- 10.12.2012, 19:03:27
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DER STANDARD-Kommentar "Verzweifeln am ORF" von Harald Fidler
Bevor der Küniglberg von allen Gebühren fordert, muss er klären, wofür er da ist
Utl.: Bevor der Küniglberg von allen Gebühren fordert, muss er
klären, wofür er da ist =
Wien (OTS) - Wem da nicht Hören und Sehen vergeht, der zweifelt am
Verstand. Am eigenen oder dem des ORF. Das zeigt schon ein Detail.
Der Rechnungshof riet dem ORF etwa 2008, sein Gebäudemanagement
auszulagern und so 4,3 Millionen Euro zu sparen. Auch noch 2012
vermissen die Staatsprüfer die Ausgliederung._Der ORF entgegnet, er
habe da aber 1,35 Millionen über drei Jahre gespart.
Noch kein Grund zu zweifeln. Wären da nicht mehr als hundert freie
Programmmitarbeiter. Die meisten von ihnen produzieren jene
öffentlich-rechtlichen Programme, mit denen der ORF rund 600
Gebührenmillionen rechtfertigt.
500.000 Euro: So viel mehr soll ORF-General Alexander Wrabetz diesen
Mitarbeitern geboten haben, um ihre prekären Arbeitsverhältnisse zu
verbessern, zu normalisieren, ja menschenwürdig zu machen.
Zugleich aber kürzt der ORF Sendungsbudgets - und damit auch
Honorare. Das könnte auf 500.000 Euro weniger hinauslaufen. Wer von
Honoraren des ORF abhängt, zweifelt da nicht mehr. Der verzweifelt.
Oder eher: Die verzweifelt. Der Großteil der prekär bezahlten Freien
im ORF sind Frauen.
Rechnete der Rechnungshof richtig, könnte der ORF allein 860.000 Euro
pro Jahr einsparen, indem er seine Gebäudemanager auslagert.
Freie Mitarbeiter produzieren mehr als die Hälfte des Ö1-Programms
zumindest mit. In den TV-Kulturmagazinen sorgen sie für ein Drittel
der Beiträge. Diese Kernaufgaben eines öffentlich-rechtlichen Senders
wirken vor einem Panorama aus US-Serien und -Filmen, Massensport,
Shows und Dokusoaps nach meist privaten Vorbildern oft wie
Feigenblätter.
30 der 600 Gebührenmillionen fürchtet der ORF nun zu verlieren: Laut
Gesetz muss ihm die Republik nur bis 2013 einen Teil der
Gebührenbefreiungen abgelten. Also droht der ORF wie alle paar Jahre,
etwa wenn er höhere Gebühren will, mit Kürzungen. Die APA schreibt
auf der Basis der ORF-Finanzvorschau, ohne weitere Abgeltung "müsste
der Sender wohl auf den Kernauftrag fokussieren" und
"Zusatzverpflichtungen überprüfen".
Geld für österreichische Produktionen meint der ORF da; für
Produzenten, die stets laut für ihre Überweisungen eintreten.
Untertitel und Audiokommentare, weil Behindertenverbände ebenso laut
protestieren. Und er droht zu Sparen an ORF 3 - wo der Sender Info
und Kultur lieber pflegt als in Hauptprogrammen. Nur: Information und
Kultur, österreichische Produktion und Service für Hör- wie
Sehbehinderte sind keine Zusatzverpflichtungen. Das ist ein
Kernauftrag.
Der ORF aber "fokussiert" 2013 mehr als 30 Millionen auf Massensport:
Olympische Winterspiele, Fußball-WM, vielleicht kann man die
österreichische Bundesliga dazuzählen. All das zeigen auch
Privatsender gerne, ganz ohne Gebühren.
Gleich nach der Gebührenabgeltung wünscht sich der ORF eine
Haushaltsabgabe wie in Deutschland und der Schweiz: Jeder Haushalt
muss für die öffentliche Aufgabe Rundfunk zahlen, ob er ihn empfangen
kann oder nicht. Eine gute Gelegenheit, die öffentliche Aufgabe vom
vagen "Information, Kultur, Unterhaltung, Sport" zu fokussieren. Und
eine Gelegenheit für den ORF, sich zu überlegen, ob Verwaltung und
Technik seine Existenz rechtfertigen oder doch vor allem Programm,
das sich klar von Privaten unterscheidet.
Damit der Verstand gleich erkennt, wofür es diesen ORF gibt.
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