- 23.05.2013, 21:01:10
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 24. Mai 2013. Von MANFRED MITTERWACHAUER. "Einfach komplex".
Innsbruck (OTS) - Untertitel: Mit einem rigideren Kurs in Sachen
Wohnungsanmietung will das Innsbrucker Sozialamt der Mietzinswucherei
am privaten Markt Einhalt gebieten. Ein Kampf, den zu führen sich
lohnen würde - aber nicht auf dem Rücken der Ärmsten.
Der private Wohnungsmarkt in Innsbruck gleicht schon seit Langem
einem modernen Raubrittertum. Den Mietern wird abgeknöpft, was der
Markt hergibt. Und das ist zurzeit sehr viel. Quadratmeterpreise von
bis zu 20 Euro seien im Mietbereich keine Seltenheit, heißt es aus
dem Büro von Sozialstadtrat Ernst Pechlaner. Doch auch diese
Wohnungen gehen weg wie die warmen Semmeln. Kaum inseriert, schon
vergeben - davon berichten die Sozialvereine, die zusammen mit ihren
Klienten tagtäglich den Wohnungsmarkt durchkämmen.
Es ist die Nachfrage, die den Preis regelt. Und die Nachfrage ist in
der Tiroler Landeshauptstadt groß. Einer Studentenstadt mit viel zu
wenig Heimplätzen. Einer Stadt mit positiver Zuwanderungsbilanz,
deren Warteliste für eine Sozialwohnung seit Jahren über der
2000er-Marke liegt - Tendenz steigend. Einer Stadt, die im Vergleich
zu so mancher Landgemeinde bei der Mietzinsbeihilfe eben nicht auf
der Bremse steht. Allein 2012 wurden 7563 Anträge gestellt und knapp
15 Beihilfemillionen ausbezahlt. Und einer Stadt, in der finanzstarke
Kunden am Immo-Markt über Jahre mit Anlegerwohnungen geködert wurden.
All das heizte den Wohnungsmarkt an. Zusätzlich zu den alten
Problemen wie knappem öffentlichem Bauland oder kostentreibenden
Bauauflagen für Stellplätze oder Energieeffizienz.
Das Sozialamt will nun mit der Mietzinswucherei aufräumen. Eine
striktere Auslegung der im Tiroler Mindestsicherungsgesetz
festgeschriebenen "ortsüblichen Mietkosten" soll es richten. Und die
Vermieter am freien Wohnungsmarkt endlich zur Räson bringen.
Quadratmeterpreise, die bar jeder Realität seien und um die es
lediglich "eine Garagenbox" zu mieten gebe, werfen die Sozialvereine
dem Sozialamt vor und schlagen Alarm. Zu Recht. Denn in erster Linie
trifft dies die Armen, die Bezieher einer Mindestsicherung. Ihre
Wohnungsnot wird prolongiert. Verfehlt werden jene, auf die man
eigentlich abzielen will: die Vermieter. Diese bringen ihre Wohnungen
schon weg. Wenn nicht heute, dann eben morgen. Pechlaner will
Härtefälle verhindern, verspricht er und kündigt deshalb auch neue
Gespräche an. Ein erster Erfolg für die Sozialvereine.
Dass die staatliche Finanzierung von Wohnraum für sozial Schwache
nicht zum unbeschränkten Selbstbedienungsladen gieriger Immo-Haie
verkommen darf, ist ein Gebot der Stunde. Hierzu bedarf es aber
komplexerer Strategien als einfach jener, Hilfsbedürftigen die
Wohnung zu verwehren.
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