- 29.04.2013, 13:45:28
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Tischler: Schlechter Lohn für hochqualifizierte Schulabgänger widerspricht sich
GBH: Forderung der Tischlereiunternehmer nach mehr Fachkräften ist fast zynisch
Utl.: GBH: Forderung der Tischlereiunternehmer nach mehr Fachkräften
ist fast zynisch =
Salzburg (OTS/ÖGB) - Salzburgs Tischlerbetriebe klagen über einen
Facharbeitermangel und empfehlen Schulabgängern mit guten Noten,
nicht die Matura zu machen, sondern den Beruf des Tischlers zu
erlernen. Das wäre durchaus vernünftig, wenn Tischlerlehrlinge nicht
so wenig verdienen würden. Auch die Zukunft für Tischler sieht nicht
rosig aus, da die Arbeitgeber erst kürzlich die Lohnverhandlungen
abgebrochen haben, weil sie zu keiner gesetzlich geregelten
Ist-Lohn-Erhöhung bereit sind.++++
Ein ausgelernter Tischler in der höchsten Lohnkategorie bekommt
gerade einmal 10,34 Euro Stundenlohn, was einen Bruttomonatslohn von
1.788,82 Euro ergibt. Netto wirklich im Geldbörsl landen danach
lediglich 1.298 Euro. Zum Vergleich: ein qualifizierter Facharbeiter
im Metallgewerbe verdient derzeit Euro 13,27 in der Stunde und somit
um rund 28 Prozent mehr als ein Tischler.
Was leider derzeit auch noch gegen eine Tischlerlehre spricht, ist,
dass die Kollektivvertragsverhandlungen für das Holz- und Kunststoff
verarbeitende Gewerbe von Seiten der Arbeitgeber abgebrochen wurden.
Die Arbeitgeber waren zu keiner Lösung bei der Ist-Lohnerhöhung, also
der Erhöhung der tatsächlichen Löhne, bereit. Das bedeutet, dass jene
Tischler, die derzeit mehr als den kollektivvertraglich geregelten
Mindestlohn erhalten, als Bittsteller zu ihren Chefs gehen müssen, um
eine Lohnerhöhung zu erhalten. Derzeit bekommen 9 von 10 Tischlern
einen Ist-Lohn und müssen, wenn es nach den Arbeitgebern geht, auf
eine vertraglich geregelte Lohnerhöhung verzichten bzw. darum
betteln. Das kann es ja nicht sein.
Seit Bestehen des Kollektivvertrages entscheiden die Arbeitgeber
einseitig und freiwillig, ob sie bestehende Überzahlungen nach
KV-Erhöhungen fortschreiben. Laut GBH werden die freiwilligen
Überzahlungen aber bei den KV-Erhöhungen von den Arbeitgebern
gegengerechnet. Die Folgen: Es gibt keine bzw. nur weit geringere
Lohnerhöhungen als der VPI für die Beschäftigten. In mehr als ein
Drittel der Betriebe gab es laut einer Umfrage der GBH 2012 überhaupt
keine Ist-Lohn-Erhöhung, in den anderen überwiegend geringere als der
VPI.
"Unter Berücksichtigung dieser Fakten wirkt die Forderung der
Tischlereiunternehmer nach mehr Fachkräften fast schon zynisch",
meint Andreas Huss, Leitender Sekretär der Gewerkschaft Bau-Holz.
Othmar Danninger, Landesvorsitzender der GBH, fordert: "Ich erwarte
mir, dass die Arbeitgeber umgehend wieder am Verhandlungstisch mit
Lösungen für die Ist-Lohn-Erhöhung Platz nehmen. Es müssen Löhne
vereinbart werden, welche diesem schönen und sehr anspruchsvollen
Beruf auch entsprechen. Tischlerinnen und Tischler bringen eine
jahrelange Erfahrung und Qualifikation mit, und bekommen dafür nicht
einmal die Inflationsrate abgegolten - so ist der Tischlerberuf
sicher nicht attraktiv für unsere Jugendlichen."
Das Tischlerhandwerk zählt nach wie vor zu den am schlechtesten
bezahlten Berufen. Nur mit der Schönheit des Berufes allein wird der
Facharbeitermangel nicht zu bekämpfen sein. "Wenn die Unternehmen so
weitermachen und nicht umgehend bei der Ist-Lohn-Erhöhung einlenken,
wird der ehemalige Trendberuf Tischler für Jugendliche zu einem
aussterbenden Handwerk. Da helfen auch teure Imagekampagnen seitens
der Arbeitgeber nichts," so Huss abschließend.
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