Motorradsicherheit: Schönwetter ist gefährlich!
Nicht Regen, Nebel oder Sturm, sondern "Schönwetter am Wochenende" ist die gefährlichste Situation für Motorradfahrer!
Wien (OTS) - Die Zahl der Schönwetter-Wochenenden zwischen April
und Oktober hat sehr großen Einfluss auf die Zweirad-Unfallbilanz.
Das ist nicht weiter verwunderlich, da einerseits bei Schönwetter
natürlich viel mehr Motorradfahrer unterwegs sind und andererseits
ein herrlicher Sonnentag auch Lebensfreude, Unternehmungslust und
Euphorie auslöst und damit oftmals Risiken vergessen lässt. In den
beiden vergangenen Jahren gab es ungewöhnlich viele
Schlechtwetter-Wochenenden und damit rund 20% weniger schwere
Motorradunfälle (jeweils 68 Todesopfer) als im langjährigen
Durchschnitt. Ein Teil des Unfallrückganges kann natürlich auch mit
verschiedenen Sicherheitsmaßnahmen und (hoffentlich) einem Trend zu
einer risikobewussteren Fahrweise im Zusammenhang stehen.
Unfallforscher sehen Wochenenden mit prognostiziertem Schönwetter
jedenfalls mit ungutem Gefühl entgegen.
Wichtige Sofortmaßnahmen zur Unfallvermeidung:
- Sensibilisierung der Motorradfahrer für die wichtigsten Unfallursachen und -situationen, in denen besondere Vorsicht geboten ist. Besonders gefährlich für Motorradfahrer sind Kurven, insbesondere Linkskurven ("Abkommen von der Fahrbahn nach rechts in Linkskurven" ist der häufigste Motorrad-Unfalltyp), Überholsituationen und Kreuzungen, wobei linksabbiegende Autolenker oft entgegenkommende Motorräder übersehen.
- Schärfung des Bewusstseins, dass man als Motorradfahrer von Autofahrern leicht übersehen wird. Als Motorrad- und auch als Radfahrer darf man sich nie darauf verlassen, von Autofahrern rechtzeitig wahrgenommen zu werden.
- Bewusstseinsbildung bei Autofahrern für mehr Augenmerk und Rücksicht auf Zweiräder. Telefonierende Autofahrer können Zweiräder praktisch gar nicht mehr wahrnehmen und sind daher eine besonders große Gefahr. Wirksame Maßnahmen gegen "Handy am Steuer" und natürlich auch gegen "Alkohol am Steuer" sind zum Schutz der schwächeren Verkehrsteilnehmer besonders wichtig.
- Entschärfung von Gefahrenstellen und Ausstattung von Kurven- Leitschienen mit einem Unterfahrschutz, der die Motorrad- und auch Radfahrer vor den scharfkantigen Leitschienenstehern schützt. Kurven mit gefährlichen Leitschienen sollten von Motorradfahrern mit großer Sicherheitsreserve durchfahren werden.
- Die bei vielen Bikern zwar nicht sonderlich beliebten Schwerpunktaktionen der Exekutive oder anderer Sicherheitsinstitutionen an Schönwetter-Wochenenden auf beliebten Motorradstrecken haben wahrscheinlich eine unmittelbar unfallsenkende Wirkung. Es geht dabei nicht um strenge Kontrollen oder gar "Schikanen", sondern um die Präsenz und um eine bewusstseinsbildende Wirkung. Da die Zahl der Schönwetter- Wochenenden überschaubar ist, hält sich der Aufwand in Grenzen.
- Eine Kampagne zur Auffrischung der Motivation zum Tragen guter Schutzkleidung wäre empfehlenswert. Zwar ist der Sturzhelm bei Motorradfahrern selbstverständlich, bei der restlichen Bekleidung werden viele aber zunehmend nachlässig.
Mag. Michael Praschl
Motiv- & Mobilitätsforschung
praschl@aon.at
Tel.: 01 494 80 60














