- 28.03.2012, 18:15:34
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Bei der AUA sind gefährliche Spiele im Gang - von Günter Fritz
Die rot-weiß-rote Heckflosse ist nett, aber wer braucht sie wirklich?
Wien (OTS) - Die jüngste Eskalation im Streit um einen neuen und
günstigeren Kollektivvertrag bei der AUA ist bedenklich - vor allem,
weil offenbar noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist.
AUA-CEO Jaan Albrecht sieht den Betriebsübergang der AUA-Piloten und
-Flugbegleiter auf den günstigeren Tyrolean-KV als einzige
Möglichkeit, die defizitäre Airline angesichts des scharfen
Wettbewerbs in der Branche wieder in die schwarzen Zahlen zu
bekommen. Obwohl die Gewerkschaft den KV der Tiroler Tochter
einseitig gekündigt hat, um den kostensenkenden Wechsel zu
verhindern, hält der AUA-Vorstand mit Nachdruck daran fest.
Entsprechende Arbeitsgruppen, die sich mit den Modalitäten
beschäftigen, sind bereits eingerichtet.
Das wieder bringt die Gewerkschaft so sehr auf die Palme, dass sie
bei der KV-Kündigung gegen den Willen der Tyrolean-Mitarbeiter agiert
hat. Der dadurch ausgelöste Streit zwischen Betriebsrat und
Gewerkschaft nützt auf den ersten Blick der AUA, hat aber
Explosionspotenzial. Denn auch ÖGB-Chef Erich Foglar will sein
Gesicht wahren. Sein Vorschlag, nun einen Konzern-KV zu verhandeln,
wird aber vom AUA-Vorstand nur auf Tyrolean-Kostenbasis akzeptiert -
und das kommt für die Gewerkschaft nicht infrage. Folglich werden
wohl die Juristen das letzte Wort haben. Sollte die Gewerkschaft
Überlegungen, den Klagsweg bis zum EUGH beschreiten zu wollen, wahr
machen, würde das die Situation zusätzlich komplizieren.
Der Ruf der AUA ist trotz aller Turbulenzen nach wie vor gut, die
Schlagzeilen der letzten Woche sind aber dazu angetan, ihn zu
beschädigen. Wenn ein Unternehmen monatelang nur mit negativen
Meldungen in Verbindung gebracht wird, tritt das ein, was gemeinhin
als "Self-fulfilling prophecy" bezeichnet wird. Abgesehen davon, dass
die Geduld der Konzernmutter Lufthansa mit der verlustträchtigen
Tochter wohl enden wollend sein dürfte. Die kürzlich genehmigte
Kapitalerhöhung in Höhe von 140 Millionen Euro erfolgte unter der
Auflage, die nötigen Hausaufgaben zu erledigen. Passiert das nicht,
fließt auch das Geld nicht und "die AUA fliegt zwangsläufig an die
Wand" ((C) Albrecht). Damit wäre das Schreckensszenario für
Mitarbeiter und Wirtschaftsstandort, vor dem alle warnen, perfekt.
Andererseits: Die rot-weiß-rote Heckflosse ist nett, aber wer braucht
sie wirklich? Das Geschäft würde rasch von der Lufthansa und
Mitbewerbern übernommen werden. Um das zu verhindern, wird der
Gewerkschaft wohl nur übrig bleiben, in den sauren Apfel zu beißen
und wettbewerbsfähige KV-Bedingungen bei der AUA zu akzeptieren.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]
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