Gesundheitsberufe: Gesundheitssystem in der Krise? (2)

Fundierte Ausbildung - Qualität der Versorgung

Wien (OTS) - Eine fundierte Ausbildung stehe in direktem Zusammenhang mit der Qualität der Versorgung der Patienten, ergänzte Ursula Frohner, Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes (ÖGKV). "Um eine kompetente Krankenbeobachtung durch die Pflegeberufe zu gewährleisten, ist eine entsprechende Ausbildung unabdingbar", so Frohner. Zwar sei die Ausbildung für Pflegeberufe auf neue Beine gestellt worden, allerdings habe die Einigung zwischen Bund und Ländern ihre Tücken. "Bei den Pflegeassistenzberufen wurde die Ausbildung auf ein Jahr verkürzt -das ist Sparen am falschen Fleck", kritisierte Frohner. In Krisenzeiten werde versucht, die Ausgaben zu dämpfen, allerdings gehe dies im Gesundheitswesen letztlich zu Lasten der Patienten. "Alle Gesundheitsberufe leiden unter mangelnder Attraktivität der Arbeitsbedingungen. Das wird über kurz oder lang zu Personalmangel führen", so Frohner.

Gesundheitsberufe einbinden

Ein möglicher Lösungsansatz, um den Patientenansturm bewältigen zu können, sei das Modell "Primary Health Care" (PHC), das im Vorjahr vorgestellt worden war, betonte Gabriele Jaksch, Präsidentin des Dachverbandes der gehobenen medizinisch-technischen Dienste Österreichs. "Ohne die entsprechenden gesetzlichen Rahmenbedingungen und faire, den Leistungsangeboten angemessene Abrechnungsmöglichkeiten wird die extramurale Versorgung langfristig nicht funktionieren", warnte Jaksch. Sie forderte auch, die Gesundheitsberufe in politische Entscheidungsprozesse einzubinden. Schließlich seien es die gesetzlich geregelten Gesundheitsberufe, die tagtäglich im Gesundheitssystem arbeiten und etwaige Entscheidungen umsetzen müssten.

Qualität hat Vorrang

Seitens der Medizinisch-technischen Fachberufe unterstrich Günter Flemmich, dass die Antwort auf Versorgungssicherheit, Patientensicherheit und integrative Zusammenarbeit immer Qualität sein müsse. Die derzeitige Entwicklung zeige aber in eine andere Richtung: "Privates Spezialistentum und staatliche Dequalifikation sind Folge des Diktats der leeren Kassen", führte Flemmich aus. Vor allem im Ausbildungssektor werde unreflektiert gespart, etwa durch Reduktion von Ausbildungsinhalten. Das wiederum vermindere die Qualität der Versorgung und die Qualifikation der Berufstätigen. "Überwiegend werden medizinisch-technische Berufe von Frauen ausgeübt, die durch das unreflektierte Sparen einer weiteren Ungleichbehandlung ausgesetzt sind - bessere Qualifikationen werden ihnen einfach verweigert", kritisierte Flemmich. (slv) (Schluss)

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