Sozialpartner präsentieren zukunftsorientierte Bildungsreform

Gemeinsames Papier als Einstieg in Diskussion

Wien (OTS/ÖGB) - Die Sozialpartner präsentierten heute gemeinsame Vorschläge für eine zukunftsorientierte Bildungsreform mit dem Schwerpunkt Reform der neunten Schulstufe. Österreich hat sich als kleines Land eine hervorragende Position am Weltmarkt erarbeitet, angesichts des demografischen Wandels steht das Berufsbildungssystem in den kommenden Jahren allerdings vor großen Herausforderungen. Mit ihrem Diskussionsbeitrag präsentieren die Sozialpartner Vorschläge, wie einerseits die erforderliche Zahl der Fachkräfte sichergestellt werden kann, und wie andererseits jungen Menschen optimale berufliche Zukunftsperspektiven geboten werden können.

"Wir haben mit unserem Reformvorschlag einen Meilenstein für ein ganzheitliches neues Bildungskonzept erarbeitet", betonte Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl, "und das zur rechten Zeit, denn Bildung ist einer der wichtigsten Schlüsselfaktoren für die Zukunft unseres Landes im internationalen Wettbewerb der Qualifikationen und Talente." Das derzeitige Schulsystem habe durchaus seine Stärken, aber es schöpfe "nur" 60 Prozent der Bildungsreserven der Kinder und Jugendlichen ab. "Mit unseren Reformvorschlägen wollen wir diesen Prozentsatz deutlich steigern. Dafür reichen unsere Ideen von der frühkindlichen Bildung, über die intensive Unterstützung der Jugendlichen bei der Berufsentscheidung, einer Neudefinition der neunten Schulstufe, einer Attraktivierung der Systeme Lehre mit Matura sowie umgekehrt Matura und Lehre, einer Erleichterung beim Zugange zum tertiären Sektor und damit verbunden einer Aufwertung der Lehrabschlüsse sowie einer Implementierung von Berufsakademien, bis hin zum lebensbegleitenden Lernen älterer ArbeitnehmerInnen", so Leitl. Zentraler Punkt der Reform ist die Durchlässigkeit aller Bildungswege. Leitl: "Schulische und berufliche Ausbildung müssen künftig in alle Richtungen kombinierbar sein. Wir haben mit diesem Reformpapier viel vorgelegt, jetzt kommt es auf die rasche Umsetzung an."

AK-Präsident Herbert Tumpel verwies in seinem Statement auf die derzeit noch hohen Verlustraten in den weiterführenden Schulen: In der Handelsschule schließen nur 34 Prozent der AnfängerInnen ab, in der AHS machen nur 66 Prozent der SchülerInnen der fünften Klasse später die Matura, in den berufsbildenden Schulen schließen nur 55 Prozent mit Matura ab. "Deshalb haben wir den neuen Ansatz, dass sämtliche weiterführenden Ausbildungen und Schulen erst nach einem neu gestalteten neunten Schuljahr beginnen." Tumpel: "Es soll ein Jahr der intensiven Berufsorientierung sein, und es soll die Chance bieten nachzuholen, was jemand eventuell versäumt hat." Ziel sei, dass alle Kinder einheitliche, gemeinsame Bildungsziele erreichen. Tumpel hob die bisherigen positiven Reformschritte der Bundesregierung im Bildungssystem hervor, etwa den Ausbau der ganztägigen Schulen und die Umwandlung der Hauptschulen in Neue Mittelschulen. Noch geht ihm freilich vieles zu langsam. Er freue sich etwa über den Ausbau der ganztägigen Schulen. Er trete aber für mehr echte Ganztagsschulen in der verschränkten Form von Unterricht, Üben, Freizeit und Sport ein: "Das bringt bessere Ergebnisse."

"Bildung ist der Hauptfaktor, um Risiken wie Arbeitslosigkeit, Armut und Ausgrenzung hintan zu halten", sagte ÖGB-Präsident Erich Foglar. Für eine kleine Volkswirtschaft wie Österreich sei Bildung auch ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor. "60 Prozent der Menschen, die in Österreich arbeiten, haben Fachausbildungen aus der dualen Berufsausbildung oder BMHS, das ist die Basis unserer wirtschaftlichen Erfolge." Ein Kernpunkt der Vorschläge sei es, bereits in jungen Jahren mehr Grundsteine zu legen. "Wir wollen das verpflichtende Kindergartenjahr auf ein zweites ausweiten, weil das eines der wichtigsten Fundamente für die Kinder und Jugendlichen ist." Auch die Lehre mit Matura müsse weiterentwickelt werden, das erhöhe die Chancen der Jugendlichen. Das kostenlose Nachholen von Pflichtschulabschlüssen sei wichtig, um Lebenslangen Lernen zu ermöglichen, denn auch das würde die Möglichkeiten am Arbeitsmarkt und die Chancen im Leben verbessern. "Wir brauchen einen Paradigmenwechsel", sagte Foglar. "Im Großen und Ganzen haben wir ein gutes Schulsystem, aber wir müssen morgen besser sein. Klar definierte Bildungsziele und ein Abschluss müssen das Maß der Dinge sein, um die Ausgangsbasis zu verbessern." Wesentliches Merkmal ist Pflichtschulabschluss und nicht, ob man neun Pflichtschuljahre absolviert. Es soll niemand mehr aus dem System kommen, der nicht in der Lage ist eine Berufsausbildung zu bekommen." Die Qualität der Lehrausbildung sei dem ÖGB ein besonders wichtiges Anliegen. "Wir sind sehr gut, haben hervorragende Facharbeiter, es gilt aber auch hier: Wir können besser sein." In manchen Branchen sei die Durchfallsquote zu hoch, oder zu wenig Lehrlinge würden zur Abschlussprüfung antreten. Hier muss man schon vorher eingreifen und die Betriebe und Lehrlinge unterstützen, und beraten."

"Bildung ist auch für die LK Österreich der Schlüsselbegriff der Zukunft", sagt August Astl, Generalsekretär der LKÖ. Die Land-und Forstwirtschaft habe in den letzten Jahrzehnten einen massiven Strukturwandel durchgemacht und daher sei es wichtig, dass das Bildungsangebot gerade im ländlichen Raum noch besser genutzt werden könne. Sehr viele bäuerliche Betriebe würden im Nebenerwerb geführt, daher seien Zusatzqualifikationen notwendig und müssen auch angeboten werden. "Dazu gibt es in den Bildungseinrichtungen der Land- und Forstwirtschaft ein flächendeckendes Angebot für junge Bäuerinnen und Bauern. Auch das Nachholen von Berufsbildungsabschlüssen im zweiten Bildungsweg sei für die Menschen in der Landwirtschaft eine wichtige Voraussetzung für deren Lebensqualität sowie für den wirtschaftlichen Erfolg eines bäuerlichen Familienbetriebes. Nicht zuletzt ist die Durchlässigkeit im Bildungssystem bis hin zu höheren Ausbildung und damit auch für landwirtschaftliche Betriebsführerinnen und Unternehmer eine im europäischen Wettbewerb wichtige Aufgabe und Herausforderung", betonte Astl. Das duale Berufsausbildungssystem in Österreich habe sicherlich sehr viel dazu beigetragen, dass die Arbeitslosenrate im Vergleich zu anderen europäischen Ländern in Österreich sehr niedrig ist, unterstrich Astl.

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