Neues Volksblatt: "Déjà-vu des Terrors" (von Manfred Maurer)

Ausgabe vom 26. März 2016

Linz (OTS) - Das Phänomen ist mittlerweile wie das „Je suis xy“-Ritual und die Wir-werden-uns-unsere-Werte-nicht-nehmen-lassen-Parole fixer Bestandteil der Aufarbeitung terroristischer Großereignisse: Die Sicherheitsbehörden kommen unmittelbar nach dem Blutbad drauf, dass die Urheber keineswegs Unbekannte, sondern schon lange vor der Tat aktenkundig waren. So war das in Brüssel, in Paris, in Boston usw. Das hat auch zu tun mit der in solchen Fällen als Schwäche empfundenen Stärke des Rechtsstaates, in dem nun einmal nicht jeder, der radikale Ansichten vertritt, auf Verdacht weggesperrt werden kann. Aber das ist nur ein Teil der Erklärung. Ein anderer ist die Überforderung der Behörden bei der Suche nach der Stecknadel in einem immer größere werdenden Heuhaufen: Wer klopft nur radikale Sprüche und wer ist wirklich gewaltbereit? Da kann es schon passieren, dass nach einem Anschlag plötzlich für sehr wesentlich gehaltene Informationen vorher unbeachtet bleiben.
Das Problem ist also weniger ein Mangel an Informationen, als vielmehr das Manko bei deren Verarbeitung. Bevor daher nun ein weiteres Ritual, nämlich der Ruf nach mehr Überwachung, abgespielt wird, sollte umgesetzt werden, was sich die EU-Innenminister vorgenommen haben: Die Geheimdienste müssen endlich über die Grenzen hinweg kooperieren. Das Sensorium für die Stecknadel muss verbessert, nicht der Heuhaufen vergrößert werden.

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