Klimaschutz: „Norwegen als Vorbild nehmen“

Statt auf Agrosprit sollte Österreich ebenfalls auf Öffis, Fahrräder und Elektroautos setzen

Wien/Graz (OTS) - Nimmt Österreich den Klimavertrag von Paris ernst, dann muss der gesamt Verkehr im Land bis 2050 erdölfrei werden. Doch davon ist die Alpenrepublik weit entfernt – der Verkehr ist der einzige Sektor mit im Vergleich zum Jahr 1990 steigenden Treibhausgas-Emissionen. Norwegen hingegen will nun als erstes Land der Welt Benzin- und Dieselautos verbieten. Ab 2025 sollen nur mehr Elektroautos verkauft werden dürfen. Gleichzeitig sollen Radwege und der öffentliche Verkehr massiv ausgebaut werden.

Österreich geht bislang beim Klimaschutz einen anderen Weg und forciert seit Jahren die Beimengung von Treibstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen. Diese sind aber aus mehreren Gründen höchst umstritten: Zum einen stammt etwa beim Agrodiesel nur ein Bruchteil aus heimischer Produktion. Der Großteil wird importiert, auch aus Drittstaaten wie Indonesien, wo die Produktion von Palmöl für Agrodiesel mit schweren Umweltzerstörungen und Landraub verbunden ist.

Abgesehen davon ist auch der Nutzen von „Biotreibstoffen“ für den Klimaschutz sehr fraglich. Eine aktuelle Studie der EU-Kommission, die über Monate zurückgehalten wurde, belegt etwa, dass die Klimabilanz von Agrotreibstoffen deutlich schlechter ausfallen kann als bei fossilen Treibstoffen. Der Grund: Wird der Effekt von Landnutzungsänderungen durch den Anbau von Palmöl oder Soja berücksichtigt, kann Palmöl demnach dreimal so viele Emissionen verursachen wie herkömmlicher Diesel, Soja doppelt so viele.

Dem Bioenergie- und Landnutzungsexperten Christian Lauk von der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt zufolge würden Agrotreibstoffe nur das Festhalten am Auto verlängern und somit notwendige Änderungen im Verkehrsbereich verzögern: „Wir sollten daher über Nutzen und Folgen einer siebenprozentigen Beimengung nachdenken und darüber, ob es uns das Wert ist.“

„Österreich kann sich ein Beispiel an Norwegen nehmen“, meint Markus Meister, Experte für Agrotreibstoffe beim Welthaus Graz. Das Erdölförderland habe beim Klimaschutz langfristige Pläne. Erlöse aus Erdöleinnahmen würden dafür eingesetzt, den Verkehrsbereich so CO2-arm wie möglich zu gestalten. Österreich sollte hier nachziehen und den öffentlichen Verkehr, Fahrräder und E-Fahrzeuge massiv fördern. „Die Nutzung von Bioenergie müsste auf ein Niveau begrenzt werden, das durch nachhaltige Produktion erreicht werden kann“, fordert Meister.

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