Konjunkturerholung im Euro-Raum nach wie vor ohne Schwung

Wien (OTS/WIFO) - Die Expansion der Wirtschaft in den Schwellenländern liefert weiterhin nur schwach positive Impulse für die Weltkonjunktur. Während sich das robuste Wachstum in den USA fortsetzt, verbessert sich die Wirtschaftslage in Europa sehr zögerlich. In Österreich hält die Erholung an, allerdings bleibt auch hier die Aufwärtsentwicklung verhalten.

Zur Zeit kommen die entscheidenden Impulse für die Weltwirtschaft aus den USA. Nach +1% gegenüber der Vorperiode expandierte das BIP im IV. Quartal 2013 mit +0,6% abermals kräftig. Auch in China wurde mit +1,8% im IV. Quartal 2013 ein hoher Zuwachs der Wirtschaftsleistung verzeichnet. Die Dynamik ließ jedoch gegenüber dem Vorquartal (+2,2%) nach, und die Unternehmensumfragen deuten auf eine weitere Verlangsamung hin.

In Europa verstärkte sich die Erholung etwas. Das BIP stieg im IV. Quartal 2013 im Euro-Raum gegenüber der Vorperiode um 0,3% und in der EU insgesamt um 0,4%. In allen großen Euro-Ländern sowie in Portugal beschleunigte sich die Expansion. In Griechenland verringerte sich die Abwärtsdynamik.

Die österreichische Wirtschaft wuchs 2013 nach vorläufigen Berechnungen um 0,4%. Im IV. Quartal erhöhte sich die gesamtwirtschaftliche Produktion in Österreich gegenüber der Vorperiode real um 0,3%. Damit hat sich die seit Mitte 2013 beobachtete Konjunkturerholung etwas verstärkt.

Abbildung 1: Entwicklung des realen Bruttoinlandsproduktes - auf der WIFO-Website (http://www.wifo.ac.at/wwa/pubid/47160)

Die Ergebnisse des WIFO-Konjunkturtests deuten auf eine Fortsetzung dieser günstigen Entwicklung hin, jedoch dürfte die Dynamik verhaltener bleiben als in vergangenen Aufschwungsphasen. Der WIFO-Frühindikator zeigte im Dezember wie im Jänner eine leichte Expansion an. Im Februar verbesserte er sich gegenüber der Vorperiode etwas.

Neben dem Außenhandel gingen in Österreich die Nachfrageimpulse im IV. Quartal auch von den Investitionen aus. Der Konsum der privaten Haushalte trug hingegen nach wie vor kaum zum Wachstum bei, die realen Einzelhandelsumsätze stagnierten.

Übersicht 1: Ergebnisse der vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/pubid/47160)

Die Inflationsrate sank im Jänner 2014 auf 1,5%, nach 1,9% im Vormonat. Damit war der Preisauftrieb nach wie vor sehr gering, jedoch deutlich höher als im Durchschnitt des Euro-Raumes (Jänner 0,8%).

Das Bild einer Zunahme der Arbeitslosigkeit bei anhaltender Beschäftigungsausweitung blieb auch Anfang 2014 erhalten. Im Februar erhöhte sich die Zahl der unselbständig aktiv Beschäftigten gegenüber dem Vormonat um 0,1%. Auch die Zahl der Arbeitslosen stieg saisonbereinigt um 0,1%, die saisonbereinigte Arbeitslosenquote (nach österreichischer Berechnungsmethode) verharrte daher bei 7,9%.

Methodische Hinweise und Kurzglossar

Periodenvergleiche

Zeitreihenvergleiche gegenüber der Vorperiode, z. B. dem Vorquartal, werden um jahreszeitlich bedingte Effekte bereinigt. Dies schließt auch die Effekte ein, die durch eine unterschiedliche Zahl von Arbeitstagen in der Periode ausgelöst werden (etwa Ostern). Im Text wird auf "saison- und arbeitstägig bereinigte Veränderungen" Bezug genommen.

Die Formulierung "veränderte sich gegenüber dem Vorjahr . . ." beschreibt hingegen eine Veränderung gegenüber der gleichen Periode des Vorjahres und bezieht sich auf unbereinigte Zeitreihen.

Die Analyse der saison- und arbeitstägig bereinigten Entwicklung liefert genauere Informationen über den aktuellen Konjunkturverlauf und zeigt Wendepunkte früher an. Die Daten unterliegen allerdings zusätzlichen Revisionen, da die Saisonbereinigung auf statistischen Methoden beruht.

Wachstumsüberhang

Der Wachstumsüberhang bezeichnet den Effekt der Dynamik im unterjährigen Verlauf (in saisonbereinigten Zahlen) des vorangegangenen Jahres (t0) auf die Veränderungsrate des Folgejahres (t1). Er ist definiert als die Jahresveränderungsrate des Jahres t1, wenn das BIP im Jahr t1 auf dem Niveau des IV. Quartals des Jahres t0 (in saisonbereinigten Zahlen) bleibt.

Durchschnittliche Veränderungsraten

Die Zeitangabe bezieht sich auf Anfangs- und Endwert der Berechnungsperiode: Demnach beinhaltet die durchschnittliche Rate 2005/2010 als 1. Veränderungsrate jene von 2005 auf 2006, als letzte jene von 2009 auf 2010.

Reale und nominelle Größen

Die ausgewiesenen Werte sind grundsätzlich real, also um Preiseffekte bereinigt, zu verstehen. Werden Werte nominell ausgewiesen (z. B. Außenhandelsstatistik), so wird dies eigens angeführt.

Produzierender Bereich

Diese Abgrenzung schließt die NACE-2008-Abschnitte B, C und D (Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, Herstellung von Waren, Energieversorgung) ein und wird hier im internationalen Vergleich verwendet.

Inflation, VPI und HVPI

Die Inflationsrate misst die Veränderung der Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahr. Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist ein Maßstab für die nationale Inflation. Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) ist die Grundlage für die vergleichbare Messung der Inflation in der EU und für die Bewertung der Preisstabilität innerhalb der Euro-Zone ( siehe auch http://www.statistik.at/ ).

Die Kerninflation als Indikator der Geldpolitik ist nicht eindeutig definiert. Das WIFO folgt der gängigen Praxis, für die Kerninflation die Inflationsrate ohne die Gütergruppen unverarbeitete Nahrungsmittel und Energie zu verwenden. So werden knapp 87% der im österreichischen Warenkorb für den Verbraucherpreisindex (VPI 2010) enthaltenen Güter und Dienstleistungen in die Berechnung der Kerninflation einbezogen.

WIFO-Konjunkturtest und WIFO-Investitionstest

Der WIFO-Konjunkturtest ist eine monatliche Befragung von rund 1.500 österreichischen Unternehmen zur Einschätzung ihrer aktuellen und künftigen wirtschaftlichen Lage. Der WIFO-Investitionstest ist eine halbjährliche Befragung von Unternehmen zu ihrer Investitionstätigkeit ( http://www.konjunkturtest.at/ ). Die Indikatoren sind Salden zwischen dem Anteil der positiven und jenem der negativen Meldungen an der Gesamtzahl der befragten Unternehmen.

Arbeitslosenquote

Österreichische Definition: Anteil der zur Arbeitsvermittlung registrierten Personen am Arbeitskräfteangebot der Unselbständigen. Das Arbeitskräfteangebot ist die Summe aus Arbeitslosenbestand und unselbständig Beschäftigten (gemessen in Standardbeschäftigungsverhältnissen). Datenbasis: Registrierungen bei AMS und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.

Definition gemäß ILO und Eurostat: Als arbeitslos gelten Personen, die nicht erwerbstätig sind und aktiv einen Arbeitsplatz suchen. Als erwerbstätig zählt, wer in der Referenzwoche mindestens 1 Stunde selbständig oder unselbständig gearbeitet hat. Personen, die Kinderbetreuungsgeld beziehen, und Lehrlinge zählen zu den Erwerbstätigen, nicht hingegen Präsenz- und Zivildiener. Die Arbeitslosenquote ist der Anteil der Arbeitslosen an allen Erwerbspersonen (Arbeitslose plus Erwerbstätige). Datenbasis:
Umfragedaten von privaten Haushalten (Mikrozensus).

Definition der Arbeitslosenquote

Personen in Schulungen: Personen, die sich zum Stichtag in AMS-Schulungsmaßnahmen befinden. Für die Berechnung der Arbeitslosenquote wird ihre Zahl weder im Nenner noch im Zähler berücksichtigt.

Unselbständig aktiv Beschäftigte: Zu den "unselbständig Beschäftigten" zählen auch Personen, die Kinderbetreuungsgeld beziehen, sowie Präsenzdiener mit aufrechtem Beschäftigungsverhältnis. Zieht man deren Zahl ab, so erhält man die Zahl der "unselbständig aktiv Beschäftigten".

Rückfragen & Kontakt:

Rückfragen bitte am Dienstag, dem 11. März 2014, ab 10 Uhr an Dr. Marcus Scheiblecker, Tel. (1) 798 26 01/245, Marcus.Scheiblecker@wifo.ac.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | WFO0001