• 18.01.2013, 09:00:33
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  • OTS0023 OTW0023

Wirtschaftliche Effekte von Freihandelsabkommen zwischen der EU und Kanada, den USA sowie Armenien, Moldau und Georgien

Wien (OTS) - Die FIW-Studie "Modeling the Effects of Free Trade
Agreements between the EU and Canada, USA and Moldova/Georgia/Armenia
on the Austrian Economy: Model Simulations for Trade Policy Analysis"
ist als kostenloser Download unter http://fiw.ac.at erschienen.

Eine Modellrechnung hat ergeben, dass bilaterale
Freihandelsabkommen zwischen der EU und Kanada und den USA sowie
zwischen der EU und Armenien, Georgien und Moldawien einen Anstieg
des österreichischen BIP von 2% bewirken könnten. Der größte Teil
davon (1,6%) ergibt sich aus einer Steigerung der Investitionen, die
ihrerseits auf einen Produktivitätsanstieg zurückzuführen sind. Dies
ist eine Konsequenz des Wegfalls nicht-tarifärer Handelshemmnisse.
Das sind die wichtigsten Ergebnisse einer Studie des Wiener Instituts
für Internationale Wirtschaftsvergleiche im Auftrag des
Bundesministeriums für Wirtschaft, Jugend und Familie.

Hintergrund

Die Europäische Union verhandelt derzeit über bilaterale
Handelsabkommen erstens mit Kanada und zweitens mit Armenien,
Georgien und Moldawien. Ein Abkommen mit Kanada würde bedeuten, dass
die EU mit zwei der drei Mitglieder des Nordamerikanischen
Freihandelsabkommens (NAFTA) ein Abkommen hätte. Mit den USA, der
dritten und tragenden Säule der NAFTA, gab es informelle Diskussionen
über ein mögliches Abkommen, formelle Verhandlungen sind jedoch nicht
geplant. Ein solches Abkommen hätte aber erhebliche Auswirkungen.

Exportstruktur

Der Großteil der österreichischen Exporte ist für den
EU-Binnenmarkt bestimmt: 68% der österreichischen Waren- und
Dienstleistungsexporte gehen in andere EU-Mitgliedstaaten. Allerdings
gehen bereits 7,1% der österreichischen Exporte in die USA.
Betrachtet man nur die Exporte außerhalb der EU so gehen 23% davon in
die USA; Kanada und die USA erhalten gemeinsam 25% der Exporte
außerhalb der EU und 7,8% der gesamten Exporte.

Zum Vergleich: 3,4% der österreichischen Waren- und
Dienstleistungsexporte entfallen auf Frankreich, 3,5% auf
Großbritannien, 7,5% auf Italien und 29,9% gehen nach Deutschland.
Das bedeutet, dass die NAFTA-Staaten in Summe eine größere Bedeutung
für Österreich haben als Frankreich und Großbritannien zusammen; nur
im Vergleich zu Deutschland fallen sie deutlich weniger ins Gewicht.
Für Deutschland ist die US-Wirtschaft ein vergleichbarer
Handelspartner wie Frankreich, Italien oder Großbritannien (auf sie
fallen zwischen 7% und 8,5% der deutschen Exporte) und doppelt so
wichtig wie China. Im Gegensatz dazu sind Armenien, Georgien und
Moldawien wesentlich kleinere Handelspartner - wenn auch politisch
bedeutende - und ein Freihandelsabkommen mit ihnen wird
wahrscheinlich keine großen Auswirkungen auf die österreichische
Wirtschaft haben.

Handelspolitische Maßnahmen

Die Reduktion nicht-tarifärer Handelshemmnisse ist einer der
Schwerpunkte aktueller handelspolitischer Verhandlungen. Das gilt
nicht nur für Abkommen der EU (z. B. die laufenden Verhandlungen
zwischen der EU und Kanada), sondern auch für die Verhandlungen rund
um die transpazifische Partnerschaft. In der Studie werden daher
nicht nur die Auswirkungen von Zollsenkungen analysiert, sondern auch
die Auswirkungen solcher Maßnahmen, die eine Reduktion
nicht-tarifärer Handelshemmnisse zum Ziel haben.

Geschätzte Effekte

Ein Abkommen zwischen der EU und den USA hätte aufgrund der
vergleichsweise großen Bedeutung der amerikanischen Wirtschaft die
größten Auswirkungen auf Österreich. Die Senkung nicht-tarifärer
Handelsbarrieren führt zu mehr Arbeitsproduktivität, höheren Löhnen
und einem Anstieg der Beschäftigung um 0,6% in Österreich. Der Grund
für den starken Anstieg der Arbeitsproduktivität (und somit der Löhne
und Beschäftigung) liegt in der Natur der nicht-tarifären
Handelsbarrieren. Firmen müssen sich dadurch auf höhere
regulatorische Anforderungen einstellen, was mehr Ressourcen
verbraucht und zu höheren Produktionskosten und somit höheren Preisen
führt. Etwa die Hälfte der Auswirkungen der nicht-tarifären Maßnahmen
auf Preise ist auf erhöhte Kosten zurückzuführen.
Insgesamt wirken sich die untersuchten Freihandelsabkommen positiv
aus. Gemeinsam umgesetzt würden sie zu einem Anstieg des
österreichischen BIP um 2% führen. Der größte Teil davon (1,6%)
ergibt sich aus einer Steigerung der Investitionen. Dies ist auf den
Anstieg der Produktivität zurückzuführen, vor allem wenn
nicht-tarifäre Maßnahmen auf Waren gesenkt werden.

Rückfragen bitte am Freitag, dem 18. Jänner 2013, zwischen 10
und 16 Uhr an

Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw)
   Prof. Joseph Francois, Tel. +43 676 716 4107
   E-Mail: [email protected] 

   Mag. Olga Pindyuk, Tel. +43 1 533 66 10-56
   E-Mail: [email protected]

   Der "Forschungsschwerpunkt Internationale Wirtschaft" (FIW) wird
im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend

(BMWFJ) im Rahmen der Internationalisierungsoffensive der
Bundesregierung von drei Instituten Österreichisches Institut für
Wirtschaftsforschung (WIFO), Wiener Institut für Internationale
Wirtschaftsvergleiche (wiiw), Wirtschafts- und
Sozialwissenschaftliches Rechenzentrum (WSR) betrieben. Er bietet
Zugang zu internationalen Außenwirtschafts-Datenbanken, eine
Forschungsplattform und Informationen zu außenwirtschaftsrelevanten
Themen.

Die FIW-Studien 2012/13 zeigen die Ergebnisse von den vier
Themenbereichen "Mikrodaten und Außenwirtschaft", "Modellierung der
Auswirkungen von EU-Freihandelsabkommen", "Die Wirtschaftskrise und
internationale Makroökonomie" und "Umwelt, Umwelttechnologie und
Außenwirtschaft", die im Rahmen des "Forschungsschwerpunkts
Internationale Wirtschaft" (FIW) Ende 2011 vom Bundesministerium für
Wirtschaft, Familie und Jugend (BMWFJ) ausgeschrieben und aus Mitteln
der Internationalisierungsoffensive finanziert wurden.

Für die Inhalte der Policy Briefs sind die Autorinnen und Autoren
verantwortlich.

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