Neues Volksblatt: "Verantwortung" (von Herbert Schicho)

Ausgabe vom 29. Februar 2016

Linz (OTS) - „Was wäre wenn“: Dieses Gedankenexperiment kann manchmal lustig sein, bisweilen ist es überflüssig — manchmal zeigen sich dadurch aber auch Seiten bei Menschen, die ansonsten tunlichst versteckt werden. In einem Streitgespräch haben die Hofburgkandidaten Van der Bellen und Griss darüber spekuliert, was sie tun würden, wenn sich im Parlament eine Mehrheit für eine EU-feindliche Regierung findet. Während die Ex-Richterin das Amt demonstrativ niederlegen möchte und dadurch einer Entscheidung entgehen will, denkt der grüne Ex-Professor in die andere Richtung. Er kann sich vorstellen, das Parlament aufzulösen und Neuwahlen auszurufen. Also Davonlaufen oder Dreinhauen. Beides ist demokratiepolitisch äußerst bedenklich und sollte eigentlich nicht im Repertoire eines Präsidenten vorkommen. Für das höchste Amt im Staate braucht man nämlich Verantwortungsbewusstsein und das heißt, dass man nicht aus persönlichen Befindlichkeiten heraus absichtlich eine Staatskrise heraufbeschwört. Ich glaube, egal ob die Briten für oder gegen den EU-Austritt stimmen, die englische Königin wird keinen Gedanken an eine Abdankung oder an eine Auflösung des Parlamentes verschwenden — und ganz sicher wird sie darüber nicht öffentlich spekulieren. Übrigens: Nicht gerade präsidial ist es aber auch, wenn man — wie der blaue Hofburg-Kandidat — öffentlich den Bundeskanzler beschimpft.

Rückfragen & Kontakt:

Neues Volksblatt, Chefredaktion
0732/7606 DW 782
politik@volksblatt.at
http://www.volksblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NVB0001