- 04.09.2012, 15:17:20
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20 Jahr Kinderrechte in Österreich
Gewalt an Kindern und Jugendlichen bleibt Alltagsrealität
Utl.: Gewalt an Kindern und Jugendlichen bleibt Alltagsrealität=
Wien (OTS) - Am 5. September 1992 trat die UN-Kinderrechtskonvention
in Österreich in Kraft. Seit 20 Jahren sind Kinderrechte Teil der
österreichischen Rechtsordnung, ursprünglich auf Stufe eines
einfachen Bundesgesetzes, seit 16. Februar 2011 auch zum Teil in der
Verfassung. Das Netzwerk Kinderrechte Österreich -
www.kinderhabenrechte.at - hat vier ExpertInnen aus dem Kreis seiner
36 Mitgliedsorganisationen die Frage gestellt, was sich in "20
Jahren Kinderrechte in Österreich" aus ihrer Sicht für Kinder und
Jugendliche geändert hat:
Mag. Christine Winkler-Kirchberger, Kinder- und
Jugendanwältin Oberösterreich
"Gewalt an Kindern und Jugendlichen ist auch nach 20 Jahren
Kinderrechten leider Alltagsrealität. Kinderschutz- und
Opferschutzgesetze haben sich zwar gut entwickelt in Österreich, im
tatsächlichen Leben der Kinder und Jugendlichen sind sie aber noch
nicht angekommen. Auch bemerken wir bedenkliche Tendenzen, dass
Gewalt wieder verharmlost oder als legitimes Erziehungsmittel
verteidigt wird. Umso wichtiger ist es in einer Zeit, wo
Orientierungsmuster fehlen und die Anforderungen immer größer
werden, Eltern zu stärken, ihre Verantwortung in der Erziehung
wahrnehmen zu können, ohne Gewalt und mit Respekt."
Mag. Helmut Sax, Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte
"Die Verankerung der Kinderrechte in der Verfassung im Jahr 2011
war zweifellos ein bemerkenswerter Schritt. Allerdings hat es 18
Jahre gedauert, seit einer ersten entsprechenden Entschließung des
Nationalrats aus dem Jahr 1994. Und leider setzt das
"Bundesverfassungsgesetz über den Schutz der Rechte des Kindes"
weder die Kinderrechtskonvention vollinhaltlich um, noch wird sein
Potential in der Rechtsanwendung - in Gesetzgebung, Verwaltung,
Justiz - genutzt."
Mag. Daniela Gruber-Pruner, Österreichische Kinderfreunde
"Es ist gut, dass es die Kinderrechte bei uns gibt. Mitbestimmung
ist keine Worthülse mehr, es finden vielmehr dank engagierter
PädagogInnen eine Menge Projekte im schulischen als auch im
außerschulischen Bereich statt, in denen mit Kindern gemeinsam
geplant, entwickelt und Veränderungen erreicht werden. Nur ein
Beispiel von vielen ist eine von Kindern, Eltern und
LokalpolitikerInnen erarbeitete Verkehrsberuhigung rund um einen
Kindergarten in Tirol. Im Idealfall erfahren sich Kinder und
Jugendliche dadurch als ernstgenommen und lernen, dass es etwas
bringt, selbst aktiv zu engagieren."
Mag. Bernhard Seidler, Kinderbüro - Die Lobby für Menschen
bis 14
"Die Kinderrechte sind mit Sicherheit die Basis dafür, dass es in
den letzten Jahren gelungen ist, Kinder als zukünftige NutzerInnen
bei Planungs- und Gestaltungsmaßnahmen wie zum Beispiel Spielplätzen
miteinzubeziehen. Insgesamt ist das Bewusstsein für
kinderfreundliche Maßnahmen als Querschnittsaufgabe gestiegen.
Kinderbedürfnisse spielen in vielen Bereichen des öffentlichen
Lebens zunehmend eine wichtige Rolle: Mobilität, Freizeit, Kultur,
Bildung ... Aus meiner Sicht brauchen wir jedoch weitere 20 Jahre,
damit Kinder als selbstständige und gleichberechtigte PartnerInnen
in der Zusammenarbeit gesehen werden."
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