Neues Volksblatt: "Eine Erfahrung mehr" von Harald GRUBER

Ausgabe vom 20. Jänner 2016

Linz (OTS) - Der heutige Flüchtlingsgipfel ist nicht Einbekenntnis eines Versagens, sondern Ausfluss einer Erfahrung! Und zwar der Erfahrung, dass Flüchtlingsströme kein einmaliges Phänomen darstellen, sondern sich zu einer längerfristigen Tendenz ausgewachsen haben. Diese Erkenntnis erfordert zwei Schlussfolgerungen, die beim heutigen Gipfel zu ziehen sein werden:
Erstens war es kein naives Gutmenschentum, Ankömmlingen ab Herbst 2015 die Türen zu öffnen und (menschliche) Wärme zukommen zu lassen. Das war nicht kurzsichtig naiv, sondern weitherzig human. Zweitens muss man aber nun der Ausweitung der Ströme Rechnung tragen. Auch das ist nicht kurzsichtig naiv, sondern weitblickend verantwortungsvoll. Nur die faktische Hilfe zählt nämlich. Was faktisch an Hilfe möglich ist, leitet sich eben von den verfügbaren Kapazitäten in Österreich ab. Ein über die Kapazitäten hinausgehender Zustrom würde im Chaos enden. Und genau ein solches Chaos gilt es abzuwenden — im Sinne der Menschlichkeit und im Sinne der demokratischen Kultur.
So gesehen, mag man einwenden, es habe bis zu diesem Gipfel (zu) lange gedauert. Aber heute findet er statt! Wunder darf man nicht erwarten und sie werden hoffentlich auch nicht versprochen. Denn jetzt zählt nicht das Träumen von Wundern, sondern der Blick auf das Mögliche. Das wird Österreich auch weiter großherzig und großartig leisten.

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