- 23.05.2013, 12:29:01
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Ärztekammer zu Ausbildungsreform: Ohne Lehrpraxis geht es nicht
Wechselberger: Allgemeinmediziner praxisbezogen ausbilden - Turnus entlasten
Utl.: Wechselberger: Allgemeinmediziner praxisbezogen ausbilden -
Turnus entlasten =
Wien (OTS) - Für die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) sind die
Einführung einer verpflichtenden einjährigen, öffentlich finanzierten
Ausbildung in einer Lehrpraxis und die gesetzliche Verankerung eines
Tätigkeitsprofils für Turnusärzte im Krankenhaus unverzichtbare
Bestandteile einer Ausbildungsreform zur Allgemeinmedizin. "Der im
Wesentlichen auf eine bloße Verlängerung der Ausbildung im Spital
abzielende Entwurf einer neuen Ausbildungsordnung des
Gesundheitsministers bringt keinen Qualitätsgewinn, sondern verstärkt
die substanziellen Schwächen der spitalslastigen Ausbildung
angehender Haus- und Familienärzte. Allgemeinmediziner können ihr
Spezialgebiet nur in Ordinationen erlernen, in denen das breite
Spektrum des Faches praktiziert wird. Es handelt sich um spezifische
Kenntnisse und Fertigkeiten, die in einer hochspezialisierten
Spitalsabteilung nicht vermittelt werden können", betonte
ÖÄK-Präsident Artur Wechselberger am Donnerstag in einer Aussendung.
Die bisher fehlende Verpflichtung zur Ausbildung in einer
allgemeinmedizinischen Lehrpraxis müsse im neuen Konzept verankert
sein. Nur so erhielten angehende Ärztinnen und Ärzte für
Allgemeinmedizin das Rüstzeug für eine qualitätsvolle
Primärversorgung. "Es ist eindeutig zu wenig, in der eben
beschlossenen Gesundheitsreform die Stärkung der 'Primary Health
Care' nach internationalem Vorbild vorzugeben und gleichzeitig den
Allgemeinmedizinern die dazu notwendige Ausbildung zu verweigern",
unterstrich Wechselberger seine Forderung. In jedem modernen
Gesundheitssystem, das sich an den Grundsätzen von Public Health
orientiere, spielten niedergelassene Allgemeinmediziner eine zentrale
Rolle. Als erste Ansprechpartner in allen Gesundheitsfragen mit hoher
Fach- und Sozialkompetenz, Angelpunkt zur Entlastung der
Spitalsambulanzen und Lotsen im Gesundheitssystem versorgten sie akut
erkrankte Menschen. Chronisch Kranke würden sie oft viele Jahre
behandeln und begleiten. Zudem stellten sie die Integration und
Kontinuität der Versorgung in der Zusammenarbeit mit Pflege- und
Sozialdiensten bzw. extramuralen Therapeuten, aber auch den
Angehörigen von Kranken und Pflegebedürftigen sicher. Der
Ärztepräsident: "Es liegt daher in der Verantwortung der Politik, für
eine Ausbildung zu sorgen, die den spezifischen Anforderungen der
Allgemeinmedizin gerecht wird."
Dazu gehöre die Finanzierung einer einjährigen Ausbildung in der
Lehrpraxis mit jährlich maximal 15 Millionen Euro. "Das entspricht
der Steuerleistung, die alle Österreicherinnen und Österreicher
stündlich erwirtschaften und an den Staat abliefern", führte
Wechselberger aus. Zur öffentlichen Verantwortung zähle auch eine
strikte Regelung der Aufgaben von Turnusärzten im Spital. Zurzeit
seien Turnusärzte vorwiegend mit Systemarbeit beschäftigt, Fragen der
Ausbildung blieben auf der Strecke. Eine Zusage, ein Tätigkeitsprofil
umzusetzen, das die Ausbildung ins Zentrum rücke, gebe es noch nicht.
De facto könnten Turnusärzte weiterhin zu Lasten ihrer Ausbildung als
Systemerhalter eingesetzt werden, sagte Wechselberger abschließend.
(slv)
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