• 11.04.2012, 16:05:55
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Sauer: Skandalöse und unmenschliche Abschiebepraxis

Superintendent und Diakonie kritisieren Umgang mit tschetschenischer Familie

Klagenfurt (OTS/epdÖ) - "Tief erschüttert und mit Entsetzen habe
ich gestern die dramatische Abschiebung der Familie G. mitverfolgt",
erklärt der evangelisch-lutherische Superintendent von Kärnten und
Ost-Tirol, Manfred Sauer gegenüber dem Evangelischen Pressedienst.
Ein Familienvater aus Tschetschenien hat sich am Dienstagvormittag im
Gebäude der Bezirkshauptmannschaft Villach selbst mit einem Messer am
linken Unterarm verletzt. Er sollte am selben Tag mit seiner Frau und
den vier Kindern nach Wien zur Abschiebung gebracht werden. In der
Zwischenzeit befindet sich die Frau und die Kinder im
Familienabschiebezentrum in der Bundeshauptstadt, der Vater soll laut
Bezirkshauptmannschaft "nach erfolgter Behandlung im LKH Villach"
folgen.

"Nach allem, was gestern passiert ist, bin ich, offen gestanden,
geschockt und entsetzt, wie rücksichtslos und unbarmherzig die
zuständigen Behörden vorgegangen sind und 'ihre Pflicht' getan
haben", so Sauer weiter. Er sei beeindruckt, wie sehr sich die
Familie in Österreich integriert habe und berührend, wie besorgt und
liebevoll die Eltern mit ihren Kindern umgehen würden, erzählt der
Superintendent. Vor wenigen Tagen habe alles noch "sehr
verheißungsvoll" ausgesehen. So sei es gelungen, Paten für die
Familie zu gewinnen und eine Wohnung in Villach anzumieten.
"Trotz der scheinbaren momentanen Aussichtslosigkeit, verbunden mit
der Auskunft sämtlicher Verantwortlicher, dass man da nichts mehr
machen könne, sollten alle, die nach wie vor nicht bereit sind, sich
mit einer derartig unmenschlichen Abschiebepraxis abzufinden, ein
sichtbares Zeichen des Protestes und Widerstandes setzen", fordert
Sauer.

Auch die Diakonie und der Verein Aspis, der in Kärnten Flüchtlinge
betreut, schlagen Alarm. "Alles spricht dafür, dass dieser Familie
ein humanitäres Aufenthaltsrecht eingeräumt werden muss. Denn die
Frage kann nun nicht mehr sein, ob die Familie alle Gründe für Asyl
erfüllen kann, sondern eher, ob die Familie im Falle ihrer
erzwungenen Rückkehr nach Tschetschenien ein Leben in Würde und
Sicherheit erwartet. Wenn es daran nur den geringsten Zweifel gibt,
hat die Republik die humanitäre Verantwortung, Familie G. eine
sichere Zukunft in Österreich zu ermöglichen ", so Christoph Riedl,
Leiter des Diakonie Flüchtlingsdienstes.

Rückfragehinweis:
epdÖ
Dr. Thomas Dasek
Tel.: (01) 712 54 61 DW 12
mailto:[email protected]
http://www.evang.at

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