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21-Jähriger starb durch Kugel eines alkoholisierten Jägers:

Österreichischer Tierschutzverein fordert Null-Promille-Grenze bei der Jagdausübung und verpflichtende psychologische Tests für Jäger

Wien (OTS) - Es war leider nur eine Frage der Zeit: Nach einer Serie von Jagdunfällen mit schweren Schussverletzungen und erschossenen Haustieren starb nun ein 21-Jähriger durch die Kugel eines Jägers. Angesichts des explosiven Gemisches aus Alkohol und mangelnder psychologischer Eignung und des damit einhergehenden Gefährdungspotentials für Menschen und Tiere fordert der Österreichische Tierschutzverein die Null-Promille-Grenze bei der Jagdausübung sowie eine verpflichtende psychologische Verlässlichkeitsprüfung für Jäger.

Die Serie dramatischer Jagdvorfälle - zum Teil auch vom Österreichischen Tierschutzverein an die Öffentlichkeit gebracht -reißt nicht ab und wirft ein katastrophales Licht auf die Waidmänner. "Alkohol bei der Jagdausübung ist aber nur ein Teil des Problems", berichtet Christian Hölzl vom Österreichischen Tierschutzverein.

Und macht auf einen bemerkenswerten Umstand aufmerksam: " Ausgerechnet die 120.000 Jagdkartenbesitzer - in Österreich immerhin die größte Gruppe unter den Waffenbesitzern, die auch eine Waffe mit sich führen dürfen -müssen sich keiner psychologischen Verlässlichkeitsuntersuchung unterziehen. Und das, obwohl Jäger für die meisten Unfälle im Zusammenhang mit Waffen verantwortlich sind."

Die Jägerschaft überlegt nun, die Jagdunfälle durch Übungsschießen in den Griff zu bekommen. Für Hölzl der falsche Ansatz. "Das ist so, als würde man einem Führerscheinbesitzer ein Fahrsicherheitstraining anbieten, im Wissen, dass er in der Vergangenheit regelmäßig alkoholisiert am Steuer saß oder -noch schlimmer -nicht die psychologische Eignung besitzt, im Stadtverkehr ein Auto zu lenken. "Da offensichtlich ein explosives Gemisch aus Alkohol und mangelnde psychologische Eignung ein Menschenleben forderte, ist die Festlegung der Null- Promille-Grenze zuwenig.

"Psychologische Wackelkandidaten" mit Waffenpass sind Gefahr für Mensch und Tier

Grundsätzlich benötigen alle ÖsterreicherInnen für den Besitz bzw. das Führen von Waffen eine behördliche Genehmigung in Form einer Waffenbesitzkarte oder eines Waffenpasses und müssen sich dazu auch -völlig zu Recht - einer psychologischen Verlässlichkeitsuntersuchung unterziehen. Das gilt nicht für die Jägerschaft: Jäger erlangen entweder den Waffenschein ohne Nachweis über ihre psychologische Eignung oder jagen überhaupt - ganz legal - ohne Waffenpass.

Das österreichische Waffengesetz (WaffG) verlangt für den Besitz oder das Führen von z.B. Faustfeuer- oder halbautomatischen Schusswaffen (sog. Waffen der "Kategorie B") eine behördliche Bewilligung. Für die Ausstellung einer Waffenbesitzkarte (die erlaubt, zwei Waffen samt Munition zu Hause aufzubewahren) oder eines Waffenpasses (die zum Führen dieser Waffen berechtigt) spielt insbesondere die sog. "Verlässlichkeit" des Antragstellers eine zentrale Rolle. Antragsteller für Waffenbesitzkarten oder Waffenpässe müssen mittels eines psychologischen Gutachtens nachweisen, dass sie (z.B. bei Stress) nicht dazu neigen, mit Waffen unvorsichtig umzugehen oder diese leichtfertig zu verwenden. Unglaublich: Das WaffG nimmt hiervon Jäger aus.

Hölzl führt weiter aus: "Für die Erlangung der Jagdkarte reicht die bestandene Jagdprüfung. Zwar wird auch die "Verlässlichkeit" des Bewerbers verlangt - sie bleibt aber ob der Tatsache, dass kein Nachweis über die psychologische Eignung verlangt wird, bloße Makulatur."

Das Beispiel des Landes Vorarlberg zeigt, dass man sich auf der Landes-Webseite die jagdliche Zuverlässlichkeit per Klick sogar selbst bescheinigen kann. So hat man auch als "psychologischer Wackelkandidat" die Ausstellung des Waffenpasses für die Jagd und damit auch den Revolver (Kategorie B) praktisch in der Tasche.
Das letzte Hindernis auf dem Weg zur Erlangung des Waffenpasses und somit zum legalen Führen genehmigungspflichtiger Waffen wird den Jägern aktuell durch einen Erlass des BMI aus dem Weg geräumt. Nach dem WaffG müssen Antragsteller als weitere Voraussetzung nämlich noch einen sog. "Bedarf am Führen einer Schusswaffe der Kategorie B" nachweisen. Es dürfen nur Personen legal eine Waffe führen, die einer entsprechenden Bedrohung (lt. WaffG "besonderen Gefahren") ausgesetzt sind (z.B. Wachdienst).

Durch den Erlass können nun aber auch Jäger diesen "Bedarf" glaubhaft machen, wenn sie "die Jagd zumindest zeitweise ausüben und dafür auch Schusswaffen der Kat. B für die Jagd benötigen". In der Praxis reicht dazu die Bestätigung des zuständigen Landesjagdverbandes aus(!)

Sogar Jagen ohne Waffenpass ist möglich

Auch bei den frei erwerbbaren, nur meldepflichtigen Schusswaffen
der Kat. C und D (Büchsen und Flinten) können Jäger mit verstecktem Gefährdungspotential nicht mithilfe des waffenrechtlich vorgeschriebenen psychologischen Eignungstests herausgefiltert werden. Jäger, die bei Stress ihren Finger zu schnell am Abzug haben, umgehen den Psycho-Test auch hier: bereits der Besitz einer gültigen Jagdkarte reicht zum Führen dieser Waffen aus, die Jägerschaft erspart sich für diese Waffen sogar den sonst obligatorischen Waffenpass.

"Dieser Systemfehler öffnet in der Praxis Unfällen dieser Art Tür und Tor. "Mit Schießübungen in den eigenen Reihen wird es der Jägerschaft nicht gelingen, alkoholisierte oder nervöse Jäger zu eliminieren" warnt Hölzl.

Aufgrund des von schießwütigen Jägern ausgehenden Gefährdungspotentials für Menschen und Tiere fordert der Österreichische Tierschutzverein

- die Festlegung einer Null-Promille-Grenze bei der Jagd in den einzelnen Jagdlandesgesetzen; ein Zuwiderhandeln muss den sofortigen Entzug der Jagdkarte zur Folge haben;

- die Gleichstellung von Jägern mit anderen Waffenbesitzern im WaffG. Somit die Einführung einer verpflichtenden psychologischen Verlässlichkeitsprüfung für Jagdanwärter und Jäger, die die psychologische Eignung offensichtlich nicht mehr besitzen.

- Regelmäßige Augenkontrolle bei Jägern ab einem Alter von 50 Jahren

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