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OTS0017   3. Apr. 2012, 09:00

Offener Brief an die profil-Chefredaktion

Reaktion vom Frauennetzwerk Medien zur aktuellen Coverstory


Sehr geehrter Herr Dr. Rainer, sehr geehrte Herren
Bauer und Treichler!

So listig sich die Autoren von "Mit List und Lücke" bemühen, die
"bereinigte" Lohnlücke klein zu schreiben, so ist doch festzuhalten:

- 12 bis 18 Prozent Einkommensunterschied sind in Österreich - man
kann es drehen und wenden, wie man will - nicht "ähnlich viel",
sondern eine zweistellige Differenz, die Frauen 14 Mal im Jahr zu
spüren bekommen. Das bedeutet bei einem Durchschnittseinkommen von
rund 2.000 Euro im Monat immerhin 4.200 Euro jedes Jahr weniger. Bei
Ihren Einkommenskategorien, meine Herren, beträgt der Gender Gap im
Jahr bereits den Wert eines Kleinwagens. Würden Sie, die Sie diese
Differenz als "Mythos" bezeichnen, auf so viel Geld verzichten: nur
auf Grund Ihres Geschlechts?

- Die als Beleg hier mehrfach zitierten Einkommensberichte von 180
(Groß-)Betrieben beziehen sich in Wirklichkeit auf einen kleinen
Ausschnitt der österreichischen Unternehmen. In ihnen arbeitet
maximal ein Drittel der Beschäftigten.

- Sie zitierten elf Betriebsratsvorsitzende und Personalchefs,
darunter zwei Frauen. Unsere Befragung von Betriebsrätinnen ergab,
dass in ein und derselben Gehaltsgruppe Männer und Frauen gleiche
Grundgehälter haben, jedoch wesentlich mehr Männer
Mehrdienstpauschalen erhalten, die dann auch noch signifikant höher
sind als die der Frauen.

Mit vollen Hosen ist leicht stinken. Wenn man ohnehin mehr hat,
ist es billig, sich auf Kosten derer zu produzieren, die nach wie vor
benachteiligt sind.

Mit freundlichen Grüßen,
Karin Strobl, Vorsitzende, für das Frauennetzwerk Medien

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0017 2012-04-03 09:00 030900 Apr 12 NEF0003 0255



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Rückfragehinweis: Frauennetzwerk Medien
Karin Strobl
office@frauennetzwerk.at
Mobil: 0699/11966340

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