- 06.12.2012, 21:27:20
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Hinein in die Tiroler Rettungssackgasse
Innsbruck (OTS/TT) - Von Peter Nindler
Untertitel: Das Rettungswesen in Tirol funktioniert, allerdings haben
sich die Rot-Kreuz-Organisationen nicht mit
den neuen Strukturen abgefunden. Dass sich das Land bei den Kosten
verspekuliert hat, wirkt ebenfalls nach.
Text: Die neue Rettungsgesellschaft befindet sich in einer
Zwickmühle. Aus dieser Rettungssackgasse kommt sie derzeit offenbar
nicht heraus. Zum einen wirken die zu optimistischen Kostenannahmen
bei der Ausschreibung weiter nach. Das Land war zwar im Sommer
gezwungen, die viel diskutierte und jetzt vom dänischen
Rettungskonzern Falck angefochtene Leistungsadaptierung von 4,8
Millionen Euro jährlich vorzunehmen, doch auch die Rettung selbst
muss eine Million einsparen: um den Finanzkollaps abzuwenden und ohne
Qualität dabei einzubüßen. Trotz guten Willens geht dieser
finanzielle Spagat nicht spurlos an den gewachsenen Strukturen, am
Personal und an der Rettungsflotte vorbei.
Auf der anderen Seite stehen mit den mächtigen
Rot-Kreuz-Bezirksstellen die Eigentümerinnen der
Rettungsgesellschaft. Von Anfang an haben sie die Rettungsreform
kritisch begleitet. Schließlich verlieren die Bezirke Einfluss, soll
doch durch eine zentrale Koordination die Rettungskette
(kosten-)effizienter funktionieren. Allerdings hängt die Reform
letztlich vom Gestaltungswillen der Regionalstellen ab. Sie sind die
Basis des Roten Kreuzes in Tirol, der Landesverband ist lediglich
sein institutionelles Gesicht nach außen. Und die Bezirke verfügen
über Geld und Eigenkapital von rund 22 Millionen Euro.
Die neue Rettungsorganisation empfinden sie nach wie vor als ein vom
Land aufgesetztes Konstrukt, das ihre Kreise stört, das sie ablehnen
und für das sie nicht länger ihr Geld aufs Spiel setzen wollen. Mit
der Ablehnung des Budgets 2013 ließen sie ihre Muskeln spielen. Das
war kein Kraftakt, sondern ihr Aufstand hat Symbolkraft. Nicht mehr
das Tauziehen zwischen dem Roten Kreuz und dem Land Tirol steht im
Vordergrund, sondern das Kräftemessen hat sich nach innen verlagert.
Es gibt Einsparungspotenziale von rund drei Mio. Euro. Das hat der
Wirtschaftsprüfer des Landes festgestellt. Was ist mit den
Verwaltungsstrukturen und Immobilienkosten? Wie können die
Rettungsfahrzeuge effizienter eingesetzt werden? Was ist mit dem
Vermögen, das trotz öffentlicher Förderungen in Privatstiftungen
ausgelagert wurde? Mit der umstrittenen Rettungsausschreibung hat das
Land sicher Fehler gemacht, Tausende ehrenamtliche
Rot-Kreuz-Mitarbeiter vor den Kopf gestoßen, aber gleichzeitig einen
notwendigen Reformprozess ausgelöst.
Fehlerfrei ist die Rettung auch nicht. Wird das nicht bald
eingesehen, bleibt sie weiter in der Rettungssackgasse stecken.
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