Neues Volksblatt: "Willkommenskultur" von Markus EBERT

Ausgabe vom 8. Jänner 2016

Linz (OTS) - Die SPÖ argumentiert gegen eine Obergrenze bei der Aufnahme von Flüchtlingen unter anderem so: Man brauche nämlich vielmehr eine konsequente Rückführung von Wirtschaftsflüchtlingen, strengere Kontrollen an den EU-Außengrenzen und schnellere Asylverfahren.
Daran ist nichts falsch, aber es ist dennoch bemerkenswert. Denn auch die SPÖ gehörte lange zu jenen, die Abschiebungen (so nannte man noch vor einiger Zeit das, was heute Rückführung heißt) pfui fanden, die in flotten Asylverfahren die Rechte der Asylwerber beschnitten und die in strengeren Kontrollen den Feind einer unbeschränkten Willkommenskultur sahen. Wobei es sich beim Wort des Jahres 2015 überhaupt um ein großes semantisches Missverständnis handeln dürfte. Denn wer es mit der Willkommenskultur ehrlich meint, darf eben nicht darauf verzichten, die Regeln für dieses Willkommen deutlich klarzulegen. Vereinfacht gesagt: Jedes Hotel lebt von seiner Willkommenskultur, aber es pocht auch auf die Einhaltung der Hausordnung, schließlich müssen die Gäste ja auch miteinander gut auskommen können. Wenn es eine Lehre aus dem Flüchtlingsstrom des Vorjahres gibt, dann jene, dass man die Existenz einer Hausordnung herausstreichen und auf deren Beachtung pochen muss. Ein Integrationsvertrag, wie ihn die Linzer ÖVP fordert, kann ein Weg zu einer Willkommenskultur sein, die letztlich ohne Obergrenzen auskommt.

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