Scheuer hofft auf gemeinsame Antworten von Papst und Patriarch

Österreichischer "Ökumenebischof" wenige Stunden vor dem historischen Treffen von Franziskus und Kyrill in Havanna: Begegnung soll breite Solidaritätsbewegung zum Schutz verfolgter Christen auslösen

Linz (KAP) - Papst Franziskus und Patriarch Kyrill könnten am Freitagabend eine gemeinsame Sprache finden, um den Herausforderungen der Zeit zu begegnen. Diese Erwartung hat der österreichische "Ökumenebischof" Manfred Scheuer wenige Stunden vor dem historischen Treffen auf "Kathpress"-Anfrage betont. Die Begegnung des Bischofs von Rom und des Bischofs von Moskau in Havanna sei ein "Zeichen der Hoffnung". Sie sei "ein starkes Symbol, ein Augenblick der Kirchen-und Weltgeschichte, der neue Perspektiven eröffnet", sagte der Linzer Bischof.

Seine positiven Erwartungen begründete Scheuer im Blick auf die Herkunftssituationen der beiden Kirchenmänner aus Rom und Moskau:
"Der Papst aus dem globalen 'Süden' mit piemontesischen Wurzeln und der Patriarch, der aus der Schule des großen Petersburger Metropoliten Nikodim kommt, dem die gemeinsame Sache der Christen ein Herzensanliegen war."

Scheuer wies darauf hin, dass Papst Franziskus und seine Vorgänger inzwischen mit vielen orthodoxen Patriarchen zusammengetroffen seien, nur mit dem Moskauer Patriarchen nicht, dem Oberhaupt der zahlenmäßig größten orthodoxen Kirche. Die Last der Geschichte und die politischen Umweltbedingungen bis hin zu den geopolitischen Spannungen der letzten Jahre hätten eine solche Begegnung verhindert.

Es sei ein bemerkenswerter Aspekt, dass sich Papst und Patriarch von den weltpolitischen Gegebenheiten nicht beeindrucken ließen und die lang ersehnte persönliche Begegnung verwirklichen wollten. "Dass dies den weltpolitischen Akteuren nur mäßig gefällt, lässt sich aus den verhaltenen Kommentaren ablesen, die auf die Ankündigung des Treffens zwischen Papst Franziskus und Patriarch Kyrill folgten", sagte Scheuer.

Schutz der verfolgten Christen

Der Linzer Bischof erinnerte an den offiziellen Anlass für die Begegnung zwischen Papst und Patriarch, nämlich "das gemeinsame Bemühen um den Schutz der Christen in den Ursprungsländern des Christentums". Die internationale Gemeinschaft habe sich bisher um diese Menschen, die als Bürger mit gleichen Rechten in ihren angestammten Heimatländern leben wollten, nicht sonderlich gekümmert; andere Erwägungen seien im Vordergrund gestanden. "Es ist zu hoffen, dass sich die Begegnung zwischen Franziskus und Kyrill als Kern einer breiten Solidaritätsbewegung der Christen aller Konfessionen erweisen wird, die imstande ist, die Verdrängung des Christentums aus seiner Urheimat zu verhindern", so der "Ökumenebischof".

Wichtig sei schließlich die gemeinsame Bewältigung der vielfachen Herausforderungen, vor der die Christen aller Konfessionen heute stehen. Scheuer nannte dabei Auswirkungen des extremen Säkularismus, Identitätsverlust von Ländern christlicher Tradition, dramatische Auseinanderentwicklung von "arm" und "reich" im globalen Maßstab sowie "Herrschaftsfantasien des islamistischen Radikalismus". Franziskus und Kyrill könnten hier eine gemeinsame Sprache finden, sagte der neue Linzer Bischof.

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