Jägerschaft um einen Skandal reicher

Jäger quält angeschossene Gams brutal zu Tode. Österr. Tierschutzverein übermittelt Sachverhaltdarstellung an Staatsanwaltschaft Innsbruck.

Wien (OTS) - Ein auf YouTube online gestelltes Video eines Urlaubers aus Holland entlarvt einen Jäger als brutalen Tierquäler. Nahe dem Scharnitzjoch in der Leutasch (Tirol) zieht ein Mann eine angeschossene, noch lebende Gams über einen felsigen Abhang hinunter. Anstatt das Tier mit einem Fangschuss von seinem Leiden zu erlösen, schleift der Peiniger das stark blutende und vor Schmerzen schreiende Tier an den Beinen über spitze Felsen hinunter. Im Todeskampf hinterlässt die Gams eine lange Blutspur.

Der Österreichische Tierschutzverein übermittelte der Staatsanwaltschaft Innsbruck eine Sachverhaltsdarstellung und zeigte das brutale Vorgehen des Jägers auch bei der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde an. Dazu Christian Hölzl, Sprecher des Vereins: "mit der Anzeige wollen wir sicherstellen, dass der Tierquäler seinen Jagdschein verliert, strafrechtlich verfolgt und auch verurteilt wird. Wir wissen, dass die Tragödie in Tirol kein Einzelfall ist. Vor wenigen Monaten zeigten wir einen Jäger bei der Staatsanwaltschaft an, der in Oberösterreich vor Zeugen einen kranken Rehbock mit Revolver und Messer zu Tode quälte. Aus unverständlichen Gründen wurde dieser Tierquäler vom Richter schließlich freigesprochen. Dabei ist ein konsequentes Vorgehen der Behörden und Gerichte in derartigen Fällen unumgänglich, um schwarze Schafe innerhalb der Jägerschaft vor ähnlichen Straftaten in Zukunft abzuhalten."

Frage der strafrechtlichen Verantwortung der untätigen Jagdkollegen muss geprüft werden

Nach Meinung des Österreichischen Tierschutzvereins ist in diesem Zusammenhang auch das Verhalten der Jagdkollegen des mutmaßlichen Täters kritisch zu hinterfragen. Das Video dokumentiert nicht nur die schockierende Tat, sondern zeigt auch, dass die anwesenden Jäger der rohen Misshandlung der Gams untätig zusahen. Das Video hält auch fest, dass ein Jagdkollege dem Tierquäler nach der Tat den blutigen Gamsbart des Tieres überreicht - auf eine Art und Weise, als hätte es im Vorfeld keine Tierquälerei gegeben.

Hölzl weiter: " Die Jagdkollegen haben den mutmaßlichen Tierquäler tagelang gedeckt, bis das Video online gestellt wurde. Außerdem kann meines Erachtens aus den in den diversen Jagdgesetzen festgeschriebenen Verboten und dem generellen Gebot der sog. weidgerechten Jagdausübung abgeleitet werden, dass die anwesenden Jäger die spezielle Verpflichtung getroffen hätte, die strafbare Handlung - also die rohe Misshandlung des Tieres durch den mutmaßlichen Täter - zu verhindern. Auch im Jagdrecht kann es keinen Freibrief für Tierquälereien geben. Ihr Untätigbleiben müsste im konkreten Fall ausnahmsweise als Tatbeteiligung zu qualifizieren sein."

Aus diesem Grund hat der Österreichische Tierschutzverein die Staatsanwaltschaft aufgefordert, die Ermittlungen nicht nur auf den unmittelbaren Tierquäler zu beschränken, sondern auch auf die mutmaßlichen Beitragstäter auszudehnen.

Die Tat selbst und das fragwürdige Verhalten der anwesenden Jagdkollegen zeichnet ein bedenkliches Sittenbild der Jägerschaft und muss verheerende Signalwirkung auf den nicht-jagenden Teil der Bevölkerung haben.

In diesem Zusammenhang wiederholt der Österreichische Tierschutzverein seine Forderung nach

- der Festlegung einer Null-Promille-Grenze bei der Jagd in den einzelnen Jagdlandesgesetzen; ein Zuwiderhandeln muss den sofortigen Entzug der Jagdkarte zur Folge haben;

- einer Gleichstellung von Jägern mit anderen Waffenbesitzern im Waffengesetz; somit die Einführung einer verpflichtenden psychologischen Verlässlichkeitsprüfung für Jagdanwärter und Jäger, die die psychologische Eignung offensichtlich nicht mehr besitzen.

- regelmäßigen Augenkontrollen bei Jägern ab einem Alter von 50 Jahren.

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Christian Hölzl, Sprecher/Jurist Tel. 0664-5200344
E-Mail: ch@ch-com.com

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