- 06.11.2012, 11:38:20
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Vor gemeinsamer Enquete von Jugendvertretung und Seniorenrat: "Gleiche Chancen für Alt und Jung?"
Zauner, Khol, Moitzi und Blecha zum Thema Generationengerechtigkeit im Spannungsfeld der Verteilung von Chancen
Utl.: Zauner, Khol, Moitzi und Blecha zum Thema
Generationengerechtigkeit im Spannungsfeld der Verteilung von
Chancen=
Wien (OTS) - Für heute Nachmittag laden die Präsidentin des
Nationalrates Mag.a Barbara Prammer, die Bundesjugendvertretung und
der Österreichische Seniorenrat gemeinsam zur Enquete zum Thema
"Gleiche Chancen für Alt und Jung?" ins Palais Epstein ein. Die
Veranstaltung widmet sich dem Thema Generationengerechtigkeit aus dem
Blickwinkel der Verteilung von Chancen und soll zu einem Austausch
unterschiedlicher Generationen führen.
Nach der Begrüßung durch die Präsidentin des Nationalrates werden
in einleitenden Referaten die Bundesminister Dr. Reinhold
Mitterlehner sowie die Vorsitzende der Bundesjugendvertretung Johanna
Zauner und Seniorenrats-Präsident Dr. Andreas Khol zu Wort kommen.
Bei Diskussionen in Arbeitskreisen werden gemeinsame Anliegen im
Sinne des heurigen Europäischen Jahres für Aktives Altern und
Solidarität zwischen den Generationen thematisiert werden. Die
Ergebnisse der Arbeitsgruppen werden anschließend im Plenum
diskutiert. Zum Abschluss der Veranstaltung liefert Bundesminister
Rudolf Hundstorfer, BJV-Vorsitzende Johanna Zauner und
Seniorenrats-Präsident Karl Blecha ein Resümee und Ausblick zum
Thema.
Seniorenrat und Bundesjugendvertretung sind gesetzlich
anerkannte Sozialpartner
Der Österreichische Seniorenrat und die Bundesjugendvertretung
sind in den Angelegenheiten, welche die Interessen der jeweiligen
Generation berühren können, den gesetzlichen Interessenvertretungen
der Dienstnehmer, der Wirtschaftstreibenden und der Landwirte
gesetzlich gleichgestellt. Die Erfolgsgeschichte der
Sozialpartnerschaft in Österreich kann nur unter voller Einbindung
der älteren sowie der jüngeren Generation ihre Fortsetzung finden.
Österreich und Europa stehen vor großen Herausforderungen und wer bei
der Gestaltung der anstehenden Maßnahmen Junge und Alte nicht mit am
Verhandlungstisch sitzen hat, begeht einen schwerwiegenden Fehler.
Nur durch gleichberechtigte Partizipation können die Interessen
unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen wahrgenommen werden, hier darf
keine Generation ausgegrenzt werden!
Die gemeinsame Veranstaltung zum Abschluss des heurigen
Europäischen Jahres soll einmal mehr auf die Bedeutung der
Generationenbeziehungen für unsere Gesellschaft aufmerksam machen.
Die Enquete ist aber auch ein Aufruf dafür, den Generationendialog
als permanenten Prozess zu verstehen, sowohl auf institutioneller
Ebene zwischen Jugend- und Seniorenvertretung als auch in der
Tagespolitik. Die Solidarität zwischen der jüngeren und der älteren
Generation wird durch gegenseitige Unterstützung laufend verstärkt
und ist so zu einem stabilen Element des sozialen Friedens und des
Zusammenhalts geworden.
Vertrauen in das Pensionssystem herstellen!
Die Mehrheit der Jungen und Älteren lässt sich trotz permanenter
Infragestellung des Generationenvertrages nicht auseinander
dividieren. Fest steht, dass es unter jungen Menschen sehr viele
Ängste bezüglich ihrer zukünftigen Absicherung gibt, die zum Teil
auch bewusst geschürt werden. Der Vorwand der Unfinanzierbarkeit des
umlagefinanzierte Pensionssystems wird jedoch oft aus rein
privatwirtschaftlichen Interessen bestimmter Gruppierungen ins
Treffen geführt.
Es braucht jetzt dringend Maßnahmen, um bei Jugendlichen wieder
Vertrauen in das Pensionssystem herzustellen.
Bundesjugendvertretung und Seniorenrat stellen klar: das
gesetzliche Pensionssystem ist sozial gerecht und finanzierbar sowie
den kapitalgedeckten Zusatzpensionen und Pensionskassen überlegen.
Dies funktioniert aber nur, wenn regelmäßige Anpassungen und Reformen
zur langfristigen Aufrechterhaltung durchgeführt werden. Pensionen
verstärkt vom Kapitalmarkt abhängig zu machen und damit die
finanzielle Zukunft in die Hände von Spekulanten zu legen, führt aber
in Krisenzeiten zu einem bösen Erwachen.
Der Bundesbeitrag ist als Teil der gesellschaftlichen Solidarität
ein Pfeiler der Finanzierung des Systems. Ohne Bundesbeitrag kann die
gesetzliche Pensionsversicherung ihre umfangreichen Aufgaben trotz
einschneidender Reformen nicht erfüllen.
Die Jungen leisten heute und in Zukunft ihre Beiträge für die
Finanzierung des bestehenden umlagefinanzierten Systems. Bei einem
Abgehen von diesem Prinzip müssen diese zusätzlich noch ihre eigene
Altersversorgung zur Gänze selbst "erarbeiten", ohne dann einen
Beitrag aus Steuermittel erwarten zu können, wenn sie in Pension
sind. Ein Bruch des Generationenvertrages ist ein Betrug an der
Jugend und besonders verwerflich, da diese doppelt zur Kasse gebeten
werden.
Hinsichtlich der jüngst verbreiteten irreführenden Zahlen über die
Höhe des Beitrages des Bundes ist eine objektive Betrachtung
notwendig, erklären die Seniorenvertreter: Der Staatszuschuss zu den
Pensionen ist nicht der Ausgleich eines Defizits der
Pensionsversicherung. Denn unser Pensionssystem beruht grundsätzlich
auf Beiträgen der Arbeitnehmer, der Dienstgeber und des Staates.
Politisch gewollte Ersatzleistungen des Staates, also Kosten für
Ausgleichszulage (Armutsbekämpfung), den Ersatz für Kinderziehungs-,
Wehr- und Zivildienst sowie Arbeitslosenzeiten (in Summe 1,8
Milliarden Euro), erfüllen gesellschaftliche Interessen.
Notwendige Reformen: Erwebsquoten, Antrittsalter,
Invaliditätsrate
Die Schwächen unseres Pensionssystems sind bekannt, in erster
Linie ist es das zu niedrige faktische Pensionsantrittsalter und in
zweiter Linie die hohe Invaliditätsrate. Zur Korrektur dieser
Schwächen bedarf es aber keiner Systemverwerfung. Maßnahmen, die
Erwerbsbeteiligung älterer Personen zu erhöhen, die Gesundheit im
Arbeitsleben zu erhalten und Invalidität zu verringern, werden
bereits umgesetzt und müssen weiter ausgebaut werden. Aber auch durch
geänderte Wegfall- bzw. Ruhensbestimmungen sowie durch das Auslaufen
von Frühpensionsmöglichkeiten und Sonderpensionsrechten könnten die
Anteile älterer Arbeitnehmer noch steigen, wenn es dafür adäquate
Jobs gibt, sind sich Jugend- und Seniorenvertreter einig.
Zur langfristigen Sicherstellung der Pensionen ist somit allem
voran der Erhalt einer hohen Beschäftigungsquote wichtig. Der
Entwicklung des Arbeitsmarktes ist daher besonderes Augenmerk zu
schenken. Eine Erhöhung der Beschäftigungsquote bei Älteren muss
mittels Prävention und einem Bonus-Malus-System, welches auch die
Unternehmen einschließt, erreicht werden.
Die Bundesjugendvertretung weist vor allem auf notwendige
Maßnahmen gegen Jugendarbeitslosigkeit und prekäre
Beschäftigungsverhältnisse hin. Die massive Ausweitung dieser
schlecht abgesicherten Jobs hat nicht nur für junge Menschen selbst
negative Folgen, sie wirken sich auch auf das gesamte Pensionssystem
aus, dem hier viele Beiträge vorbehalten bleiben.
Ein weiterer notwendiger Schritt ist die Abflachung der
Lebensverdienstkurve, die derzeit vor allem zulasten junger
BerufseinsteigerInnen geht. Auch die weiterhin klaffende Lohnschere
zwischen Frauen und Männern muss endlich geschlossen werden. Frauen
zahlen dadurch doppelt drauf: durch geringeres Einkommen und später
niedrige Pensionen.
Dass ältere Arbeitnehmer den Jüngeren die Arbeitsplätze wegnehmen,
ist ebenso ein Ammenmärchen wie Aussagen über das hohe
Einkommensniveau von Pensionisten, erklären die Seniorenvertreter:
Schon derzeit liegen 1,2 Millionen der insgesamt 2,2 Millionen
Pensionen in Österreich unter 1000 Euro.
Abschließend betonen Jugend- und Seniorenvertreter, dass ein
Auseinanderdividieren der Generationen keine Probleme löst, sondern
die Herausforderungen zur langfristigen Absicherung unseres
Sozialsystems nur im Sinne der Generationensolidarität bewältigt
werden können.
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