ÖGB-Frauen orten Verbesserungsbedarf bei Papamonat und Kinderbetreuungsgeldkonto

Frauentag: Glaswände durchbrechen, um mehr Geschlechtergerechtigkeit am Arbeitsmarkt zu erreichen

Wien (OTS) - Obwohl Frauen noch immer nicht da sind, wo sie sein wollen, haben sie seit der Einführung des Frauentags vor mehr als 100 Jahren immer wieder bewiesen, dass sie vieles zum Besseren verändern können, betont Renate Anderl, ÖGB-Vizepräsidentin und Frauenvorsitzende, anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März. Als positive Beispiele nennt sie unter anderem die Einführung der Einkommensberichte, aber auch den kürzlich in Kraft getretenen Kündigungsschutz nach einer Fehlgeburt und die Karenz für Pflegeeltern ohne Adoptionsabsicht. Auch der Idee, das Kinderbetreuungsgeld flexibler zu gestalten, stehen die ÖGB-Frauen positiv gegenüber. „Es freut uns, dass nun alle BezieherInnen die gleiche Geldsumme bekommen. Absolut erforderlich ist jedoch ein vom Familienministerium zur Verfügung gestellter Online-Rechner, damit sich Eltern die Beträge ausrechnen können“, fordert Anderl und kritisiert, dass es beim geplanten Familienzeitbonus (=Papamonat) keinen Rechtsanspruch, keinen Kündigungsschutz, keine Sozialversicherung für diese Zeit und vor allem keine flexible Dauer gibt. „Trotz positiver Maßnahmen droht diese Initiative zur Falle für viele Väter zu werden. Väter sollen die Möglichkeit bekommen, Zeit mit ihrem Kind zu verbringen und die Mutter zu unterstützen, ohne Angst vor einem Jobverlust haben zu müssen. So kann das Gesetz auf keinen Fall beschlossen werden.“

Um von einer echten Geschlechtergerechtigkeit sprechen zu können, braucht es aus Sicht der ÖGB-Frauen neben einem Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz ab dem ersten Lebensjahr Kinderbildungseinrichtungen in ganz Österreich, die Eltern Vollzeitjobs ermöglichen, aber auch ganz dringend ein Umdenken in der Gesellschaft: „Damit Mädchen und Buben in Zukunft alle Möglichkeiten offenstehen und ein gleichberechtigter Start in ihr Leben gewährleistet wird, müssen wir uns von der klischeehaften Vorstellung ‚Der Mann ist ein gutbezahlter Ingenieur und somit der Ernährer‘ verabschieden. Es darf nicht vom Geschlecht abhängen, wer wieviel verdient und wer welchen Beruf ausübt“, sagt Anderl.

„Die Hürden am Arbeitsplatz für Frauen werden von der Gesellschaft oft nur als ‚Frauenanliegen‘ abgetan. Damit muss Schluss sein. Die Ungerechtigkeiten betreffen uns alle, nicht nur Frauen“, so Anderl. Obwohl Frauen gut ausgebildet und qualifiziert sind, schaffen es die wenigsten, die „gläserne Decke“ zu durchbrechen. Der Frauenanteil in Führungspositionen liegt lediglich bei 7,2 Prozent. „Wir wären einen großen Schritt weiter, wenn sich mehr Männer solidarisch zeigen, und den jahrzahntelangen Schrei der Frauen nach Chancengleichheit unterstützen würden.“ Neben der „gläsernen Decke“ stelle nämlich auch die „gläserne Wand“ ein großes Hindernis für Frauen dar. Der Frauenanteil in typischen Männerberufen lasse zu wünschen übrig. „Frauen sind vor allem im Niedriglohnsektor beschäftigt. Es braucht dringend nachhaltige Maßnahmen, damit mehr Frauen in die besserbezahlten Männerberufe durchdringen und dort Karriere machen. Gleichzeitig müssen aber auch die Arbeitsbedingungen und Löhne in frauendominierten Branchen verbessert werden. Wir fordern einen kollektivvertraglichen Mindestlohn von 1.700 Euro, der vor allem Frauen zu Gute kommen würde“, so Anderl.

Der Internationale Frauentag ist auf der ganzen Welt ein wichtiges Datum – er steht für den langen Kampf der Frauen um Gleichberechtigung. Nach wie vor ist die Gleichstellung der Geschlechter weder in Österreich noch im Rest der Welt Realität. Die Forderung der ersten Stunde „Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit“ ist bis heute nicht umgesetzt. 2015 verdienten Frauen um 22,4 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Sie werden vermehrt in Teilzeitjobs gedrängt, die zu einer geringeren Pension und somit auch zu Altersarmut führen. „Das zeigt, dass wir noch viel zu tun haben“, so die ÖGB-Vizepräsidentin abschließend.

Rückfragen & Kontakt:

ÖGB-Kommunikation
Amela Muratovic
01/534 44-39262
0664/886 286 52

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NGB0001