Entgegnung zum Artikel "Österreich: Sozialer Aufstieg gelingt oft", Die Presse, 10. Juli 2013

Wien (OTS) - In ihrem heutigen Artikel "Österreich: Sozialer Aufstieg gelingt oft" auf Seite 1 zitiert "Die Presse" eine "Studie" von Statistik Austria, die sich angeblich des "viel zitierten Stehsatzes" annähme, "die Einkommensschere geht auseinander." Die "Studie" von Statistik Austria sei von der Industriellenvereinigung (IV) in Auftrag gegeben und nunmehr der "Presse" exklusiv durch Clemens Wallner (IV) zur Verfügung gestellt worden.

Statistik Austria legt Wert auf die Feststellung, dass die zitierte "Studie" von Statistik Austria in dieser Form nicht existiert. Was die Industriellenvereinigung bei Statistik Austria in Auftrag gegeben hat, war eine Auswertung von Lohnsteuerdaten in Bezug auf die Dezils-Mobilität. Diese Daten (drei einseitige Datentabellen ohne jeglichen Interpretationstext) wurden der IV im März 2013 übermittelt. Die Interpretation und Darstellung der Zusammenhänge liegt daher, ebenso wie Zeitpunkt und Form der Veröffentlichung, ausschließlich in der Verantwortung der Industriellenvereinigung.

Inhaltlich ist zu der in dem Presse-Artikel wiedergegebenen Interpretation Folgendes anzumerken:

- Die Datenauswertung betrachtet nur jene Gruppe von unselbständig Erwerbstätigen, die sowohl zu Beginn als auch am Ende des Betrachtungszeitraums in Beschäftigung ist (2000 bis 2011 sind das 43% der in einem dieser Jahre unselbständig Erwerbstätigen). Da jene Personen, die in Arbeitslosigkeit geraten, hier unerfasst bleiben, ist eine Schlussfolgerung in Richtung Armut bzw. Armutsgefährdung, die häufig auch mit Erwerbslosigkeit verbunden ist, problematisch.

- Für eine Einschätzung der Armutsgefährdung ist das Haushaltseinkommen ausschlaggebend, das aus den überlieferten Lohnsteuerdaten jedoch nicht abgeleitet werden kann. Nicht enthalten sind insbesondere Sozialtransfers, die für armutsgefährdete Personen oft ein wichtiger Einkommensbestandteil sind.

- Auf Struktureffekte wird zu wenig hingewiesen. So ist der Aufstieg in höhere Einkommensdezile beispielsweise auch darauf zurückzuführen, dass zu Beginn der Betrachtungsperiode Berufseinsteiger mit niedrigen Gehältern erfasst werden, während am Ende der Periode alle erfassten Personen bereits zehn Jahre Lohnsteigerungen aufweisen können und keine Berufseinsteiger mehr sind.

- Es ist erfreulich, dass sich in zehn Jahren 31,7% der betrachteten Personen in ein besseres Dezil entwickeln konnten. Gleichzeitig ist darauf hinzuweisen, dass dieser Gruppe 40,4% Absteiger gegenüberstehen und sich 27,9% nicht verbessern konnten. In sieben der acht Einkommensdezile, die Bewegungen nach oben und unten aufweisen, überwiegt jene Gruppe, die absteigt.

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