TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Heta-Krimi mit offenem Schluss", von Alois Vahrner, Ausgabe vom 13. März 2016

Kärnten droht die Pleite, den Anlegern am Schluss doch weniger Geld und dem Standort Österreich ein schwerer Imageschaden.

Innsbruck (OTS) - Das Befürchtete ist eingetreten: Die Gläubiger sagten Nein zum Rückkaufsangebot für die Heta-Anleihen. Am Ende könnten alle als Verlierer dastehen.

Das aus Kärntner Großmannssucht ausgelöste und wegen mangelnder Kontrollen nicht verhinderte Desaster um die frühere Hypo Alpe Adria war für die Steuerzahler schon lange ein Milliarden-Albtraum, ein Schrecken ohne Ende. Wie es ausschaut, kommt das dicke Ende erst: Mit ihrer Ablehnung des Rückkaufangebots, das Finanzminister Schelling mit einer Nullkupon-Anleihe (die Gläubiger hätten in 18 Jahren die volle Summe bekommen, aber ohne Zinsen), bleibt Kärnten auf seinen in der Ära Haider unverantwortlich aufgeblähten Milliarden-Haftungen sitzen.
Was jetzt passieren wird, ist nur bis zu einem gewissen Grad kalkulierbar, weil sich alle Beteiligten auf juristisches Neuland begeben. Eine Fahrt ins Ungewisse, bei der es am Ende keinen Sieger, sondern nur Verlierer zu geben droht.
Kärnten, das seine eingegangenen Verpflichtungen aus eigener Kraft nie und nimmer einhalten kann, droht der Bankrott – mit unabsehbaren Folgen für die Bevölkerung. Wann und ob es tatsächlich dazu kommt, ist noch offen. Fraglich ist auch, ob, wann und wie viel die Gläubiger, die so vehement auf ihr Recht pochen, mehr herausbekommen können als die gebotenen 75 bis 80 Prozent.
Finanzminister Schelling, das loben auch die Grünen, hat Flexibilität und Entschlossenheit zugleich gezeigt – im Gegensatz zu seinen Vorgängern, wie hinzugefügt wird. Trotzdem: Der Ruf des Finanz- und Wirtschaftsstandorts Österreich droht großen Schaden zu nehmen, so es nicht doch zu einer Lösung kommt. Solche Ausfälle sah man zuletzt nur in Ländern wie Griechenland oder der Ukraine – aber etwa auch in Kalifornien. Von der Wiedererlangung des Triple-A-Ratings ist Österreich nun meilenweit entfernt, im Gegenteil droht so manchen Austro-Ratings vielmehr eine Abstufung.

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