Gesundheitsberufe: Gesundheitssystem in der Krise? (1)

Wien (OTS) - Drohende Versorgungsmängel, Einsparungen, Rationierungen, immer längere Wartezeiten, dazu eine stetig älter werdende Bevölkerung und akuter Personalmangel auf allen Ebenen - das Gesundheitssystem scheint trotz diverser Reformvorhaben in einer Krise zu stecken. Diese Krise stellt die gesetzlich geregelten Gesundheitsberufe vor enorme Herausforderungen, zumal die Anforderungen der Patientinnen und Patienten zusehends steigen und klar in Richtung einer umfassenden, kontinuierlichen und individuell angepassten Versorgung gehen. Um dies zu gewährleisten, müssen die Gesundheitsberufe an einem Strang ziehen und ihre Kompetenzen zum Wohl der Patienten kombinieren. Anlässlich des fünften Tages der Gesundheitsberufe diskutierten Mitglieder der Gesundheitsberufe-Konferenz (GBK) am Montag im Rahmen einer Pressekonferenz über mögliche Lösungsansätze und die Rolle der Gesundheitsberufe. Einig waren sich alle Teilnehmer, dass die gesetzlich geregelten Gesundheitsberufe sich künftig noch stärker vernetzen und miteinander kooperieren werden müssen. Einig waren sich die Teilnehmer auch darin, dass nur eine fundierte Ausbildung die notwendige Kompetenz mit sich bringt, die benötigt wird, um Patienten adäquat und auf hohem Niveau zu versorgen.

Fachkompetenz zum Wohle der Patienten

"Der diesjährige Tag der Gesundheitsberufe steht unter dem Motto ,Unsere Fachkompetenz zum Wohl des Patienten - Qualität der Patientenversorgung'", erläuterte Marion Hackl, Präsidentin von Ergotherapie Austria und GBK-Vorsitzende. Diese Fachkompetenz müsse gebündelt werden und zu interdisziplinärer Zusammenarbeit führen, so Hackl. Im Rahmen der Gesundheitsberufe-Konferenz habe sich gezeigt, dass die gesetzlich geregelten Gesundheitsberufe auf Augenhöhe kommunizieren und kontroverse Themen diskutieren könnten. Entscheidungen und Stellungnahmen würden von allen 23 Mitgliedern mitgetragen.

Ärzteflucht trotz hoher Ärztedichte

Die Frage, ob sich Österreichs Gesundheitssystem in der Krise befände, beantwortete Karl Forstner, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), mit Fakten: "Wir haben eine hohe Spitalsdichte in Österreich, die 50 Prozent über dem EU-Schnitt liegt; der extramurale Bereich müsste besser ausgebaut werden. Trotz einer hohen Ärztedichte kämpfen wir mit einer Ärzteflucht", führte Forstner aus. Unattraktive Arbeitsbedingungen würden Personalknappheit nach sich ziehen und dazu führen, dass Gesundheitsberufe als solche junge Menschen nicht mehr in ausreichendem Ausmaß ansprechen würden.
Forstner: "Wir dürfen auch nicht außer Acht lassen, dass die heutigen Generationen ganz andere Anforderungen an ihr Berufsleben haben als frühere Generationen. Die Work-Life-Balance steht viel stärker im Mittelpunkt, ebenso eine gute, fundierte Ausbildung." Um auch in Zukunft eine qualitativ hochwertige Versorgung sichern zu können, bedürfe es entsprechend durchdachter Konzepte. (slv) (Forts.)

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