Früher, schneller, jenseits... Das Fünf-Punkte-Programm von Frau Inneminister Mikl-Leitner

Stellungnahme der Österreichischen Gesellschaft für arzneimittelgestützte Behandlung von Suchtkrankheit (ÖGABS)

Wien (OTS) -

Diese Meldung wurde korrigiert Neufassung in Meldung OTS0067 vom 19.11

Gemäß der WHO Verfassung bildet das Recht auf den
bestmöglichen Gesundheitszustand ein Grundrecht jedes menschlichen Wesens.

Dieses Recht wird verletzt, wenn Innenministerin Johanna Mikl-Leitner in ihrer Anti-Drogenstrategie fordert: "Weg von den Drogenersatzstoffen" bzw. "Oberstes Ziel muss es daher sein: weg von der Substitutionsbehandlung...".

Schon die WHO-Empfehlungen von 2009 benennen die Substitutionsbehandlung als die "effektivste Behandlungsform bei Opiatabhängigkeit". "Verglichen mit der Entzugsbehandlung oder gar keiner Behandlung reduziert die Methadon-Behandlung signifikant den Konsum von Opiaten und anderen Drogen, die kriminelle Aktivität, die HIV-Ansteckungsrate, die Überdosierungsrate und die Gesamtsterblichkeit", heißt es unter anderem in diesem Bericht.

Als Fachgesellschaft, die sich um Qualitätsstandards in der Substitutionsbehandlung bemüht, widersprechen wir den Aussagen der Bundesministerin entschieden!

Drogenkonsum ist ein komplexes Phänomen mit psychischen, körperlichen und sozialen Komponenten. Antworten auf Fragen zum Umgang mit diesem Phänomen müssen differenziert und vielschichtig sein. Eine solche Sichtweise spiegelt sich in allen modernen politischen Konzepten wieder. Die von Frau Mikl-Leitner genannten Bereiche "Repression" und "Prävention" haben neben "Behandlung" und "Reintegration" seit langem einen fixen Platz in solchen Konzepten und wir warnen davor, auf eine eindimensionale repressive Sichtweise zurückzufallen.

Die medizinische Behandlung opiatabhängiger Menschen in einem Substitutionsprogramm - wie sie auch in Österreich durchgeführt wird - entspricht internationalen Standards. Die Substitutionsbehandlung ist eine seit vielen Jahren erprobte, wissenschaftlich sehr gut belegte Behandlungsform und gilt als Therapie der Wahl bei Opiatabhängigkeit.

Sucht ist eine schwere, zumeist chronisch verlaufende Erkrankung, die mit einer hohen Sterblichkeitsrate verbunden ist. Wie bei anderen chronischen Erkrankungen, z.B. Zuckerkrankheit oder Bluthochdruck, ist eine dauerhafte Heilung in den meisten Fällen nicht möglich. Die Behandlung dieser Erkrankung soll daher langfristig und dem Verlauf der Erkrankung angepasst erfolgen, bis hin zu einer lebenslangen Therapie . Dabei kann nachweislich das Risiko körperlicher, psychischer und sozialer Folgeschäden reduziert, die soziale Integration gefördert und die hohe Sterblichkeit gesenkt werden. So ist das Risiko von Opiatabhängigen an den Folgen ihrer Suchterkrankung zu versterben in einem Substitutionsprogramm um ein Drittel(!) niedriger als bei unbehandelten Patienten.

Auch der eben veröffentlichte Drogenbericht der europäischen Drogenbeobachtungsstelle EBDD hebt den positiven Einfluss der Substitutionstherapie auf die Abnahme von Todesfällen im Zusammenhang mit dem Gebrauch von illegalen Drogen hervor. (EBDD, 15.11.2012)

Die Forderung der Frau Bundesministerin nach einer Abkehr von der Substitutionsbehandlung ist daher entschieden abzulehnen. Sie ist fachlich unbegründet und stellt eine Einmischung in medizinische Standards dar, die unzulässig ist und in anderen Bereichen der Medizin unvorstellbar wäre. Zumindest bislang noch nicht - aber vielleicht überrascht ja die Frau Minister demnächst mit der Forderung "Weg von

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1. Vorsitzender, ÖGABS

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