• 05.03.2013, 19:37:43
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"Aus dem Leben eines Watschenmannes", OÖNachrichten-Leitartikel von Wolfgang Braun

Ausgabe vom 6. März

Utl.: Ausgabe vom 6. März =

Linz (OTS) - Norbert Darabos hat ausgelitten. Selten dürfte es einen
Politiker in der Zweiten Republik gegeben haben, der so vollkommen in
die Rolle des Prügelknaben geschlittert ist wie der optisch immer
noch jugendlich wirkende Burgenländer. Er galt einst als
Nachwuchshoffnung der SPÖ, bis sich am 11. Jänner 2007 das Blatt
wendete: An diesem Tag trat Darabos sein Amt als
Verteidigungsminister an, begleitet von süffisantem Beifall seines
damaligen Parteichefs und Bundeskanzlers Alfred Gusenbauer.
Es war der Beginn seines Absturzes. Am Anfang stand die undankbare,
weil aussichtslose Aufgabe, aus dem Eurofighter-Vertrag auszusteigen.
Es folgten Zerwürfnisse mit führenden Militärs bis hin zum offenen
Konflikt mit seinem Generalstabschef Edmund Entacher. All das wurde
begleitet von regelmäßigen Angriffen und Untergriffen der politischen
Konkurrenten, die den Zivildiener Darabos rasch als Lieblingsziel
definiert hatten.
Darabos hatte all dem wenig entgegenzusetzen, er war überfordert, ihm
fehlten das Durchsetzungsvermögen und die Schläue eines
Vollblutpolitikers. Zudem war die Unterstützung seiner Partei nur
dezent bis nicht vorhanden. Darabos█ Devise war durchhalten,
durchleiden. Das merkte man ihm an, das nagte an ihm, politisch und
persönlich.
Mit der Kehrtwende in der Wehrpflicht-Frage, die er auf Geheiß von
Parteichef Werner Faymann und Michael Häupl vollführte, akzeptierte
er schließlich seine endgültige Degradierung zur Schachfigur. Es war
die Kapitulation der Persönlichkeit Norbert Darabos vor dem
Parteisoldaten Norbert Darabos. Versagt hat damit aber nicht nur er,
sondern auch die SPÖ-Spitze, die es in Kauf genommen hat, ein
Regierungsmitglied zu verheizen und schließlich zu opfern.
Darabos█ Abgang als Minister war ab der Niederlage bei der
Wehrpflicht-Volksbefragung nur noch eine Frage der Zeit. Zu groß wäre
die Angriffsfläche gewesen, die er als Minister im Wahljahr geboten
hätte.
Dass er nun wieder in die Bundesgeschäftsführung zurückkehren kann,
eröffnet ihm die Chance eines Neustarts. Leicht ist der Weg zurück
nicht, weil die Ministerjahre Ballast sind. Dafür ist Darabos um eine
schmerzliche Erfahrung reicher. Er hat erleben müssen, dass
Parteiloyalität dort ihre Grenze erreicht, wo man für sie die
Selbstachtung opfern muss.

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