Neues Volksblatt: "Phänomen(al)? (von hHrald Gruber)

Ausgabe vom 23. Februar 2016

Linz (OTS) - So viel wissen wir schon einmal: Er würde nie gegrillte Ameisen essen, er wäre gerne Architekt geworden, er weint beim Zwiebelschneiden — ach ja — und er würde gern Bundespräsident werden. Mit diesen Ansagen hat es Alexander Van der Bellen vorerst auf Platz Eins bei den Umfragen geschafft. Seit Anfang Jänner ist er begünstigt vom vorläufigen Abflauen der Flüchtlingsströme, vom Faschingsrummel und von einem Reigen an Ferienwochen in den Bundesländern.
In einem solchen Biotop musste der nette Herr Professor bislang keine klaren Standpunkte beziehen. Konnte es bei Aussagen wie „Mutig in die neuen Zeiten“ und „Putin habe ich einmal kennengelernt ...“ belassen. Und der eine klare Standpunkt gegen die Begrenzung des Flüchtlings-Zustroms kann ihm in der breiten (bürgerlichen) Masse jetzt auch schnell zum Nachteil gereichen.
Dass Van der Bellen ein parteipolitisches Handwerk gelernt hat, zeigen nicht nur die 1,2 Millionen Euro Wahlkampfunterstützung aus den Kassen der Grünen und sein Personal-Leasing von den Grünen, sondern auch seine plötzliche Anbiederung an ein Wiener Boulevardmedium. Van der Bellens dort platzierte Sorge um die Bergbauern in Ehren, aber der Boulevard wird beim Anschwellen der Flüchtlingsströme schnell andere Van der Bellen-Sager auftischen. Kurzum: Van der Bellen an der Spitze der Kandidaten-Hitparade ist vorerst mehr saisonbedingtes Phänomen als phänomenale Leistung.

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