachim zu Dänemark. Einen weiteren Höhepunkt des Kongresses verspricht die Podiumsdiskussion am ersten Kongresstag. Unter Leitung des Publizisten Roland Tichy diskutieren Christoph Behrendt (SAP), Sabine Bendiek (Microsoft Deutschland), Amadou Diallo (DHL Freight), Prof. Günther Schuh (RWTH Aachen) und Peter Umundum (Österreichische Post), wie der Wandel erkannt und angenommen werden kann.

Fakten und Analysen

Vier Tracks unter den Schlagworten Transformation, Digital, Branchen sowie Science und Research bieten in je vier separaten Sequenzen die ganze Bandbreite aktueller logistischer Themen. Unter anderem geht es um Change Management, Urbane Logistik, Pharma und Healthcare oder digitales Transportmanagement. Prof. Wolfgang Kersten, Projektleiter der aktuellen BVL-Studie zu Trends und Strategien in Logistik und Supply Chain Management präsentiert erste Ergebnisse seiner Forschungsarbeit. Verschiedene Logistik-Thinktanks lassen die Teilnehmer des Kongresses an ihrer Arbeit teilhaben. Nicht-Logistiker erläutern ihre neuen Geschäftsmodelle - und geben damit Impulse für den Wirtschaftsbereich Logistik. Es geht um die Cloud und Fragen der Datensicherheit, um die Herausforderungen in der Automobilindustrie und im Maschinen- und Anlagenbau - und um das Image des Wirtschaftsbereichs Logistik.

Rückfragen & Kontakt:

Ulrike Grünrock-Kern, Pressestelle der Bundesvereinigung Logistik
(BVL)e.V., Tel.:0421 173 84 21; Mail: gruenrock-kern@bvl.de

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