Vom Zentrum zur Peripherie? Neuere Tendenzen der Holocaust-Forschung.

Simon Wiesenthal Lecture von Frank Bajohr, wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Holocaust-Studien, München

Wien (OTS) - Die Holocaustforschung hat sich in den letzten Jahrzehnten internationalisiert und ausdifferenziert. Dabei sind vor allem drei Grundprobleme deutlich geworden: Erstens reicht die klassische Unterscheidung zwischen Täter, Opfer und Bystander für eine europäische Gesellschaftsgeschichte des Holocausts nicht mehr aus. Zweitens wirft die Verlagerung der Perspektive nach Osteuropa ungelöste Grundfragen der Kontextualisierung des NS-Judenmords auf. Drittens wandelt sich in der historiografischen Rekonstruktion die Shoah zunehmend von einem von Deutschland ausgehenden Völkermord zu einem europäischen Projekt. Damit stellt sich verstärkt die Frage nach dem Verhältnis von Zentrum und Peripherie in der Entwicklung des Holocausts. Am Beispiel des NSDAP-Chefideologen Alfred Rosenberg und seiner jüngst entdeckten Tagebücher unternimmt Bajohr den Versuch, dieses Verhältnis von Zentrum und Peripherie sowie jenes von Ideologie und Praxis im Holocaust eingehender zu beleuchten.

Frank Bajohr ist Historiker und wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Holocaust-Studien am Institut für Zeitgeschichte in München und lehrt an der Universität Hamburg sowie der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er arbeitete als Fellow in Yad Vashem sowie im US Holocaust Memorial Museum in Washington. Im letzten Jahr erschienen: Der Holocaust. Ergebnisse und neue Fragen der Forschung (Hg., mit Andrea Löw); Alfred Rosenberg. Die Tagebücher 1934–1944 (Hg., mit Jürgen Matthäus); sowie „Zeugnis ablegen bis zum Letzten“. Tagebücher und persönliche Zeugnisse aus der Zeit des Nationalsozialismus und des Holocaust (Hg., mit Sybille Steinbacher).

Moderation: Éva Kovács, VWI

Vom Zentrum zur Peripherie? Neuere Tendenzen der Holocaust-Foschung.

Simon Wiesenthal Lecture
von Frank Bajohr, wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für
Holocaust-Studien, München.

Moderation: Éva Kovács, VWI

Datum: 14.1.2016, 18:30 - 20:00 Uhr

Ort:
Haus-, Hof- u. Staatsarchiv Dachfoyer
Minoritenplatz 1, 1010 Wien

Url: www.vwi.ac.at

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Dr. Jana Starek
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