Jagdsaison ist voll im Gange - Jäger schießt auf fahrendes Auto. Nur mehr Frage der Zeit, bis nächstes Todesopfer zu beklagen ist?

Jägerschaft will bei der Jagdausbildung nichts ändern. Der Österreichische Tierschutzverein fordert längst überfällige verpflichtende psychologische Tests für Jäger

Wien (OTS) - Es war nur eine Frage der Zeit. Wie jedes Jahr häufen sich auch in der laufenden Jagdsaison die Unfälle im Zusammenhang mit Jägern und Schusswaffen: im Burgenland wurde bei einer Treibjagd ein Jäger angeschossen. Im Bezirk Grieskirchen (OÖ) kam es gleich zweimal zum Jagdunfall: ein Projektil zerschlug ein Kinderfenster - der Schütze war ein 77-jähriger Jäger. Gestern zersiebten Schrotkugeln ein Auto. Der Fahrer erlitt einen Schock. Dazu Christian Hölzl, Sprecher des Österreichischen Tierschutzvereins: "Die Gründe, die zu Jagdunfällen führen, sind vielfältig, aber meist von der Jägerschaft hausgemacht. Oftmals ist Alkohol im Spiel, ebenso fehlende Verlässlichkeit oder fehlende körperliche Eignung. Solange Jägerschaft und Politik nicht bereit sind, die antiquierten Jagdgesetze und das Waffengesetz zu reformieren, ist zu befürchten, dass wieder Tote zu beklagen sind."

Ein Ausflug in das österreichische Waffengesetz bringt Erstaunliches zu Tage. Grundsätzlich benötigen alle ÖsterreicherInnen für den Besitz bzw. das Führen von Waffen eine behördliche Genehmigung in Form einer Waffenbesitzkarte oder eines Waffenpasses und müssen sich dazu auch - völlig zu Recht - einer psychologischen Verlässlichkeitsuntersuchung unterziehen. Das gilt nicht für die Jägerschaft: Ausgerechnet die 120.000 Jagdkartenbesitzer - in Österreich immerhin die größte Gruppe unter den Waffenbesitzern, die auch eine Waffe mit sich führen dürfen - sind davon ausgenommen und erlangen den Waffenschein ohne Nachweis über ihre psychologische Eignung. Oder jagen überhaupt - ganz legal - ohne Waffenpass.

Das österreichische Waffengesetz (WaffG) verlangt für den Besitz oder das Führen von z.B. Faustfeuer- oder halbautomatischen Schusswaffen (sog. Waffen der "Kategorie B") eine behördliche Bewilligung. Für die Ausstellung einer Waffenbesitzkarte (die erlaubt, zwei Waffen samt Munition zu Hause aufzubewahren) oder eines Waffenpasses (die zum Führen dieser Waffen berechtigt) spielt insbesondere die sog. "Verlässlichkeit" des Antragstellers eine zentrale Rolle. Antragsteller für Waffenbesitzkarten oder Waffenpässe müssen mittels eines psychologischen Gutachtens nachweisen, dass sie (z.B. bei Stress) nicht dazu neigen, mit Waffen unvorsichtig umzugehen oder diese leichtfertig zu verwenden. Unglaublich: Das WaffG nimmt hiervon Jäger aus. "Für die Erlangung der Jagdkarte reicht die bestandene Jagdprüfung. Zwar wird auch die "Verlässlichkeit" des Bewerbers verlangt - sie bleibt aber ob der Tatsache, dass kein Nachweis über die psychologische Eignung verlangt wird, bloße Makulatur", so Hölzl weiter.

Die Lage wird zusätzlich durch einen Erlass des BMI verschärft: Denn nach dem WaffG müssten Antragsteller als weitere Voraussetzung noch einen sog. "Bedarf am Führen einer Schusswaffe der Kategorie B" nachweisen. Es dürfen also nur Personen legal eine Waffe führen, die einer entsprechenden Bedrohung ausgesetzt sind (z.B. Wachdienst). Dieses "Hindernis" räumt der o.g. Erlass den Jägern aus dem Weg: sie können diesen "Bedarf" einfach dadurch glaubhaft machen, indem sie "die Jagd zumindest zeitweise ausüben und dafür auch Schusswaffen der Kat. B für die Jagd benötigen". In der Praxis reicht dazu die Bestätigung des zuständigen Landesjagdverbandes aus(!)

Auch bei den frei erwerbbaren, nur meldepflichtigen Schusswaffen der Kat. C und D (Büchsen und Flinten) können Jäger mit verstecktem Gefährdungspotential nicht mithilfe des waffenrechtlich vorgeschriebenen psychologischen Eignungstests herausgefiltert werden. Jäger, die bei Stress ihren Finger zu schnell am Abzug haben, umgehen den Psycho-Test auch hier: bereits der Besitz einer gültigen Jagdkarte reicht zum Führen dieser Waffen aus, die Jägerschaft erspart sich für diese Waffen sogar den sonst obligatorischen Waffenpass.

Aufgrund des von Jägern ausgehenden Gefährdungspotentials für Menschen und Tiere fordert der Österreichische Tierschutzverein u.a. die Gleichstellung von Jägern mit anderen Waffenbesitzern im WaffG -somit die Einführung einer verpflichtenden psychologischen Verlässlichkeitsprüfung für Jagdanwärter und Jäger, die die psychologische Eignung offensichtlich nicht mehr besitzen;
die ausdrückliche Festlegung einer Null-Promille-Grenze bei der Jagd in den einzelnen Jagdlandesgesetzen; ein Zuwiderhandeln muss den sofortigen Entzug der Jagdkarte zur Folge haben;
sowie
die regelmäßige Augenkontrolle bei Jägern ab einem Alter von 50 Jahren.

Rückfragen & Kontakt:

Österreichischer Tierschutzverein
Mag. Christian Hölzl
Sprecher
Tel.: 0664/5200344
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