• 09.09.2012, 18:08:12
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Päpstliche Mission in ein Minenfeld" (von Stefan Winkler)

Ausgabe vom 10.09.2012

Utl.: Ausgabe vom 10.09.2012=

Graz (OTS) - Als der Papst vor drei Jahren zum ersten Mal in den
Nahen Osten aufbrach, war diese Reise nach Jordanien, Israel und in
die palästinensischen Gebiete mit Erwartungen befrachtet, die am Ende
nahezu zwingend unerfüllt bleiben mussten.

Die einen hätten sich von Benedikt XVI. eine Entschuldigung für den
Holocaust erwartet, so als ob die Kirche diesen begangen hätte. Die
anderen kreideten dem Oberhaupt der katholischen Kirche an, es habe
zu wenig klare Worte des Bedauerns für seine Regensburger Rede
gefunden, mit denen es im zweiten Jahr seines Pontifikats weltweit
die Muslime gegen sich aufgebracht hatte.

Diese Woche fährt der Papst wieder in den Nahen Osten. Seine 24.
Auslandsreise führt ihn in den Libanon. Doch anders als beim letzten
Mal kommt niemand auf die Idee, der Mann im weißen Gewand könnte
etwas bewirken auf seiner Mission in eine Region, die wie keine
zweite ein politisches und religiöses Minenfeld ist.

Nach einem Jahr Arabellion ist aus dem Arabischen Frühling Winter
geworden. Die Umbrüche haben die Realitäten von Grund auf verändert.
Israel ist ins Abseits geraten und rüstet für einen präventiven
Angriff auf die iranischen Atomanlagen und den dann wahrscheinlichen
Vergeltungsschlag. In Syrien tobt ein grausamer Bürgerkrieg, dessen
Sog nun auch den Libanon erfasst hat. Kämpfe zwischen Alawiten und
Sunniten, zwischen Unterstützern und Gegnern des syrischen Regimes,
haben im Norden des Landes zahlreiche Todesopfer und Verletzte
gefordert. Nur mit Mühe gelang es der libanesischen Armee der Milizen
Herr zu werden.

Winter herrscht vor allem aber auch für die Christen des Orients, für
die die politischen Umwälzungen statt mehr Demokratie nur noch
schlimmere Verfolgung durch islamistische Fanatiker gebracht haben.

Mit seiner Reise in den multireligiösen Libanon, in dem sie eine zwei
Jahrtausende alte Tradition haben und noch immer zwischen 35 und 40
Prozent der Bevölkerung stellen, will der Papst seinen drangsalierten
Glaubensbrüdern zeigen, dass er in dieser Zeit historischer Umbrüche
für sie da ist.

Er wird das tun ohne ergreifende Zurschaustellung von Gefühlen und
ohne große symbolische Gesten, wie sie sein Vorgänger Johannes Paul
II. so gut beherrschte. Sondern Benedikt XVI. wird zum Dialog
zwischen den Religionen aufrufen zu Aussöhnung und Frieden.

Das mag vielen zu wenig spektakulär sein. Aber es ist eine Stimme der
Vernunft im Feuerofen des Hasses. Und die verdient es, gehört zu
werden.****

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