Freier Zugang in die Natur

Der Alpenverein warnt vor Begehrlichkeiten der Jagdlobby

Innsbruck (TP/OTS) - Der Alpenverein setzt sich für den freien Zugang zur Bergnatur für alle Erholungssuchenden ein. Damit steht er für das Recht auf Erholung, das allen unabhängig von Eigentum, Jagdrechten oder Schipässen zusteht. Wird der Druck auf Natur und Wildtiere gebietsweise zu groß oder kommt es zu Nutzungskonflikten, arbeitet er an Lenkungsmaßnahmen mit. Dabei stehen Freiwilligkeit und Sensibilisierung im Vordergrund.

"Der freie Zugang zur Natur darf nur eingeschränkt werden, wenn dies zum Schutz und zum Erhalt gefährdeter Biotope, Arten und Lebensräume unerlässlich ist", betont Andreas Ermacora, ehrenamtlicher Präsident des Alpenvereins. Die Ausweisung von verordneten Wildruhezonen und Sperrgebieten, in denen das Betreten mit Strafe bedroht wird, lehnt der Alpenverein hingegen strikt ab. Damit würde man dem Tourismusland Tirol und der bergsportbegeisterten Bevölkerung einen Bärendienst erweisen.

Unerwartete Schützenhilfe

Der Tiroler Jägerverband ist offensichtlich bemüht, sein Image als Tierschützer zu verbessern. Ob als Reaktion auf jenes Gamsvideo, das im vergangenen Sommer die Bevölkerung empört hat oder als Wegbereitung für geplante Betretungseinschränkungen im Zuge der Jagdgesetznovelle sei dahingestellt.

Unerwartet kommt nun die Schützenhilfe des Alpenzoodirektors für die Forderung des obersten Tiroler Waidmannes nach verordneten Wildruhezonen und Sperrgebieten. Über die Motive dafür lässt sich spekulieren. Wenn aber Tirols oberster Seilbahner in dasselbe Horn stößt und den Schutz von Wildtieren vor Tourengehern fordert, wird der Bock zum Gärtner. Denn kaum ein Schigebiet wirbt nicht mit Freerideflächen. Und der geplante Schigebietszusammenschluss zwischen St. Anton und Kappl beispielsweise dient ausschließlich dazu, das Malfontal für Variantenfahrer zu erschließen. Die schönsten Schitourengebiete unseres Landes wurden als erste mit Liften erschlossen - jetzt soll der Rest Tabuzone für Tourengeher werden!?

Betretungsbeschränkungen müssen begründbar sein

Nach Ansicht des Alpenvereins ist es notwendig, genau zu prüfen, ob eine Betretungseinschränkung wildökologisch begründbar ist oder rein jagdliche Interessen befriedigt. Jedenfalls ist es unserer Meinung nach mehr als unlauter, Tourengeher alleine für die Beunruhigung des Wildes und Verbissschäden am Wald verantwortlich zu machen. Dass ein kausaler Zusammenhang zwischen den massiv überhöhten Wildbeständen und dem Verschwinden einzelner Baumarten, wie zum Beispiel der Tanne aus den heimischen Wäldern besteht, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Intensive Fütterungen auch außerhalb von winterlichen Notzeiten und wildökologisch falsche Jagdmethoden schaffen weiteren Nährboden für Probleme.

"Dass die Diskussion aber ausgerechnet jetzt geführt wird, ist kein Zufall", ist sich Gerald Aichner, der Vorsitzende des OeAV-Landesverbands Tirol sicher. In der Tat soll noch im Jahr 2014 ein neues Jagdgesetz in Kraft treten. "Bereits im Entwurf von 2011 wurde die Einrichtung von Sperrflächen rund um alle Fütterungsanlagen (sogar Rehwildfütterungen) und Einstandsflächen des Wildes gefordert", weiß Aichner.

Der Alpenverein unterstützt die Bemühungen von LH-Stellvertreter Geisler die Verständigung der verschiedenen Lebensraumpartner im Dialog zu ermöglichen. Begehrlichkeiten, wonach die Natur in Tirol in Zukunft nur mehr durch das Fenster "Alpenzoo" erlebt werden kann, wird er aber entgegenwirken! Sollte sich herausstellen, dass der Prozess nicht ehrlich und ergebnisoffen ist, wird sich der Alpenverein davon distanzieren.

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Leiterin Abteilung Raumplanung / Naturschutz
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stellvertretender Generalsekretär, Leiter Abt. Hütten, Wege und
Kartographie
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