Zinggl: Kleineres Weltmuseum zugunsten "Haus der Geschichte" - Paradefall provinzieller Kulturpolitik

Grüner ortet "systematisches Ruinieren" durch die regierende Kulturpolitik

Wien (OTS) - "Für das jetzt mehr als akute Thema zum Nebeneinander von Kulturen und den damit verbundenen Problemen ließen sich in einem Weltmuseum systematische und tiefgreifende Auseinandersetzungen aufbereiten und vermitteln. Kolonialismus und wirtschaftliche Entwicklungen die zu Migration und zu kultureller Dissonanz geführt haben, werden in Europa in Zukunft jedenfalls deutlich höheren Aufklärungswert bekommen als bislang. Eine umfassende Neupositionierung des Weltmuseums als kritisches aber aufgeschlossenes Haus der Kulturen wäre daher unerlässlich zumal solche Institutionen weltweit in allen größeren Städten etabliert sind", meint der Kultursprecher der Grünen, Wolfgang Zinggl.

"Österreich geht seit der Ausgliederung der Bundesmuseen den konträr gegenteiligen Weg. Die Verkleinerung des Weltmuseums zugunsten eines 'Haus der Geschichte' ist ein Paradefall für provinzielle Kulturpolitik. Das Völkerkundemuseum, wie das Weltmuseum ehedem hieß, wird aber von den Regierungen sukzessive schon seit 2001 seiner Bedeutung beraubt. Mit der Integration in den Komplex des Kunsthistorischen Museums ist es finanziell entmündigt, seine öffentliche Darstellungsmöglichkeit marginalisiert. Ein ordentlicher Museumsbetrieb auf 1000m2 und mit einem lachhaft niedrigen Ausstellungsbudget von 130.000 Euro (das Musée du Quai Branly arbeitet im Vergleich dazu mit jährlich mehr als fünf Millionen Euro) kann keine Besucherströme locken", erläutert Zinggl.
Dass die Institution von der regierenden Kulturpolitik systematisch ruiniert wurde und weiter wird, ist über mehr als zehn Jahre mit Versprechungen und Beruhigungen verdeckt worden. Dazu gehören auch die Zusagen von Kulturministerin Claudia Schmied. Sie hat dem Weltmuseum für den Ausbau 27 Millionen Euro zugesagt.

"Der jetzt verhängte Baustopp führt das Museum völlig ins Ausgedinge und die Begründung von Minister Ostermayer, die bislang im Budget nicht berücksichtigten laufenden Kosten für den Betrieb eines erneuerten Museums wären nicht finanzierbar, hinkt, wenn gleichzeitig ein 'Haus der Geschichte' errichtet und wohl auch betrieben werden kann. Die für das Weltmuseum angeblich fehlenden Finanzmittel stehen demnach für ein erst neu einzurichtendes 'Haus der Geschichte' bereit", hält Zinggl fest.

Niemand weiß, welches Konzept so einem "Haus" zugrunde liegt, was es an Kosten für Umbau und laufenden Betrieb verursacht. Die aktuelle Geschichtswissenschaft allerdings weiß, dass sie sich von großen, historischen Erzählung abgewandt hat und mit Fragmenten beschäftigt. Deren Vermittlung und ständige Überarbeitung mit hunderten von Unterrichtsmodulen in Schulen, im Netz und im ORF wäre eine sinnvollere Investition jenseits einer in Beton gegossenen Erzählung, wie sie ein "Haus der Geschichte" immer nur liefern kann.

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