OÖNachrichten-Leitartikel: "Die Landes-SP, ein Fall für den Therapeuten", von Gerald Mandlbauer

Ausgabe vom 18. Jänner 2016

Linz (OTS) - Oberösterreichs Sozialdemokratie steckt in ihrer schlimmsten Krise, verstrickt in Flügelkämpfe, geblieben sind zwei Blöcke – die Gewerkschaften und die beiden Städte Linz und Steyr. Sie verschleißt einen Vorsitzenden nach dem anderen, und nun, begrenzt auf ein Jahr, darf sich Johann Kalliauer daran versuchen, den Sturz zu bremsen. Dass dies gelingen könnte, wäre nicht unbedingt illusorisch, wenn wir dieselben Ansagen nicht schon oft gehört hätten, wenn die Bereitschaft gegeben wäre zu schonungsloser Analyse, wenn die Personalreservoirs prall gefüllt wären und wenn die Innensicht der Funktionäre und die Außensicht der Wähler weitgehend deckungsgleich übereinanderlägen, wenn der Erneuerer schon immer als ein solcher aufgefallen wäre, wenn... Doch das alles ist nicht der Fall.
Vorerst werden daher jetzt die Überlebensmechanismen aktiviert. Die SP ordnet nach dem wirrsten Parteitag ihrer Geschichte ihre Trümmer. Sie spricht sich Mut zu, klopft ihrem Ex-Vorsitzenden („unser Reini“) dankend auf die Schultern (ja, das ist derselbe, den viele dieser Schulterklopfer bis vor wenigen Tagen noch als schwach und ablösereif bezeichnet haben). Die SP bedient mit dieser schizophrenen Sprunghaftigkeit ihre Gefühle. Dazu wird sie die Methoden intensivieren, die sie beherrscht („kantiger werden“), auf die Gefahr hin, als „retro“ wahrgenommen zu werden. Kader und Wähler leben in anderen Zonen – und wenigen Rednern wie dem überlegt argumentierenden Ex-Mandatar Edelmayr blieb es auf dem Parteitag vorbehalten, auf diese Distanz zu verweisen.
Dass ausgerechnet Johann Kalliauer die Erneuerung anführen soll, ist ein Paradoxon. Er gilt vielen als Sphinx, die AK sehr straff und über einen engsten Kreis besonderer Vertrauter führend. Bestimmend sind dabei die internen Kader und weniger die Betriebsräte, die im rauen Wettbewerb realitätsbezogener sozialisiert worden sind.
Legt Kalliauer sein AK-Rollenmodell über die Partei, dann bliebe ein Schulterschluss mit Linz wahrscheinlich Illusion. Die Zentrifugalkräfte würden nicht ab-, sondern zunehmen. Erfahren, wie er ist, wird Kalliauer es wissen und hoffentlich danach handeln. Denn dem ganzen Land würde ein weiterer Sturz der SP Richtung Bedeutungslosigkeit Unwucht bereiten, sogar die VP würde ihre Schadenfreude vergessen und beginnen, die SP als stabilisierenden Faktor zu vermissen.

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