• 17.06.2013, 10:15:56
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"kreuz und quer" am 18. Juni: "Wie Gewalt entsteht" und "Das Hirn und Ich"

Wien (OTS) - "Gewalt erzeugt Gewalt. Wir wissen, dass bei Menschen,
die Gewalt erlebt haben, die Angstzentren sensibler werden und damit
diese Person in ein höheres Risiko bringen, Angst oder Aggression zu
erleben", berichtet Neurobiologe Joachim Bauer von den Ergebnissen
der Hirnforschung. Untersuchungen an 500 Opfern von Missbrauch und
Gewalt durch kirchliche Einrichtungen belegen das - sie sind weit
häufiger selbst wieder gewalttätig geworden als der Durchschnitt.
"Was man in diesen Mauern da kennengelernt hat, das war einfach
brutale Gewalt, auch innerhalb der Gruppe, unter den Kindern. Wir
waren auch brutal, wir waren Schweine. Wir haben das weitergeben",
erzählt Gewaltopfer Franz Joseph Stangl. Kurt Langbein wagt in seiner
Dokumentation "Wie Gewalt entsteht", die "kreuz und quer" -
präsentiert von Doris Appel - am Dienstag, dem 18. Juni 2013, um
22.30 Uhr in ORF 2 zeigt, einen Streifzug durch wichtige Stationen
der Geschichte.

Ist das Bewusstsein nicht mehr als ein neurochemischer Prozess? Wenn
ja, was ist dann unser freier Wille, unser "Ich"? Lässt sich aus der
modernen Hirnforschung ableiten, dass nicht unser Ich, sondern
chemische und physikalische Prozesse in den Neuronen entscheiden, was
wir denken und wollen? Oder ist das eine reduktionistische Verzerrung
der Realität? Gibt es einen freien Willen? In der anschließenden
Dokumentation "Das Hirn und Ich" (23.15 Uhr) verfilmt Kurt Langbein
eine Art Wettbewerb zwischen den deterministischen Thesen und den
Verfechtern eines freien Willens anhand von Beispielen aus dem
menschlichen Alltag.

"Wie Gewalt entsteht" - Ein Film von Kurt Langbein

Gewalt entstand durch Sesshaftigkeit. Archäologische Befunde zeigen,
dass die Jäger und Sammler relativ friedlich lebten; sie gingen
einander eher aus dem Weg, als einander im Konfliktfall den Schädel
einzuschlagen. Erst mit dem Ackerbau und der Errichtung der ersten
Dörfer entstand heftige Gewalt unter den Menschen. "Gewalt ist kein
Trieb", erklärt Bauer, "Gewalt ist eine Reaktion auf Schmerz und
Angst."
Ausgrenzung erzeugt Gewalt. Experimente zeigen: Menschen sind bereit,
rund 50 Prozent der Schmerzreize für Andere zu übernehmen - außer sie
gehören verschiedenen Gruppen an. Testpersonen etwa, die
Kleidungsstücke unterschiedlicher Fußballklubs trugen, zeigten
deutlich geringere empathische Reaktionen und waren kaum noch bereit,
anderen Testpersonen Schmerzen abzunehmen.

Ingroup und Outgroup als mörderisches Machtinstrument - diese
Trennung in "uns" und "die anderen" wurde und wird in der Politik
missbraucht. Die Geschichte des Nationalismus zeigt dies in
erschreckendem Ausmaß - zuletzt in Srebrenica in Bosnien, als 8.400
Menschen ermordet wurden. "Wir müssen Lehren daraus ziehen, dass es
50 Jahre nach dem Holocaust wieder möglich war, mit derselben
Ideologie, nämlich nationalistischer Verhetzung, die Menschen dazu zu
bringen, ihre Nachbarn in einem Völkermord zu töten", sagt
Menschenrechtsexperte Manfred Nowak, der lange als Richter des
Internationalen Gerichtshofs in Bosnien war: "Die Demokratie muss
entschlossen gegen alle vorgehen, die andere zu rassischem,
religiösem Hass aufhetzen."

"Das Hirn und Ich" - Ein Film von Kurt Langbein

"Wenn das Bewusstsein das Resultat von Gehirnprozessen ist, dann
werden wir bei unserem künstlichen Gehirn bald ebenfalls eine Art
Bewusstsein sehen." Henry Markram, Hirnforscher im Schweizerischen
Lausanne, hat mit seinem "blue brain"-Projekt neue Maßstäbe in der
Hirnforschung gesetzt. In einem der größten Computer der Welt
arbeiten 10.000 elektronische Klone von Hirnzellen selbstständig, wie
im Gehirn. Schon in zehn Jahren will Markram das menschliche Hirn
komplett nachgebaut haben.

Die Hirnforschung hat in den vergangenen 20 Jahren enorme
Fortschritte gemacht. Doch fast alle optimistischen Einschätzungen,
nun dem Verständnis des komplexesten Organs ganz nahe gekommen zu
sein, haben sich als verfrüht herausgestellt. "Wenn das Gehirn so
einfach wäre, dass wir es verstehen könnten, dann wären wir so
einfach, dass wir es nicht verstehen könnten", resümiert der Berliner
Hirnforscher John-Dylan Haynes, der selbst mit einem Versuch Aufsehen
erregte: Versuchspersonen in einem Kernspintomografen sollten ganz
nach ihrem Gutdünken den Knopf links oder rechts drücken. Mit einer
speziellen Software konnte Haynes die Aktivitätsmuster erkennen und
vorhersagen, welchen der beiden Knöpfe der Proband drücken wird - und
zwar bereits sieben Sekunden bevor die Versuchsperson eine bewusste
Entscheidung traf. Das würde bedeuten, dass das Gehirn längst
entschieden hat, bevor wir meinen zu entscheiden. Philosophen wie
Peter Strasser widersprechen dieser Schlussfolgerung. Und tatsächlich
gibt es auch wissenschaftliche Beispiele, wie sehr das Bewusstsein
auf das Nervensystem einwirkt, etwa den Placebo-Effekt.

"kreuz und quer" ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der
Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand
abrufbar und steht als zeitnahe Servicewiederholung am Mittwoch im
Hauptabend auf dem Programm von ORF III Kultur und Information.

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