- 07.05.2013, 19:02:36
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DER STANDARD-KOMMENTAR "Frauen werden anders beurteilt" von Alexandra Föderl-Schmid
Weibliche Führungskräfte sind oft diskriminierenden Beschreibungen ausgesetzt - Ausgabe vom 8.5.2013
Utl.: Weibliche Führungskräfte sind oft diskriminierenden
Beschreibungen ausgesetzt - Ausgabe vom 8.5.2013 =
Wien (OTS) - Was haben Angela Merkel, Margaret Thatcher, Jill
Abramson, Gabi Burgstaller und Kathrin Zechner gemeinsam? Als
Regierungschefinnen, New York Times-Chefredakteurin, Landeshauptfrau
und ORF-Programmdirektorin sind sie in einer Führungsfunktion tätig.
Diese Positionen bringen es mit sich, dass sie mit Beurteilungen
konfrontiert sind und sich öffentlich Untergriffe gefallen lassen
müssen, denen Männer nicht ausgesetzt sind. Es gibt auch
diffamierende Bezeichnungen, die nur auf Frauen gemünzt werden.
Hexe ist so ein Begriff. Aus Anlass des Todes der britischen
Premierministerin Thatcher war auf Twitter und in Foren "Die Hex' ist
tot!" eine beliebte Reaktion. Wegen ihrer Politik kann man sie
kritisieren. Aber nicht so.
Als "schnippisch" wurde der Führungsstil der noch nicht lange
agierenden New York Times-Chefredakteurin Abramson von einem Kollegen
beschrieben, der sie in einem Artikel sehr persönlich attackierte.
Dass sie hysterisch sei, wurde suggeriert, es fehlte nur:
stutenbissig.
Dass es in der österreichischen Medienbranche noch viel tiefer geht,
bewies jüngst der Herausgeber des Branchenblattes Extradienst,
Christian Mucha, der in seiner Kolumne unter dem Titel "Piss me,
Kate!" ORF-Programmchefin Zechner extrem untergriffig attackierte.
Erstaunlich war auch die über Twitter verbreitete Einschätzung von
Falter-Chefredakteur Florian Klenk zum Salzburger Wahlergebnis, das
Gabi Burgstaller zum politischen Rückzug bewogen hat: "Interessant,
dass zum 2. Mal eine Landeshauptfrau abgewählt wurde, weil Frauen
unter ihrer Verantwortung Mist bauten (Klasnic/Herberstein)." Wenn
alle Landeshauptmänner abgewählt würden, unter deren Verantwortung
Männer Mist gebaut haben, dann müssten in Österreich viele Jobs im
politischen Bereich neu besetzt werden. Eine Diskussion über
Frauenquoten in der Politik wäre dann überflüssig.
Es gibt auch Beschreibungen, die positiv gemeint sind, aber ganz
anders ankommen. So wurde Christine Lagarde,von Spiegel online zur
Powerfrau des Jahres 2012 gekürt: "Mit Eleganz und Köpfchen, Charme
und Chuzpe hat sich die Chefin des Internationalen Währungsfonds 2012
als Stimme der Vernunft in der Eurokrise profiliert." Bei Männern
werden Aussehen und Hirnleistung nur selten beschrieben. Nur für
Frauen gilt das Eigenschaftswort emsig, Männer arbeiten dagegen viel.
Wenn eine Frau durchsetzungsstark ist und noch dazu mit
beträchtlichem Einfluss, dann verleitet das gleich dazu, sie mit
Peitsche, Pickelhaube oder gar mit Hitlerbärtchen zu zeigen. Die
deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel erträgt diese unerträglichen
Karikaturen, die in Polen und in südeuropäischen Ländern über sie
kursieren, mit Gelassenheit. Sie kommentiert sie nicht einmal.
Ignorieren kann man diese Darstellungen nicht. Sie sind genauso
wichtig wie das Thema zu wenig Frauen in Führungspositionen, zu dem
Merkel ins Berliner Kanzleramt lud.
Diese Schmähungen sind mit ein Grund, warum manche Frauen nicht an
die Spitze wollen, weil sie sich dem nicht aussetzen möchten. Diese
Sprüche und Beschreibungen sind genauso diskriminierend wie die Form
von "unguter Anmache", die zur Aufschrei-Debatte rund um
FDP-Politiker Rainer Brüderle geführt hat. Wenn es um Leistung geht,
sollen Frauen nicht anders beurteilt werden als Männer.
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