• 16.12.2012, 21:00:32
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TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Rom gibt die Richtung vor", von Peter Nindler

Ausgabe vom 17. Dezember 2012

Utl.: Ausgabe vom 17. Dezember 2012 =

Innsbruck (OTS) - Die Ernennungen von drei Bischöfen in Österreich
sind mehr als nur personelle Entscheidungen. In Salzburg, Feldkirch
und Graz werden Weichenstellungen über den Kurs in der katholischen
Kirche in Österreich getroffen.

Es sind nicht nur Nachbesetzungen von drei Bischöfen, die schon
seit Monaten in Österreich anstehen, sondern personelle
Weichenstellungen nach innen und nach außen. Doch Rom lässt sich
Zeit, sehr viel Zeit: Die Diözesen Feldkirch und Salzburg warten
bereits mehr als ein Jahr bzw. sieben Monate auf einen neuen
Oberhirten. Der Grazer Bischof Egon Kapellari wurde vor zwei Jahren
verlängert, ein weiteres Mal wird dies nicht der Fall sein. Weil das
Verhältnis zwischen den "Römern" und dem heimischen Episkopat nicht
das Beste ist, muss vieles befürchtet werden, aber lässt sich
eigentlich nichts abschätzen.
Die innerkirchlichen Spannungen zwischen Bischofskonferenz und der
Pfarrerinitiative um Helmut Schüller haben Kardinal Christoph
Schönborn geschwächt. Nicht, weil die reformfreudigen Priester etwas
erreicht hätten, sondern weil sich der Konflikt nun schon über ein
Jahr hinzieht und Schüller sowie seine Getreuen ihren Ungehorsam
nicht zurückziehen. Selbst innerhalb der Bischöfe gibt es
unterschiedliche Strömungen und Positionen, wie intensiv der Dialog
mit der Pfarrerinitiative geführt werden soll. Das schafft
Verunsicherung, einen Zustand, den der Vatikan nicht akzeptieren
will. Schließlich sollen seine Steuermänner die Felsen in der
Brandung sein.
Mit den Bischofsernennungen könnte der Vatikan unwillkürlich eine
Schiedsrichterfunktion übernehmen. So wäre der Innsbrucker
Diözesanbischof Manfred Scheuer als neuer Erzbischof in der
zweitwichtigsten Diözese Salzburg beispielsweise ein Signal. Scheuer
steht für einen offenen Dialog, für eine nicht durch Scheuklappen
geprägte Auseinandersetzungen mit drängenden Fragen der Zeit: vom
Umgang der Kirchenspitze mit Sexualität bis zu Fragen der Seelsorge
und des Zölibats. Regionale diözesane Antworten auf diese globalen
Herausforderungen der katholischen Kirche lassen sich zwar nur schwer
geben, doch es kommt auf die Herangehensweise an.
Demgegenüber steht die befürchtete konservative Wende, wie sie mit
Hans Hermann Groer, Kurt Krenn, Klaus Küng oder Georg Eder schon
einmal Mitte der 1980er-Jahre in der österreichischen Kirche
vollzogen wurde. Salzburg, Feldkirch und Graz werden deshalb
äußerliche Zeichen für den Kurs in der katholischen Kirche sein:
intern wie extern. Bewahren oder Aufbruch, Dialog oder
Sprachlosigkeit, Offenheit oder Rückzug - für die Kirche und die
Gläubigen steht 2013 viel auf dem Spiel.

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