Nationalratspräsidentin Bures betroffen über Ableben von Professor Moshe Hans Jahoda

"Eine starke mahnende Stimme ist verstummt"

Wien (PK) - In der Nacht auf heute ist Professor Moshe Hans Jahoda in Israel gestorben. Der 1926 in Wien geborene Jahoda war federführend in die Verhandlungen um das Washingtoner Abkommen als Vertreter der Claims Conference eingebunden, Kuratoriumsmitglied des Nationalfonds der Republik Österreich für die Opfer des Nationalsozialismus wie auch des Zukunftsfonds der Republik Österreich.

Für die aus Österreich stammenden Überlebenden des Holocaust war Moshe Hans Jahoda eine wichtige Stütze. Über Jahrzehnte engagierte er sich persönlich für die Opfer des Nationalsozialismus, forderte in Österreich immer wieder die ihnen zustehende Unterstützung ein.

"Sein Leben blieb stets von politischer Wachsamkeit geprägt. Moshe Hans Jahoda war bis zuletzt ein Kämpfer für Gerechtigkeit. Mit Moshe Hans Jahoda ist eine starke mahnende Stimme für immer verstummt. Sein Tod ist für Österreich ein großer Verlust", so Nationalratspräsidentin Doris Bures.

Darüber hinaus war Moshe Hans Jahoda für den Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus seit 20 Jahren ein wichtiger Kooperationspartner und eine zentrale Ansprechperson in Israel. "Dank seiner unermüdlichen Arbeit gelang es, vielen Überlebenden die dringend benötigte Hilfe und Unterstützung in ihren späten Jahren zukommen zu lassen. Wir verlieren nicht nur einen wichtigen Partner, sondern auch einen lieben Freund", so die Generalsekretärin des Nationalfonds Hannah Lessing.

Der Sohn jüdischer Eltern wurde 1926 als Hans Jahoda im 15. Wiener Gemeindebezirk geboren. Im März 1938 erlebte er als 12-Jähriger den "Anschluss" seiner Heimat an das Deutsche Reich mit und wurde Zeuge als beim Novemberpogrom der nationalsozialistische Mob den Turnertempel niederbrannte. 1939 gelang es ihm, allein mit der Kinder-Alija nach Palästina zu flüchten. Seine Familie wurde im Holocaust ermordet.

In Israel fand Moshe Hans Jahoda eine neue Heimat, für die er sich mit ungebrochener Kraft einsetzte - als junger Mann im Kibbuz, in der Arbeiterjugend und in der Hagana. Er kämpfte im Unabhängigkeitskrieg; später war er in maßgeblichen Positionen in Israel im Landwirtschaftsministerium und in der Krankenkasse sowie auf Auslandsmissionen für das American Joint Distribution Committee und die Claims Conference tätig.

In seinem Buch "Hier, dort und andere Welten", das im Mai 2013 im österreichischen Parlament vorgestellt wurde, hat Moshe Hans Jahoda selbst seine Erinnerungen in sehr eindrücklicher und persönlicher Art und Weise niedergeschrieben. Die Erfahrungen seiner Kindheit haben Moshe Hans Jahoda nachhaltig geprägt. In seinem Buch spricht er vom Novemberpogrom als "jener Nacht im Jahr 1938, nach der nichts mehr war wie vorher".

Moshe Hans Jahoda kam in den letzten Jahren immer wieder nach Österreich und erinnerte unermüdlich an die Notwendigkeit des Lernens aus Geschichte. In den Kuratorien von Zukunftsfonds und Nationalfonds leistete er wertvolle Beiträge bei der Unterstützung der Überlebenden und zum Bewahren der Erinnerung an den Holocaust. Im November 2013 wurde Moshe Hans Jahoda für seine Verdienste vom damaligen Bundespräsidenten Heinz Fischer der Professorentitel verliehen - eine verdiente Würdigung durch die Republik Österreich.

Ihre Anteilnahme drücken die Nationalratspräsidentin und die Generalsekretärin seiner Frau Schula und den Söhnen Ilan und Raz, den FreundInnen und WeggefährtInnen des Verstorbenen aus. (Schluss)red

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