Muslimische Religionsvertreter der Zentralafrikanischen Republik unterstützen gemeinsam den sozialen Zusammenhalt

Recht auf Rückkehr, Wohnen, Sicherheit und Zugang zu Arbeit sind dringende Herausforderungen

Wien (OTS) - Im Rahmen der Konferenz, die kürzlich im Internationalen Dialogzentrum (KAICIID) stattfand, beschlossen Vertreter der muslimischen Gemeinschaft der Zentralafrikanischen Republik einstimmig, gemeinsam an einer Reihe von Herausforderungen, wie etwa die Rückkehr aller Flüchtlinge (ohne Unterscheidung nach religiösem Hintergrund), die durch den jüngsten Konflikt vertrieben wurden, zu arbeiten.

Mehr als 40 religiöse Würdenträger sowie Vertreter muslimischer Frauen- und Jugendorganisationen und Vertreter der Zivilgesellschaft trafen im Rahmen dieser Dialog-Veranstaltung in Wien aufeinander. Die muslimische Gemeinschaft der Zentralafrikanischen Republik, die in der Vergangenheit durch interne Konflikte gespalten war, sollte im Rahmen dieser Konferenz einheitliche Strategien zur Bewältigung der Probleme ausarbeiten, denen die muslimische Gemeinschaft nach dem Bürgerkrieg, der das Land zerstört hat, gegenübersteht.

An der Konferenz nahmen wichtige internationale Beobachter Teil:
unter anderem der renommierte Wissenschaftler Sheikh Bin Bayyah, der US-Botschafter für internationale Religionsfreiheit, David Saperstein, und Ufuk Gokcen, Botschafter der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) und Ständiger Vertreter bei den Vereinten Nationen in New York.
Um die Unterstützung vonseiten der christlichen Gemeinschaften sowie der Regierung der Zentralafrikanischen Republik zu unterstreichen, nahmen der Erzbischof von Bangui, Dieudonne Nzapalainga, Pfarrer Nicolas Guerekoyame-Gbangou und die Ministerin für die nationale Versöhnung und den politischen Dialog, H.E. Lydie Florence N’Douba, als Beobachter an der Konferenz teil.
Der Generalsekretär des KAICIID, Faisal Bin Muaammar, gratulierte den Teilnehmern für ihren Mut und ihre Dialogbereitschaft: „Wir müssen uns darüber einig sein, diese furchtbare Krisensituation dazu zu nutzen, um dieses Land nach den Wünschen der Bevölkerung wieder aufzubauen. Vor dem Konflikt war die Zentralafrikanische Republik ein Vorzeigebeispiel für interreligiöses Zusammenleben. Nun haben Sie die Möglichkeit, dieses Vorzeigemodell wieder aufzubauen, also ein Land wieder aufzubauen, in dem jeder Bürger im gleichen Ausmaß Anteil an den Bürgerrechten und Bürgerpflichten hat.“

Der Generalsekretär betonte, dass das Dialogzentrum durch seine Programme vor Ort zur Stärkung der interreligiösen Plattform sowie durch die Dialoge, die das Dialogzentrum seit 2014 organisiert und auch in Zukunft organisieren wird, seit Langem darum bemüht ist den sozialen Zusammenhalt in der Zentralafrikanischen Republik zu festigen.

Shaykh Abdallah bin Bayyah, der Präsident des Forums für die Förderung des Friedens in muslimischen Gesellschaften (Forum for Promoting Peace in Muslim Societies), rief zu mehr Einheit zwischen den muslimischen Friedensstiftern auf: „Friede ist der Weg zur Gerechtigkeit, und Rache muss durch ehrliche Diskussionen, Fragen und Dialog ersetzt werden. Alle muslimischen und christlichen Gruppen sollten sich tolerant zeigen. Wir müssen uns alle auf ein gemeinsames Ziel einigen, dieses Ziel sollte der Frieden sein. Christliche und muslimische Gruppen sollten innerhalb ihrer Gemeinschaften Gruppierungen haben, die sie vertreten und in ihrem Namen für den Frieden eintreten.“

Botschafter David Saperstein sprach den Teilnehmern Mut zu, indem er sagte: „Meiner Meinung nach beginnen wir heute damit, eine der wichtigsten Fragestellungen im Zusammenhang der Entwicklung der Zentralafrikanischen Republik zu diskutieren, nämlich: Welche Rolle wird die muslimische Gemeinschaft einnehmen und wie kann man die Harmonie und die Solidarität, die es in der Vergangenheit gab und die durch den blutigen Konflikt zerstört wurden, wieder herstellen und den für die Zukunft des Landes unabdingbaren sozialen Zusammenhalt stärken?“

Vor Ausbruch des Bürgerkrieges im März 2013 belief sich die muslimische Bevölkerung in der Hauptstadt Bangui auf etwa 122.000 Menschen, die meisten davon sind geflohen. Mehr als eine Million Menschen wurden seit Anfang des Konflikts vertrieben; mehr als 6.000 Menschen wurden in der Zentralafrikanischen Republik Opfer konfessionell motivierter Gewalt zwischen Christen und Muslimen.

Die Zentralafrikanische Republik befindet sich am Beginn des Versöhnungsprozesses und des Wechsels hin zu einer demokratischen Regierung. Die muslimische Gemeinschaft ist darum bemüht, einen einheitlichen Ansatz in Bezug auf die Herausforderung des Integrationsprozesses zu finden, und eine Rolle für Muslime innerhalb eines säkularen Staates zu schaffen. Die Entwicklung des christlich-muslimischen Dialogs, der bereits begonnen hat, hängt aber auch von dem Erfolg einer einheitlichen muslimischen Plattform ab.

Die Konferenzteilnehmer waren sich darüber einig, dass die muslimische Gemeinschaft einer Reihe von Herausforderungen gegenübersteht. Zurückkehrende Flüchtlinge sollten wieder in die Gesellschaft integriert werden und Zugang zu Wohnungen, Bildung und Arbeit bekommen. Die Einbindung der Frauen und der jüngeren Generationen in den Friedensprozess ist bei Weitem nicht abgeschlossen. Unzureichende Bildung und mangelnde ökonomische Möglichkeiten für junge Menschen führen zu einem Zuwachs der Kriminalität, zu Drogenabhängigkeit und Schmuggel. Dadurch besteht die Gefahr, dass Extremisten die Marginalisierung junger Menschen dazu nutzen, um diese anzuwerben.

Die Teilnehmer zeigten sich über die systematische Diskriminierung der Muslime durch den Staat besorgt und hoben diesbezüglich die Umsetzung des Staatsbürgerschaftsrechts hervor, wodurch Muslimen eine vollwertige Staatsbürgerschaft verwehrt bleibt. Darüber hinaus bemängelten sie auch, dass Muslime häufig der Zugang zu Arbeitsstellen aufgrund ihrer Religion verwehrt bleibt.
Die Teilnehmer beschlossen die Bildung eines Folgeausschusses zur Umsetzung der Beschlüsse der Konferenz, die in einem Aktionsplan festgehalten wurden.
Der Dialog wurde vom Internationalen Dialogzentrum (KAICIID) in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk für religiöse und traditionelle Friedensstifter (Network for Religious and Traditional Peacemakers), der Organisation für islamische Zusammenarbeit (Organization for Islamic Cooperation) und das Forum zur Förderung des Friedens innerhalb muslimischer Gesellschaften (Forum for Promoting Peace in Muslim Societies) organisiert, um es den Teilnehmern zu ermöglichen, konkrete Anforderungen wie Kapazitätsbildung für Imams, Frauen und Jugendliche zu bestimmen und konkrete Strategien auszuarbeiten, um diesen Anforderungen zu begegnen.
Die Konferenz ist Teil des ständigen Engagements des Dialogzentrums in der Zentralafrikanischen Republik. Zusätzlich zur Förderung des innermuslimischen Dialogs und zum Kapazitätenausbaus schult das Dialogzentrum christliche und muslimische Religionsvertreter bezüglich ihrer Gesprächs- und Dialogkompetenz.

Über das Internationale Dialogzentrum (KAICIID):

Das Internationale Dialogzentrum (KAICIID) ist eine zwischenstaatliche Organisation, die den Dialog zur Friedensbildung in Konfliktzonen einsetzt. Dieses Ziel verfolgt das Internationale Dialogzentrum, indem es das gegenseitige Verständnis und die gemeinsame Zusammenarbeit zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen sowie Anhänger unterschiedlicher Religionen unterstützt. Die Gründerstaaten des Zentrums sind Österreich, Saudi-Arabien und Spanien. Der Heilige Stuhl ist ein beobachtendes Gründungsmitglied. Der neunköpfige Vorstand setzt sich aus wichtigen Vertretern der fünf größten Weltreligionen (Buddhismus, Christentum, Hinduismus, Islam und Judentum) zusammen. Der Vorstand entwirft und betreut die Programme des Zentrums.

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