Wirtschaftspolitische Gespräche: Mehr Geld für Start-ups nötig

Steuerliche Anreize für Venture Capital Finanzierung überlegen - Unternehmertum stärker in Ausbildung verankern

Wien (OTS/PWK030) - Österreich fehlt es an Risikokapital aber auch die Risikokultur, also das Umfeld und die Bereitschaft in junge, innovative Unternehmen zu investieren, sei noch nicht ausreichend ausgebaut. So lautete der Tenor der "Wirtschaftspolitischen Gespräche", heute, Montag, in der WKÖ.

Christian Keuschnigg, Professor an der Universität St. Gallen und früherer IHS-Chef, betonte gleich zu Beginn die Wichtigkeit von "Venture Capital", denn dieses ermögliche die Realisierung von rentablen Investitionen, die sonst mangels Zugang zu Kapital nicht stattfinden würden. Damit würden Beteiligungsunternehmen mit strategischer Beratung und Kontrolle auf Wachstumskurs getrimmt. "Ein aktiver Markt für Wagniskapital befeuert das gesamtwirtschaftliche Wachstum, in dem er Kapital dort zum Einsatz bringt, wo die volkswirtschaftliche Rentabilität am höchsten ist und am meisten zukunftsträchtige Beschäftigung entsteht", so Keuschnigg.

Matthew Rhodes-Kropf, Professor an der Harvard University, unterstrich in seinem Vortag "Money drives innovation", wie schwierig es für Start-ups sein könne, eine entsprechende Finanzierung zu erhalten. In Amerika würden mehr Leute im Lotto gewinnen, als dass Beträge von über 1 Million Dollar an Start-ups als Venture Capital gingen. Sogenannte "Early-Stage-Finanzierungen" seien zwar sehr riskant, aber gleichzeitig auch die ertragsreichsten Innovationen. Deswegen sei Wagniskapital für den Kapitalmarkt essentiell, weil dadurch Investitionskapital innovativen Start-ups zugutekomme, die sich trotz ihres hohen Potentials nicht allein mit Bankkrediten finanzieren können.

Ähnlich äußerte sich Bernhard Sagmeister, Geschäftsführer aws, dazu: "Venture Capital ist keine Konkurrenz, sondern ergänzt klassische Finanzierung". Für den Geschäftsführer aws ist Österreich bei Risikokapital (Venture capital) noch ein Entwicklungsland. Er wies auch darauf hin, dass der aws Unternehmen mit Venture Capital unterstütze. Dabei stehe der aws aber nicht in Konkurrenz mit anderen Business Angels, sondern fungiere als "Hebel".

Die Notwendigkeit einer Wertschöpfungskette zur Finanzierung eines Unternehmens betonte Werner Wutscher, Gründer und Geschäftsführer New Venture Scouting. Am Anfang der Unternehmensfinanzierung stehe zumeist Venture Capital Finanzierung, der oft der klassische Bankkredit nachfolge. Bei Venture Capital bestehe der Mehrwert nicht nur in der Zurverfügungstellung von Kapital, sondern auch in der Weitergabe von Wissen und strategischer Beratung. Allerdings müsse ein Unternehmen auch dazu bereit sein, Anteile des Unternehmens abzugeben und Informationen über das Unternehmen bereitzustellen.

Einigkeit herrschte insoweit, dass privates Kapital mobilisiert werden soll und bessere Rahmenbedingungen am Standort geschaffen werden sollen. Ermöglicht werden soll das beispielsweise, indem Venture-Capital-Investitionen steuerlich begünstigt werden. Zudem soll schon während der Ausbildung Unternehmertum stärker verankert werden. Auch vom Gießkannenprinzip soll abgegangen werden und dafür die Koordination und der Fokus verstärkt werden.

Die "Wirtschaftspolitischen Gespräche" finden seit 2008 in Kooperation zwischen IHS und WKÖ statt, nach dem Motto: "To learn from the best to become the best." (US)

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