Lunacek: "Kommission mit desaströser EU-Saatgutverordnung zurück an den Start geschickt"

Grüne: Landwirtschaft braucht keine Einheits-Pflanzen, sondern genetische Vielfalt

Straßburg (OTS) - "Die Vorlage der EU-Kommission für ein neues, europaweites Saatgutrecht war ein Schlag ins Gesicht all jener Züchterinnen und Züchter, die sich seit Jahren um mehr Artenvielfalt im Acker-, Obst- und Gemüseanbau kümmern. Die heutige Ablehnung dieses unausgegorenen Kommissionsvorschlags im Plenum des Europaparlaments ist deswegen die einzig adäquate und von uns Grünen auch geforderte Positionierung in dieser Frage. Damit haben sich heute die Interessen der Bäuerinnen und Bauern, die nachhaltige Ernährungssicherung und die biologische Vielfalt in der Landwirtschaft durchgesetzt. Bereits bei der gestrigen Debatte im Parlament wurde deutlich, dass die Kritik am Vorschlag durch alle Parteien geht. Gesundheitskommissar Tonio Borg allerdings ignoriert die parteiübergreifende Kritik. Nun hat er es schwarz auf weiß. Mit der Zurückweisung in erster Lesung hat das Parlament eindeutig gezeigt, dass es auch in Zukunft nicht gewillt ist, an dieser Vorlage weiterzuarbeiten. Die Kommission muss nun endlich eine neue Vorlage machen, die Aspekte der Biodiversität ins Zentrum stellt, statt weiter vorwiegend auf einheitliches Saatgut zu setzen", kommentiert Ulrike Lunacek, Vizepräsidentin der Grünen/EFA-Fraktion im Europaparlament, die heutige Zurückweisung des Kommissionsvorschlages zur EU-Saatgutgesetzgebung in erster Lesung.

Lunacek: "Der Versuch der Kommission, die bestehenden 12 Richtlinien in einer einzigen Verordnung zusammenzufassen, hätte jegliche Freiheit in der Saatgutbranche ernsthaft gefährdet. Der Vorschlag der EU-Kommission zur Saatgutverordnung würde es Landwirten und Kleingärtnern in Zukunft extrem erschweren, wenn nicht sogar unmöglich machen, ihr eigenes Pflanzenmaterial weiter frei zu nutzen. Anstatt das Saatgut zu verwenden, das sie auf ihren eigenen Äckern mit der Ernte gewinnen oder von regionalen Tauschbörsen beziehen, müssten LandwirtInnen und HobbygärtnerInnen neues und vereinheitlichtes Saatgut kaufen.

Mehr als bedenklich war auch, dass der Vorschlag das Marktpotenzial kleiner und alternativer Züchtungen sowie der Züchtungen im Öko-Landbau erheblich einschränkt. Alte Landsorten werden, da sie zum Beispiel nicht homogen sind, aufgrund der künftigen Prüfkriterien schlicht vom Markt verschwinden. ZüchterInnen dürften mit ihnen dann nicht mehr handeln. Dies hätte sehr negative Auswirkungen auf den Züchtermarkt und würde den Konzentrationstrend weiter beschleunigen. Schon heute werden 95 Prozent des Gemüsesektors von lediglich fünf Pflanzenzucht-Unternehmen dominiert. Das ist ein Zustand der Saatgutvielfalt verhindert anstatt sie zu fördern. Wir Grüne stellen uns massiv gegen jede Bevorzugung von Konzerninteressen. Die Landwirtschaft braucht keine Einheits-Pflanzen, sondern Vielfalt. An dieser Vorgabe wird auch jeder neue Vorschlag der Kommission zu messen sein."

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