TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Weg mit den Emotionen", von Anita Heubacher

Ausgabe vom 15. Jänner 2016

Innsbruck (OTS) - In der Asylfrage ist es höchste Zeit zu handeln, bevor die Stimmung endgültig kippt. Es braucht eine Reform von Gesetzen. Eine Verschärfung, denn offensichtlich sind 90.000 Asylwerber pro Jahr für unsere Gesellschaft zu viel.

Als sich vor Jahren die Flüchtlingsdramen noch in Lampedusa oder Griechenland abspielten, schafften es gekenterte Flüchtlingsboote nur mit mehreren Dutzend Toten in die Schlagzeilen und eventuell uns emotional zu berühren. Da waren die Außengrenzen der EU noch kein Thema und die Schauplätze gefühlt weit weg. Seit das Thema in Zentraleuropa angelangt ist, ist unsere Komfortzone gestört. Von da an bestimmten zuallererst Emotionen die Flüchtlingsdebatte. Als in einem Lkw tote Flüchtlinge auf einer österreichischen Autobahn gefunden wurden, schwappte die Willkommenskultur hoch, die Österreicher verteilten Kleider und Essen. Als die Bilder von Massen an den Grenzen nicht mehr abrissen, verschwanden die „Refugees-Welcome-T-Shirts“ wieder aus dem Straßenbild. Und jetzt, nach Köln, ist alles anders. Hängt sie höher. Eine Stimmung wie in den 1930er-Jahren. Arbeitslosigkeit im Steigen, Versagen der Politik ausgemacht, die Lügenpresse aktiviert und die Polizei als Vertuscher enttarnt. Eine Mixtur, die Gänsehaut verursacht. Ein Schrecken, der sich einbrennt, wenn Kommentare von „besorgten Bürgern“ kommen und Helfern und Befürwortern ein baldiges Ableben wünschen. Die Stimmung ist denkbar schlecht, der Hass wurde noch nie so offen zur Schau getragen. Die Steine fliegen in Deutschland schon länger, seit Köln sind die Übergriffe auf Asylwerber mehr geworden.
Es ist höchst an der Zeit, zu handeln, bevor die Stimmung endgültig kippt. Es braucht unter anderem eine Reform der Asylgesetze. Die jetzigen sind ungeeignet und ja, zu wenig scharf. 90.000 Asylwerber sind letztes Jahr nach Österreich gekommen und nicht alle sind vor Krieg und dem Tod geflohen. Sie sind nach Österreich, Deutschland und Schweden gegangen, weil diese Länder im Vergleich zu anderen, ebenso sicheren Staaten, hohe Sozialleistungen bieten. Sie kommen, weil diese Länder eine Familienzusammenführung leichter ermöglichen als andere, weil Verwandte schon dort sind. Verständlich, aber in unserem Sinne? 80 Prozent der Flüchtlinge sind junge Männer, die teilweise ein indiskutables Frauenbild haben, das zu korrigieren eine Lebensaufgabe sein dürfte. Und ja, Männerüberschüsse zu produzieren, ist ein Problem, das nach einem Verteilungsschlüssel schreit.
Nicht alle, die kommen, können bleiben. Das geht für unsere Gesellschaft nicht und das geht für Asylwerber nicht, die zu Recht als Flüchtlinge anerkannt werden.

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